Schwimmen im Taufbecken

Badehund

„…; endlich, nachdem der geweihte Hund verzehrt ist, bricht man auf.“
François-René de Chateaubriand (1768-1848), „Die Jäger“

Für nur 46Cent kann ich gleich in der Nähe schwimmen gehen. Nietje hat ein öffentliches Schwimmbad gebaut, das auf angenehmere Weise nicht so aufgedonnert ist, wie das Kitsch-Resort von Eta in Kema, wo man 2EUR zu bezahlen hat. Der Schlampigkeitsgrad der Anlagen ist in etwa gleich. 2 Riesen-Boxen lassen Böses ahnen, doch noch schweigen sie. Kaum bin ich im Wasser, dröhnen sie los: „HALELUUUJAAAH!“ Auch wird man hier besser mit den neusten Sehrlautsprecher-Nachrichten der protestantischen Kirche versorgt, was sich anhört, als ob ein Zug aus Makassar einläuft, obwohl es auf Sulawesi gar keine Züge gibt. Zumindest das Gospelei-Gedröhn wird nach Protest wieder abgestellt. Das Wasser riecht nach Chlor und wirkt recht sauber. Am Beckenrand haben die Dorfkinder ihre Namen in den unverkachelten Putz geritzt, damit man weiß, wer hier gebadet hat. Anscheinend bringen sie dafür extra Werkzeuge mit, denn mit aufgeweichten Fingernägeln ginge das nicht. Für Naturverbundenheit sorgen, neben großen Bäumen ringsum, 3 Lang-Hunde, die Zecken-Perlenschmuck an ihren Ohren tragen. Über den Zustand der Hunde wird man immer akustisch informiert: Weinen sie auf herzzerreißende Weise tage- und wochenlang, handelt es sich um zum ersten Mal angebundene, junge Hunde. Dann folgt die Phase, wo sie alles verbellen, was ihnen merkwürdig erscheint, nachts in wilden Rudeln den Mond anheulen, und wenn man nichts mehr hört, besonders nach Festen, haben sie geschmeckt. Zwischendurch stirbt der eine oder andere Minahasa an Tollwut. Das ist nur fair.
Nietjes „Umkleidekabine“ ist nicht so seltsam wie die in Kema. Es handelt sich um ein Naßklo mit 1 rostigen Nagel an der Wand. Am besten ist der einzige Spiegel in der ganzen Anlage: Eine an die Wand genagelte Scherbe.
Kommt man morgens, ist man allein im Becken. Sonntags dagegen werden hier verwirrte Erwachsene durch Untertauchen getauft, die eventuell auch gleich einen neuen Namen bekommen, damit alles frisch ist. Nach Yuls Schlamm-Fiasko, hat man nun eine saubere Lösung gefunden. Es ist auch ein viel angenehmeres Gefühl, in irgendwie heiligem Wasser zu schwimmen. Das tut meiner alten Wirbelsäule gleich doppelt gut. Zumindest schadet es weniger, als wenn einer reinpißt. Nietje meint, ich solle besser nicht sonntags kommen, damit ich nicht versehentlich untergetaucht werde.

Ein Gedanke zu „Schwimmen im Taufbecken

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