Schmutz oder Schönheit

nein-danke

„Doch wir, die wir um Christi Willen als Schmutz ansehen, was von Schönheit erstrahlt, das Ohr bezaubert, durch Wohlgeruch entzückt, dem Geschmack schmeichelt, dem Tastsinn gefällt – wessen Frömmigkeit, so frage ich, haben wir vor, mittels eben dieser Dinge anzustacheln?“ Bernhard von Clairvaux

Wenn es das Ohr am Montag Morgen gegen 6 wenigstens bezaubern würde! Mindestens 1Std. Morgenpredigten mittels Sehrlautsprechern aus 2 verschiedenen Dorfkirchen haben wir dann bereits hinter uns. Nun folgt 1Std. Wunschkonzert für Protestanten. Zuerst wird gejault. Schwüle Choräle. Früher waren es Pop-Songs mit „Jesus inside“. Chormusik iss irgendwie göttlicher und einschläfernder – wenn man bei dem Krach noch schlafen könnte. Man exportiert das gelegentlich nach D. Wie niedlich, diese Wilden! Was die alles können! Ab und zu fährt man zum „Kirsen-Tag“. Bei dieser Gelegenheit saust man im ICE von Frankfurt nach Berlin, um was von D zu sehen, wartet dort auf dem Bahnhof auf den ICE von Berlin nach Frankfurt und saust wieda zurück. Die ganze Zeit hat man indonesischen Stockfisch in der Handtasche, weil man das deutsche Essen nich ertragen kann. Man kommt aus D auch zu Besuch. Ach, wie schön! Wären die Kirchen in D doch so gut besucht! Es gibt allerdings etwas merkwürdig viele hier. Und eine sieht kurioser aus als die andere. Jede hat anscheinend ihren Abt Suger (1080-1151), der dafür sorgt, daß sie ständig behübscht und vergrößert wird. Jener hatte seine Kirche St.-Denis zu einem Vorbild dessen aufgeprotzt, was man später als französische Gotik bezeichnete. Durch seine lebenslange Freundschaft mit König Ludwig dem Dicken gelangte der ungewöhnlich klein gewachsene, die Abstammung aus ärmlichen Verhältnissen überkompensierende Emporkömmling in die Nähe der Geldtöpfe und konnte so seine Erleuchtungs-Visionen ganz materiell mit Glasrosetten, Gold, Perlen und Edelsteinen sichtbar machen. Die von König Dagobert (!) gegründete Abtei, die das Grab Pipins des Kurzen enthielt, baute er nicht nur gegen den Widerstand des asketischen heiligen Kriegers Bernhard von Clairvaux vollständig um, er sog (sugere) alle verfügbaren Geldquellen derartig aus, daß er es sich und seinen Mönchen so angenehm wie möglich machen konnte. Selbst sein Bett soll „untertags mit hübschen Stoffen bedeckt“ gewesen sein. Die von Karl dem Kahlen gestifteten Reliquien hatten ebenso ins Auge zu fallen, wie man Blut natürlich nur aus goldigen Bechern trinken konnte. Ein Meister der Schaustellerei mit viel Elan jedoch ohne Geschmack, dessen Lichtmystik auf den physikalischen Effekten von Email, Kristall, Mosaiken und Glasmalerei beruhte. Materielle Schönheit mit einer unersättlichen Leidenschaft für Gold und alles Strahlende als Vehikel der geistlichen Seligkeit. Ohnehin schon prahlerisch überladen, mußte der eitle Abt die Kirche 13mal mit seinem Namen und zahlreichen Porträts von sich versehen. Und dann starb er an Malaria.
Doch zurück zum Wunschkonzert. Hat der Konserven-Chor zuende gejault, wird angesagt, wieviel gespendet wurde: Familie Übafromm 20.000Rupiah (~1,42EUR), Familie Flaschengeist 3,57EUR, Familie Blah 1,42EUR. FÜR ALLE GUT ZU HÖREN! Dann wird wieda gejault. Danach: Famile Wichtichtu 1,42EUR, Familie Korruptionsmeister sogar 7,14EUR, und Familie Bildungsfrei grüßt Familie Wichtichtu … 1Std. lang, jeden Montag.
Sach nich, das sei unbedeutend! Das Geld iss in ALLEN Religionen übahaupt der zentrale Punkt. Deshalb werden die indonesischen Protestanten, die sicher auch aus Frankfurt was kriegen, zunehmend nervöser, weil die von den Amerikanern gesteuerten Baptisten-Sekten ihnen Marktanteile abjagen. Nix Genaues weiß man nich. Man bräuchte konkrete Zahlen darüber, woher das Geld kommt, und wohin es verschwindet. So eine Art Wikileaks für religiösen Wahnsinn.

Foto: Church of Sacred Heart Singapore
http://insellos.wordpress.com/2013/04/03/g20-execution-place-contest/

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