Durch die Stadt des Lächelns

Heuchelei

Als meine Frau nur noch Komatöses erschallen läßt, wird es mal wieder Zeit, daß wir uns zum relativ neuen Ärztehaus in Manado fahren lassen, wo der Hund des Hausmeisters das Fahrstuhlkabel durchgebissen hat. Wenn man nicht noch 1 zusätzliche Stunde im Stau hängenbleibt, kann man es in 1Std. Leidenszeit mit dem PKW schaffen. Falls der Arzt tatsächlich erscheint, wird man nach mindestens 2Std. Wartezeit eventuell untersucht, kauft danach die Pillen in der symbiotisch eingegliederten Apotheke, die auch mit einem Kruzifix ausgerüstet ist, und fährt dann 1 Std. wieder nach Hause – sofern man inzwischen nicht gestorben ist.
Ich nutze die Wartezeit, um mich in der Stadt des Lächelns umzusehen und etwas zu essen zu finden. Vor der katholischen Kathedrale – alles vom Besten – ein Schild „Ada kebaktian“. Demnach ist gerade Gottesdienst, weshalb man nicht durch Fremd-Geräusche in der Kommunikation mit Gott gestört werden möchte. Christen sind ja SOO sensibel. Das bedeutet jedoch nicht, daß man nicht andere mit der allein seligmachenden Botschaft zu jeder Tages- und Nachtzeit stören könne. Nun sind die Katholiken traditionell die Leisesten unter den Krach-Terroristen Nordsulawesis, doch was für eine gigantische Heuchelei, denn die anderen stellen auch diese Schilder auf.
Gleich gegenüber steigt ein dicklicher Schüler der katholischen Schule – man kann sie an ihren Uniformen identifizieren – in das schwarze Luxusauto seines Vaters. Vorher wirft er aber noch den Deckel seines Trinkbehälters über die Mauer eines Grundstücks auf der anderen Straßenseite, der dort klappernd landet. Ex und hopp ist zusammen mit Facebook Teil der neuen Jugend-Identität geworden.
Ein kurzes Stück weiter informiert eine Wandinschrift darüber, daß Manado Modell-Stadt des Öko-Tourismus sei. Heuchelei hoch 2! Gleich dadrunter ein offen und blasig vor sich hinstinkender Gülle-Graben, an dessen vergittertem Ende sich alle Varianten von Plastik-Trinkgefäßen versammelt haben. Bei starkem Regenfall läuft der Graben über und verteilt die Soße auf dem dann nicht mehr begehbaren Küsten-Boulevard.

stinkig

Auf dem Rückweg zum Ärztehaus schaue ich in der größeren der 2 Buchhandlungen Nord- und vermutlich auch Mittelsulawesis nach, ob ich vielleicht ein Kunstbuch über Aktuelles der indonesischen Kunstszene finde. Fehlanzeige. Es existiert nicht mal eine Kunst-Abteilung. Dagegen reihenweise Regale mit islamischer und christlicher Literatur. U.a. wird der prächtige Bildband angeboten „Die 100 schönsten Kirchen Indonesiens“ und auch ein Bastelbuch, um sich die jüdische „Stiftshütte“ wenigstens als Modell veranschaulichen zu können. Bei der Internet-Recherche lerne ich, daß es auch in D durchaus solche Ambitionen zur Kinder-Programmierung gibt. Und es paßt ja so gut: „Am dritten Tage aber, als es Morgen wurde, erhob sich ein Donnern und Blitzen, und eine schwarze Wolke lag auf dem Berg, und mächtiger Posaunenschall ertönte, so daß das ganze Volk im Lager erschrak.“ (2. Mose 19,16). Die deutschen Ordensritter haben es ja seinerzeit ganz falsch angefangen. Sie hätten auf einem Königsberger Klops eine Inschrift entdecken sollen, die besagte, daß ihnen Ostpreußen von Gott versprochen sei. Dann hätten sie voll legitimiert die Ureinwohner wegräumen können und wären vielleicht immer noch da. Wobei sie doch wohl nicht wie Pinehas im Falle von Blutschande die eigenen Leute zusammen mit den fremdrassigen Frauen beim Ficken aufgespießt haben (4. Mose 25,8). Weil er „geeifert“ hatte, bekam Pinehas dafür von Gott als Belohnung das Priestertum für alle Zeiten für sich und seine Familie.

Stiftshuette

Als ich am Getränkestand im Ärztehaus Trinkwasser kaufe, damit meine fremdrassige Ehefrau ihre umfangreiche Tabletten-Kollektion runterschlucken kann, werde ich dort von einer Frau mittleren Alters ungewöhnlich korrekt und zuvorkommend bedient. Sie bemüht sich sogar, mit mir englisch zu kommunizieren, was ihr auch recht gut gelingt. Dabei fragt sie mich wie üblich aus und schmeichelt mir, wie gut ich Indonesisch könne (es handelt sich bloß um die immer wieder angewendeten Phrasen). Und dann überreicht sie mir ihre Visitenkarte. Ellen ist „Business Director“ der Lebens-Versicherung „Generali“, was meine umstrittene Theorie bestätigt, daß der Indonesier nur lächelt, weil er etwas hoffnungsvoll im Sinn hat. Business Director als Getränke-Verkäuferin? Vielleicht um dabei gleich Kranke abzufischen? Ich bin jedenfalls gegen nix versichert, und dabei bleibt es.

3 Gedanken zu „Durch die Stadt des Lächelns

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