Depression im Paradies

pietaetlos

Schlechter Tag und schlechte Nacht.
Beim Bau eines 2. Ziegenstalls aus Restholz springt mir die neue, sehr scharfe Säge in den Daumen. Also mal wieder Antibiotika, alle Handhabungen werden schwierig, die Arbeit bleibt liegen.

Während uns die Ambonesin Theresa besucht, die im Auswärtigen Amt in Berlin arbeitet und mein Ambiente mal wieder paradiesisch findet, dröhnt uns die Siegesfeier der neuen Bürgermeisterin in die Ohren – der deutlich dümmeren Kandidatin, deren Klan schon vor ihrem Amtsantritt deutlichgemacht hat, daß ihm JEDES Mittel recht ist, um unser Dorf zu beherrschen. Die Gerüchte über die merkwürdigen Vorgänge, die zu ihrem Sieg führten, überschlagen sich. Möglicherweise war entweder sie oder ihr Ehemann nicht geschieden, als sie heirateten. In den nächsten 6 Jahren wird letzterer – ein ehemaliger Minibus-Fahrer – bestimmen, ab wann wir schlafen dürfen. In der Siegesnacht ab 2Uhr morgens. „Bürgermeister“ heißt auf indonesisch „hukum tua“ (Gesetz alt). Daß wieder Gesetzlosigkeit, Skrupellosigkeit und Lautstärke gewannen, ist deprimierend, jedoch alltäglich in Indonesien.

Und dann noch diese niveaulose Internet-Diskussion über Prof. Hagens „Körperwelten“. Im Gegensatz zu meinen Kontrahenten habe ich die Ausstellung tatsächlich GESEHEN – im altehrwürdigen Museum für Naturwissenschaften in Philadelphia. Keine Spur dort von „Geisterbahn“ oder „Jahrmarkts-Spektakel“. Im Gegenteil: viele interessierte, ruhige junge Leute, Lernende und Betrachter wie ich, die einen derartigen Anschauungs-Unterricht noch nirgendwo geboten bekamen und die Ausstellung gern ein 2.Mal besuchen würden. Schon das Foto, das die anonyme Autorin verwendet, zeigt keine „bizarren Posen“. Trotzdem möchte sie seine „Leichenfledderei unterbinden“, weil angeblich die „natürliche“ Pietät versage, die sie weder definiert noch von mir in Frage stellen läßt. Statt konkreter Lebenserfahrung moralinsaures Ausweichen mit sophistischer Argumentation. Der Ruf nach dem Zensor, wie von einem verklemmtem Moslem, der den „Miss World Contest“ verbieten will, weil angeblich die Würde der Frauen verletzt werde, die er gleich für alle verbindlich fixiert sehen möchte.

An einem meiner Teiche hatten Wildenten gebrütet. Ihnen folgte eine interessante Hausente. Als einer meiner zahlreichen Verwandten dort den Zaun reparierte, befürchtete ich schon, daß sie danach ebenso verschwinden würde wie die Warane. Nun fand ich sie tot in einem Wassergraben. Bestimmt nicht ertrunken.

7 Gedanken zu „Depression im Paradies

  1. Körperwelten hab ich mir im Juli in Rostock angesehen und war angenehm überrascht, mit welcher Sorgfalt und welchem Aufwand die Ausstellung gestaltet wurde. Mir gefielen besonders die darstellerische Aufbereitung (expansiv) der Exponate und die einfühlsame Begleitung per Hörführer. Am Ausgang habe ich überlegt, ob ich mich nicht selbst zur Plastination anmelden sollte. Man spart den Hinterbliebenen Kosten und Kopfzerbrechen darüber, wie sie die Leiche los werden …😉

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