Netzwerke

Netzwerk

„Sei so klug, daß du unsichtbar bist. Sei so geheimnisvoll, daß du unberührbar bist. Dann wirst du das Geschick deiner Rivalen lenken.“
Sun Tzu, „Die Kunst des Krieges“

In dem Büchlein „Ost trifft West“ der Designerin Yang Liu (*1976 Beijing) zeigt sie mit sehr anschaulichen Piktogrammen den Unterschied sozialer Organisation zwischen Ost und West: Die individualistische westliche Gesellschaft (blau) zerplittert sich in Klein- und Kleinst-Gruppen, die sich ideologisch deutlich voneinander abgrenzen. Anschauungen werden oft mit verbittertem Ernst vorgetragen, Gegensätze erscheinen unversöhnlich. In der östlichen Gesellschaft (rot) ist jeder mit jedem verbunden, Privatheit weder vorgesehen noch erwünscht. Deshalb ist es schwieriger, auf deutliche Meinungs-Äußerungen oder Überzeugungen zu treffen. Morgen muß dem Nächsten noch eine Ziege verkauft werden, oder man will von ihm Geld leihen. Und Verwandten hackt man sowieso kein Auge aus. Dieses Knäuel bewegt sich nur als Ganzes, eher stagniert es – bei optimaler Lebendigkeit. Blau zählt kalt die Punkte, Rot kauft sie, weil Positionen keine Rolle spielen. Daß in dieser Struktur jeder jeden betrügt, wird nicht ernstgenommen. Anspruchslose Netzwerke wie Facebook und Twitter wirken wie maßgeschneidert für die indonesische Gesellschaft und werden deshalb auch massenhaft genutzt.

Im Te-Latte-Klan zieht seine älteste Tochter die Fäden. Zwar hält sie den Ehemann ihrer Bürgermeister-Schwester für ein aufgeblasenes Nichts, sprach sich auch gegen die Kandidatur aus, doch ein Klan hält zusammen. Bei der letzten Wahl des Regierungs-Präsidenten tauchte die als höhere Beamtin sehr erfolgreiche Frau sogar als Stellvertreterin im Gespräch auf. Dies verhinderte die Ehefrau des Kandidaten mit der Begründung, die Bewerberin sei „Bonbon“ ihres Mannes. Das Geld für den Wahlkampf um den Posten des Bürgermeisters auf Pulau Oscura war knapp, doch konnte Bonbon ihre Beziehungen spielen lassen und genug beschaffen, das jedoch von den Klan-Mitgliedern zurückgezahlt werden muß. Deshalb war verlieren keine Option, da man in der neuen Position öffentliche Gelder anzapfen kann. Der Wahl-Ausgang enttäuschte sie (900:700), da sie den dominierenden Protestanten genügend in den permanent klingelnden Beutel geschoben hatte. Doch wandten jene sich in offensichtlich unerwarteter Anzahl ab, weil Bonbon gleichzeitig die Moslems kaufte, in dem sie ihnen die Möglichkeit zur Errichtung einer neuen Moschee eröffnete.
Verheiratet ist Bonbon mit einem arbeitsunfähigen Roboter, der wenig sagt, jedoch gefährlich eifersüchtig ist. Zwar sind die Verhältnisse in Indonesien allein schon geeignet, hoffnungslose Melancholie zu erzeugen, doch seine ist eher krankhaft. Um ihn zu beschäftigen, hat Bonbon eine Auto-Waschanlage errichten lassen, in der nicht bedient wird, wer ihre Schwester nicht gewählt hat.

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2 Gedanken zu „Netzwerke

  1. Pingback: Schatzmeisterei | Flaschenpost

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