Te-Latte

Pulau-Oscura

Die Eltern von Te-Latte waren noch reine Chinesen, die sich auf der Pulau Oscura ansiedelten. Dort gelang es ihnen, mit der Eröffnung eines kleinen Ladens zu bescheidenem Wohlstand zu kommen. Schon die Generation ihrer 6 Kinder vermischte sich mit den einheimischen Malaien. Einer ihrer 4 Söhne, Te-Latte, spezialisierte sich auf den Ankauf von Kokosnuß-Ernten. Dabei stand er in Konkurrenz zu einem Zeugen Jehovas. Beide wurden die reichsten Männer im Dorf, die genug Kapital erwirtschafteten, das sie verleihen konnten. Als Pfand bekamen sie von ihren Gläubigern Grundstücke und wurden so nach und nach auch die größten Grundbesitzer. Die Situation der Chinesen in Indonesien ist der der Juden in Europa auf verblüffende Weise ähnlich. Um die wiederholten Progrome zu überleben, mußten sie ihre Kultur lange Zeit bedeckt halten und wurden sogar gezwungen, indonesische Namen anzunehmen. Dabei waren sie auch während der Diktatur begehrte Finanziers. Als einer der besten Freunde Suhartos fungierte der chinesische Bankier Liem Sioe Liong, der u.a. durch Schmuggel reich geworden war. Erschien die Raffgier der chinesischen Freunde zu peinlich, entledigte man sich der eigentlichen Herren des Pazifiks. Schon deshalb gehörte es zur Strategie der Händler, ihren Reichtum zu verbergen und mit eher schäbiger Kleidung vor ihren Läden zu sitzen. Nur wer unsichtbar blieb, konnte der permanenten Erpressung durch die faulen und korrupten malaiischen Beamten entgehen. Te-Lattes Kinder mußten seine Schweine füttern, bevor sie sich auf den Schulweg machten. Anstatt auf die Leistung ihres Vaters stolz zu sein, ist ihnen dessen einfache Herkunft heute peinlich.
Nachdem Te-Lattes Frau an Zucker starb, heiratete er eine 30jährige Lehrerin – was seinen Kindern gar nicht recht war – und bei der Erb-Auseinandersetzung kam es dann auch zu erheblichen Konflikten. Trotz oder wegen Viagra hatte sich der 70jährige Te-Latte auf seiner jungen Frau schließlich zu Tode gearbeitet, vorher aber noch einen weiteren Sohn gezeugt.
Kaum eines seiner 6 Kinder, unter denen Te-Lattes 150 Grundstücke aufgeteilt wurden, arbeitet. Sie verwalten ihr Land, feiern, saufen und spielen – der „Drei-Generationen-Fluch“. Die erste opfert sich auf, um reich zu werden. Die zweite erbt schon erhebliche Mittel, die sie mit Sparsamkeit und Fleiß zu einem Maximum akkumuliert. Die dritte Generation vergeudet den Reichtum und läßt ihn sichtbar heraushängen. Lediglich die Klan-Chefin ist eine erfolgreiche höhere Beamtin. Eine weitere Tochter arbeitete zeitweise in einer Fisch-Fabrik, wo sie wegen Unterschlagung entlassen wurde. Erst die Generation ihrer Kinder ist gezwungenermaßen wieder mehr oder weniger erfolgreich berufstätig. Dabei blieb fast nichts von chinesischer Kultur übrig. Nur ein runder Spiegel gegen die bösen Geister am Hausgiebel der Klan-Chefin ist sichtbarer Rest jenes kulturellen Ursprungs.

Te-Latte

2 Gedanken zu „Te-Latte

  1. Den „Drei-Generationen-Fluch“ haben Sie gut beschrieben! Er trifft zu oft tatsächlich zu … Nicht nur in Familien, sondern auch in der Menschheitsgeschichte. Konflikte, Krieg, Wiederaufbau, Frieden, Konflikte …

  2. Pingback: Auf der Leiter | Flaschenpost

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