geerdet und bewässert

Erdkabel

Da liegt sie, meine letzte Verbindung zur Außenwelt. Wir mußten nicht nur 1 Straße bauen sondern auch ~600m Stromleitung. Kaum war beides fertig, kamen die Siedler und zersiedelten unsere Idylle. Den dafür benötigten Strom schmarotzen sie gleich von unserer Leitung. Der Leitungsbau hat den gleichen Qualitäts-Level wie alles in diesem Land. Sofern die unzureichend ausgerüsteten Arbeiter die schweren Hauptkabel überhaupt bis an die Spitze der Masten schieben können – oft legen sie sie nur auf Baum-Äste – so bleiben sie dort nicht lange. Eins hing im Lorong Jerman auf mitteleuropäischer Ohrhöhe. Jeder Laster schrammte unterdurch. Gern werden Kabel auch über scharfe Wellblech-Dachkanten geführt, mit gelegentlicher Todesfolge bei der Dachreparatur. Nun riß ein LKW das Kabel ganz runter – und unser dünnes Internet-Kabel gleich mit. Weiter unterhalb bei den Moslem knickte ein zusammengeschweißter Strom-Mast. Das ist alles kein Problem. Petrus, der zuständige Bastler der Telkom, erschien sogar am Sonntag, obwohl er eigentlich in die Kirche gehen wollte. Für Geld erledigen sie jedoch alles zu fast jeder Zeit.
Und danach fiel der Server 2 Tage lang aus.

geknickt

Nun kann ich wieder über die Absonderlichkeiten meiner Umgebung berichten, und vielleicht sollte ich es sogar, denn ohne als Undercover Agent, wie die Soziologin Dr. Susan J. Palmer, zum Thema „religiöser Wahn“ tätig sein zu wollen, war ich doch unfreiwillig erneut mitten drin. Diesmal erschien überraschend ein 7-köpfiger Trupp der Pentakosta-Bewegung im Schwimmbad. Pfingstler also, deren Gruppierungen und Abspaltungen so wirr sind wie ihre Lehre. Die Männer wirkten, als ob sie gerade vom Fußball-Platz kamen, die Frauen mit den üblichen blödsinnigen T-shirts. Während man sich bei den Adventisten kürzlich noch fein beschlipst und relativ würdig benahm, wirkte diese Taufe so weltlich, wie sie banaler nicht mehr sein könnte. Das Ritual (singen, beten, untertauchen, singen, segnen, beglückwünschen) zwar gleich, doch bevorzugten diese Kindergärtner eine größere Wassertiefe (1,50m), und anstelle eines Tuchs legten sie ihrem Opfer die Hand auf Mund und Nase. Ich war zum Glück schon rausgestiegen, denn das Waschen ihrer Kleidung als Nebeneffekt macht mir den Schwimmgenuß nun langsam unappetitlich. Die Dame in Rot erwies sich auch noch als entfernte Verwandte, und so erhielten wir gleich die Einladung zur Weihnachtsfeier – wahrscheinlich mit Pop-Musik, Geklatsche und ekstatischem Geschrei. Dabei könnte man sie also erforschen, sofern man der Ansicht wäre, es gäbe im Bereich menschlichen Wahns noch wesentlich Unerkanntes, das über die konfusen Ausdrucksformen hinausginge. Wichtiger wären mir Informationen über quantitative und finanzielle Verhältnisse, über die gruppendynamischen Methoden von Propaganda und Gehirn-Wäsche und besonders über den kalten Krieg der Minahasa-Christen untereinander.
Die katholische Besitzerin des Schwimmbades hat andere Probleme. Obwohl sie ein Schild aufgehängt hat: „Bei Umarmen und Küssen Strafe 100.000Rp.“ (6,25EUR), können manche Oberschüler es sich nicht verkneifen, sich in schlecht einsehbaren Ecken des Pools jenen höllischen Aktivitäten hinzugeben. Deshalb hat sich Nietje nun bei der Schul-Leiterin beschwert, und das hat geholfen. Dagegen bleiben die Aktivitäten der staatlich anerkannten Verdrehten straffrei, und sie verdient sogar daran.

Pentakosta-Taufe

http://blog.longreads.com/post/reading-list-religion-gone-extreme/

2 Gedanken zu „geerdet und bewässert

  1. Die Kabelverlegung ist sogar noch gruseliger als die amerikanische, das ist anerkennenswert.
    mit einer Einladung zu einer Strafe von 6,29 € vom Taschengeld könnte man demnach direkt Eindruck machen…

  2. Die Eigentümerin schmeißt auch mit ihren Latschen, damit das noch mehr Eindruck macht. Ich erinnere mich an einen Sportlehrer, der ebenfalls diese Angewohnheit hatte.

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