Die Kunst des Betruges

Linda

Wer es zu etwas bringen will, sollte Meister in jener Kunst sein.
Da sich direkte Wahlen bis auf Bezirks-Regierungs-Ebene nicht nur als extreme Geld-Verschwendung erwiesen haben sondern auch im Ablauf nur die Korruption fördern, will man sie abschaffen und den Provinz-Parlamenten mehr Entscheidungsmacht geben. Die Kandidaten dafür unterscheiden sich vom Pöbel durch intelligentere Betrugs-Manöver, sind also in gewissem Sinne qualitätvoller als das gemeine Wahlvolk, das eventuell nur begrenzt lesen und schreiben kann – ganz zu schweigen vom Denken.
Parlamentssitze sind begehrt, weil öffentliche Aufträge, z.B. Straßenbau, an Abgeordnete vergeben werden. Deshalb kandidiert auch Linda W., eine erfolgreiche Unternehmerin, für die gelbe GOLKAR, die ehemalige Einheits-Partei Suhartos. Erfolgreich in dem Sinne, daß sie es meisterhaft versteht, ihre Projekte auf Kosten anderer zu finanzieren. Da wird man umworben, mit Geschenken bedacht, sogar eine kostenlose Reise nach Bali angeboten, wo ihre Kinder aus erster Ehe leben – und dann kommt sie zur Sache: Ein nicht unbeträchtlicher Kredit zu Wucherzinsen wird benötigt, genau befristet zurückgezahlt. Kein Problem, da sie verschiedene Zahlungen aus anderen Quellen erwartet. Man ist ja so vernetzt. Einige Zeit nach Ablauf der Rückzahlungs-Frist erhält man 1 ungedeckten Scheck. Ihre Schuldner hätten doch noch nicht gezahlt, man möge sich etwas gedulden, erhält eventuell schon Zinsen zur Beruhigung. Monate verstreichen, dann verschwindet sie nach Jakarta, Bali oder in die USA, wenn es Moslems sind, nach Gorontalo. Sie wolle aber bestimmt bald zurückkommen und dann alles bezahlen. Dabei können Jahre vergehen. Das ist ein Muster, mit dem sie sich im sozialen Netz alle gegenseitig betrügen.
Bei der Wahl liegt ein Nagel in der Wahlkabine (ein Stift würde geklaut). Mit dem locht man den Wahlzettel. Direkt in die Brust oder in die Partei-Nummer. Wer seinen Kandidaten schonen und nicht durchbohren will, sondern dies am Rande des Wahlzettels tut, macht seinen Schein ungültig. Wer die Kandidatin aus Rache durchbohrt, erreicht auch genau das Gegenteil.
Und dann gibt es die Gießkanne der Regierung für die ganz Armen. Da wird unserer neuen Bürgermeisterin Geld gegeben, mit dem Unterstützungs-Pakete gekauft werden sollen: Kleidung und Schulmaterial für die Grundschüler. Die Bürgermeisterin – die richterliche Untersuchung ihrer Personenstands-Dokumente läuft noch – hat vorher Daten gesammelt, wer dafür in Frage kommt. Und da geht es schon los: Wer ist arm? Dann beauftragt sie eine der Blockwärterinnen und diese übergibt das Geld (Alles?) an die Bezirks-„Wächter“. Jene bezahlten Posten werden nach jeder Bürgermeister-Wahl an Unterstützer neu vergeben. In unserem Bereich an den Moslem-Klan, der die Felder der Bürgermeisterin bearbeitet. Dieser Klan besteht überwiegend aus Dieben, Spielern und Ruhestörern. Zumindest einer hat schon gesessen. Wohnen mietfrei in Schrott-Hütten, aber alles da: 5 Motorräder, Kühlschrank, TV, Playstation, Super-Krach-Anlage. Außerdem organisieren sie schwer verbotenes Glücks-Spiel (Die Polizei erscheint nur zum Abkassieren.). Wie immer gibt es mehrere Versionen über den Ablauf der Verteilung, sicher ist nur, daß eigenartigerweise viele der Schulkinder nichts bekommen, wohl aber Kinder des Ganoven-Klans, die gar nicht zur Schule gehen. So besitzt die jüngste Tochter eines unserer Pächter keine Schuhe, zumal ihr der Opa 1 Kaninchen aus Gorontalo mitgebracht hat, welches ihre vorhandenen zernagte. Zum Glück gibt es die Deutsche General-Versicherungs-Anstalt, die das nicht nur ausgleicht, sondern – Pech für die Korrupten – auch im Widerstand erfahren ist. Und so schlägt die Welle zurück. Die verteilende Behörde rügt die Bürgermeisterin, jene die Blockwartin und diese die „Wächterin“. Letztere entschuldigt sich nicht, sondern beschimpft und bedroht die Benachteiligten sogar. Auch das ein Muster hier. Als die Frau unseres Pächters sich im Bürgermeisteramt beschwert, ist das wie ein Stich ins Wespen-Nest. Die Wilden denken und reagieren wie Kinder, nur gefährlicher. Die Hauptschuldige fängt sogar an, arrogant die Familie unseres Pächters zu beschimpfen, ohne zu ahnen, daß sie ein Familien-Mitglied vor sich hat. Dieses solle sich als „Zugezogene“ nicht so aufspielen. Die Block-Wärterin selbst ist eine Kraushaarige von einer der nördlich vorgelagerten Inseln. Ausländerin also. Wie bei Kindern folgt auf die Trotzreaktion nach einer Weile der Zusammenbruch: „Wenn ich ins Gefängnis komme, besuchst du mich dann?“ Die Frau unseres Pächters DÜRFE uns auf keinen Fall erzählen, was dort im Bürgermeisteramt vorgefallen sei, wird sie vom korrupten Dorfsekretär ermahnt, und dann verkaufen sie der Moslemin noch eine Eintrittskarte für die Weihnachtsfeier. „Partisipasi“ nennt man das hier.
Es soll ja Gutmeinende im Westen geben, die bei Katastrophen in Entwicklungsländern spenden. Sogar bei WordPress findet man etliche Geldsammler. Das kommt bestimmt an – irgendwo.

6 Gedanken zu „Die Kunst des Betruges

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