Schöne Bescherung

Bescherung

Ehe – bakua biar sotua.“ (Hehe – zwar alt aba noch saftich!)

Das iss nich etwa Mundartiges von mir oda auf mich bezogenes Wunschdenken, sondern es war auf einen rostigen, altersschwachen Kleinlaster gemalt, der uns voraus nach Manado fuhr. Doch der Tag begann mit einer Schlange …
Watt? Das hab ich doch gerade neulich geschrieben! Kannste ma sehn, wie monoton son Dschungel-Leben vor sich hinläuft. Diesma war’s aba ein richtiga Otto. Schon vorher hatte ich ihre abgestreifte alte Haut gefunden. Durch Kuhreiher in den Bäumen wurde ich auf sie aufmerksam. Die reiherten dort mit gestreckten Hälsen so auffällig, daß ich gleich von der Veranda ins Zimmer rannte, um meine Kamera zu holen und das 134. Reiher-Foto zu knipsen. Ich schußbereit, sie wech. Stattdessen so ein unvorschriftsmäßiger Ast, der mich gleich die Augen runzeln ließ. Da reck-turnten doch mindestens 2m Schlange zeitlupich im Baum herum. Armdick, wobei das auf den Arm ankommt, und nich jeder Arm iss wie ich und du. Der von der biafra-dünnen, arabisch wirkenden, hübschen Bedienung in einer Apotheke später in Manado, war wirklich mausedünn. Extremisiert noch durch ihre rechtwinklig abstehenden Ohren.
Davor hatten wir Helm und Kranz eines meiner tödlich verunglückten Feinde am Straßen-Rand passiert – ohne zu grüßen! Sein Vater, der mich mal anzugreifen versuchte, hinkt noch – nein, nich wegen mir, sondern vom eigenem Motorrad-Unfall. Jetzt trägt er Schwarzes. Einem anderen ist kürzlich der übagroße, unangeschnallte Helm in einer Kurve ins Gesicht gerutscht. Und der letzte Unfall – wegen Weihnachten passiert jetz jede Woche was, Wintaglätte kann es ja nich sein – folgte auf eine Unterhaltung zweier junger Leute von Krad zu Krad. Leider beschädigen diese Idioten nich nur sich selbst sondern auch Unschuldige, wie zum Bleistift den kleinen Jungen am Rand, der ebenfalls im Graben landete und gescannt werden muß. Nur Tante Ramei, schon so alt, daß mit ihrem Ableben nich mehr zu rechnen iss, übersteht alle Rammstöße.
Von einem vor uns fahrenden Mini-Bus grüßte mich winkend Ex-Diktator Suharto: „Zu meiner Zeit war es doch schön!“ stand drunter. Auf jeden Fall! Die Korruption war viel übasichtlicher. Familie Suharto kassierte alles, Tien, „Madame 10%“, brachte die Groß-Projekte auf den Weg, und kein Arzt Manados wär auf die Idee gekommen zu streiken, nur weil 2 Kollegen des staatlichen kranken Hauses, wo man mich auch schon mehrfach mißhandelt hat, wegen Behandlungs-Fehlern mit Todesfolge verhaftet worden sind (Ein dritter ist geflohen.). Dem einen ist darob die Mutter an Schock gestorben, weil der geliebte Bataker-Sohn in Schande. Für deren Beerdigung bekam jener zwar Hafturlaub, doch sind die Ärzte jetz pauschal beleidigt, da man Haftungs-Regelungen einführen will. Dabei kann man sich ihnen für Standard-Behandlungen und ebensolche Operationen genauso gut oda schlecht anvertrauen wie einem unfähigen Augenarzt in Scheeßel. Für Komplizierteres fliegt man besser nach Jakarta oder Singapore. Nur der Pflegedienst ist grundsätzlich lebensgefährlich. Die kranken Schwestern sind so faul und dumm wie Sessel-Transporteure. Letztere liefern Möbel, die man weitgehend unbeschädigt gekauft hat, garantiert zerkratzt und aufgeschlitzt ab und bauen sie eventuell noch falsch zusammen. Selbst dem Ladenpersonal darf man es auf keinen Fall übalassen, sperrige Gegenstände zum eigenen Wagen zu transportieren. Im Mega-Shop der Mega Mall jauchzte es im Chor zu weihnachtlich aus den Sehrlautsprechern Triefendem. Von singenden Verkäuferinnen kaufe ich grundsätzlich nix, sondern fange an zu tanzen. Dann lachen sie, obwohl das eigentlich ganich komisch sondern ganz latürnich iss.
