Aus der Traum

Batu-Nona

Kema, das waren einige sehr dekorative Lehm-Klöpse im Pazifik und ein bezaubernd verschlafenes, überwiegend von Moslems geprägtes Fischerdorf. Schon immer zog es die weiter im Innland Wohnenden, denen ich gelegentlich auf meiner Veranda erklären muß, was das Blaue da hinten in ~5km Entfernung ist (Das MEER!), zu einer Stelle, „Batunona“ genannt, weil man mit sehr viel Fantasie in einem Inselchen einen Frauenkopf erkennen konnte, der sich inzwischen im Ansturm der steigenden Fluten zerlegt hat. Schon darin sehen wir, daß der Mensch Natur-Schönheit nich ertragen kann, sondern sie nur genießt, wenn er sie krampfhaft verkünstlichen und benennen kann. Einer meiner Irrtümer war, als ich zum ersten Mal nach Kema wanderte, es müßte großartig sein, solch ein unerschlossenes Bade-Paradies gleich in der Nähe meines Hauses zu haben.
Dann kam die Regierung und baute die malerische Bucht zu einem Häfchen um. So stümperhaft, daß man förmlich SEHEN kann, wie das zur Verfügung gestandene Geld in nicht eingeplante Taschen geflossen ist. Danach erschien Francisca alias Eta (wie es auf dem Nummern-Schild ihres schock-orangen Jeeps „Geronimo“ steht) und baute das „Batunona Resort“ inklusive einer miniberockten, überlebensgroßen „Nona“, die nun mit Atom-Busen und cellulitischen Stampfern eine Art Koloß von Kema darstellt. Neben diversen Vergnügungs-Apparaturen ergänzt ein stilisierter Dauer-Weihnachtsbaum aus Metall mit Stern den Freizeitpark zum Christlichen hin. Stellenweise durchaus nicht schlecht gestaltet, nur könnte er sich mit seiner ästhetischen Beliebigkeit auch am Mittelmeer befinden.

neu-ruiniert

Der junge Wilde – und jung sind die meisten hier – will nun mal modern sein. Das wollen wir, die wir es nur noch sind, ihm auch nicht verwehren. Allerdings ist das, was die bemerkenswerte Kultur Indonesiens interessant und einmalig macht, eben nicht der hingepfuschte Ripple-Style. Und wenn die noch nicht mal 1 Jahr alte Anlage sich aufgrund des landesüblichen Unvermögens jetzt schon wieder zerlegt (am Poolrand ist kaum noch eine gefüllte Fuge zu finden), bevor sie überhaupt fertig ist, so erweist sich halt auch dieses Projekt als international nicht konkurrenzfähig. Zumal die Wilden nach wie vor die umliegenden, märchenhaften Hügel abfackeln, und zusätzlich zu ihren Party-Geräuschen mit einer Teerfabrik die Luft beleben.
Während wir nur zu zweit in Etas Pool schwimmen, kommt ein Faktotum und stellt die Soundanlage extra für uns an. Diese befindet sich in einer Wasser-Bar, wo man auf Betonhockern in demselben sitzen kann – ich weiß nich warum. Vielleicht braucht man dann nich zum Pinkeln zu gehen? Da solch eine Anlage starkem Seewind und ebensolcher Feuchtigkeit ausgesetzt ist, spuckt sie „Musik“ nur noch unregelmäßig aus, doch wie immer lautstark. Wir protestieren sofort, und sie wird wieder außer Betrieb gesetzt. Kein Gefühl, kein Geschmack, nur Imitation von etwas, was sie noch nicht begriffen haben. Infantile Relief-Figuren am Eingang zeigen japanische Manga-Comic-Gesichter. Die Wilden glauben tatsächlich, mit dieser Schrott-Qualität etwas wie in Singapore oder auf Bali erreichen zu können.

Umgestaltung

Nach letzten Erkenntnissen macht ein rücksichtsloser Großunternehmer den schönsten Hügel Kemas platt, um dort eine Fischfabrik zu errichten – direkt vor Etas Resort-Flop.
Aus der Traum.

5 Gedanken zu „Aus der Traum

  1. Pingback: Weekly Art Failure | UNGEMALTES

  2. Pingback: Schwimmen im Taufbecken | Flaschenpost

  3. Pingback: Daumen nach unten | Flaschenpost

  4. Inzwischen ist das Resort pleite, bevor es überhaupt in Gang kam, steht zum Verkauf, und die Angestellten haben es ausgeplündert, um sich für nicht gezahlten Lohn zu entschädigen.

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