Na jedenfalls, seit die Korruption demokratisiert wurde, muß man ständich damit rechnen, daß ein weiterer Verwandter verhaftet wird. Das iss nur deshalb unangenehm, weil dann seine Angehörigen von uns Geld „leihen“ wollen, damit der ehemalige Schulleiter nich noch 1 weiteres Jahr nachsitzen muß. Aba ich bitt’Sie! 1 Jahr im „Hotel Gratis“, das leistet man doch auf einer Backe ab – allerdings fern von Muttern. Singen darf man sicher auch oda soll es vielleicht, und der ehemalige Bürgermeister von Manado, der sich dort länger aufhält, hat sogar einen Bibel-Kreis gegründet.
Aba nu der HÖHEPUNKT: Da komme ich in 1 von 2 Buchläden Nord- und Mittel-Sulawesis (möglich, daß es in Süd-Sulawesi noch einen 3. gibt), und was sehe ich da? Da kommste nie drauf! Ein ganzer Tisch voller Plastik-Bausätze. Autos, Panzer, alles, was man so braucht, sogar die „Graf Spee“ und die „Titanic“! Wo ich das doch grad in meinen Memoiren aufgearbeitet hab! Allerdings sind mir die schwimmfähigen, motor-betriebenen Plastik-Modelle seinerzeit imma gleich in der Badewanne abgesoffen. Wahrscheinlich war das Loch für die Schrauben-Achse zu groß. Deshalb verzichtete ich auf die „Graf Spee“, und die „Titanic“ iss in dieser Hinsicht historisch sowieso belastet. Stattdessen griff ich mir kühn Leonardo da Vincis „Machines Series“, den ich ja auch schon im Blog entwürdigt hab! Jawoll! Volle Kanne. Mehrere seiner phantastischen Entwürfe als Bausätze! Das Flug-Modell staubt bei mir schon vor sich hin, den Panzerwagen will ich nich, auch nich die Kanone und das Katapult, und die selbst-lärmende Trommel übalaß ich den Wilden. Ein selbst-paddelndes Boot schon interessanter, doch entschied ich mich für den „self-propelling“-Karren. Alles „Made in Korea“. Kannste ma sehn. Die Koreaner sind ganich so dumm, wie man imma denkt. Und was für Möglichkeiten eröffnen sich mir damit: Ich könnte den Wagen in Leilem, einem Gebirgs-Dorf, wo Ochsen-Karren und Kirchen-Kanzeln gebaut werden, nach dem Modell zimmern lassen und damit meine Ziegen rumpropellern. Da wird man richtich total euphoristisch. Und dann könnt ich daraus wieda Kunst machen – die keina will. Ach, das hat doch alles keinen Zwerg. Lieba setz ich mich auf meine Pazifik-Veranda und kuck den Schlangen bei der Morgen-Gymnastik zu.
Doch jetz kann Weihnachten von mir aus -brechen, ich bin jedenfalls beschert. Obwohl – son nettes Sniper-Gewehr würd ich schon gebrauchen tun für die Hunde und Hühner meiner Nachbarin.

5 Gedanken zu „Schöne Bescherung

  1. Das deuchtete mir nu wieda ganich, weil ich gakeine Beziehung zu jenen Lauftieren hab. Aba man kann jetz hier welche aus Draht kaufen, wo man dann seine Leuchtschlangen rumwickelt. „December, the most fucking month of the year“, wie eine Bloggerin gerade blockte.

  2. Pingback: HA! | Memoiren eines Waldschrats

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