Wischen oder waschen?

Klobeziehung

„I have to pee.”
„So pee.”
„Someone is using the toilet.”
„No one’s using the bathtub …”  aus „A Fork in the Road” (2009)

Daß jemand so an seinem Klo klebt, hätte ich nich gedacht. Ein deutscher Krankenpfleger und Anhänger der „Linken“ mag wohl nix anderes kennen als seine enge, hygienische Welt, doch dann gleich eine ganze Religions-Gemeinschaft als unsauber darzustellen, ist grob dumm: Liebe Moslems das solltet ihr mal reformieren!“ hieß es da ohne Komma in seinem Post „Moslems und Toilettenpapier“, der den Tag „Klugscheißerei“ verdient hätte, denn gerade die Moslems haben in ihrer Religion ausgeprägte Reinlichkeits-Vorstellungen verankert, die im Christentum fehlen.
Die Fakten sind diese: In D braucht man zum Kacken mindestens 2 Fabriken und 1 Baurat. Eine stellt die Klos her, die andere Wisch-Papier und Randschutz (eventuell noch eine, die die Plastik-Verpackung liefert). Ferner benötigt man mindestens 1 Laden, in dem man das alles kaufen kann. Und natürlich gips keine Kackstelle ohne Genehmigung. Dagegen brauchen die meisten Menschen aller Religionen und Hautfarben nur 1 Loch im Boden, Wasser und Seife. Physiologen haben längst bestätigt, daß die Hockstellung natürlicher ist und sich besser zur Entleerung eignet. Jeder, der darüber nachdenkt oder es sogar getestet hat, wird zu dem Ergebnis kommen, daß Waschen hygienischer und gesünder ist als Wischen, selbst wenn dabei die Kuppe des Stinkefingers der linken Hand vorübergehend verunreinigt wird. Doch scheint das Vorstellungsvermögen so manches Deutschen dabei nur nacktes Entsetzen zu produzieren.
Meinen Erstkontakt mit Hock-Klos hatte ich in den 60er Jahren in Frankreich. Sind Franzosen unsauberer als Deutsche? Allein die Vorstellung, mich auf einen (im günstigsten Fall unbepißten) Klorand zu setzen, der schon von anderen besessen wurde, ist unerfreulich. Für Menschen, die es gewohnt sind, sich in natürlichen Gewässern zu waschen, ist der Brauch, in der eigenen Brühe in einer Wanne zu baden, ekelhaft. Meine sehr hygienische Mutter beobachtete ich mal, wie sie einen Plastik-Handschuh überstreifte, sich im Mini-Garten die Kacke ihres übergroßen Hundes griff, diese durch‘s Wohnzimmer, wo alle saßen, über den Teppichboden trug – wobei sie noch die Schuhe anhatte, mit denen sie den Garten betrat – und die Wurst im Klo versenkte. Was sie mit dem Handschuh machte, weiß ich nicht, weil ich mich angeekelt abwandte. Es soll sogar Menschen mit offenen Katzen-Klos in ihrer Wohnung geben. IIIGITT! Moslems und Hindus ziehen nicht nur im Tempel die Schuhe aus. Deshalb, ihr meta-hygienischen Deutschen, früher war die Völker-Freundschaft ein Motto der Linken. Hat sich leider als Lüge erwiesen, wie auch der Rest der linken Politik, aber immerhin, der gute Wille war da („Mein Herz schlägt links“, iss noch nich mal anatomisch korrekt!). Deshalb darf ruhig auch über deutsches Brauchtum nachgedacht werden. Natürlich wird hier reichlich an Thyphus gestorben. Das liegt aber nicht grundsätzlich an der Hock- und Wasch-Methode, sondern am mangelnden Wissen über Hygiene. Sehr unsaubere Klos mit Brunnen in unmittelbarer Nähe, offene Abwasser-Gräben, frei herumlaufende Haustiere und mangelhafte Kinder-Erziehung sind dafür Gründe. Auch ein Armer kann wenigstens ein sauberes Klo besitzen, wenn er sich dessen Wichtigkeit bewußt ist. Stattdessen findet man hier eher Kruzifixe, überdimensionierte Musik-Anlagen und die ekelhaftesten Klos, die ich je gesehen hab. Dagegen wird in den Toiletten des Flughafens Changi/Singapore ein Foto des Betreuenden gezeigt, und auf einem Touchscreen kann man tatschen, in welchem Zustand man das Klo vorgefunden hat: Sehr gut! (Wie desinfiziert man eigentlich Touchscreens?)
Selbst der allgemein verehrte Geheime Legationsrat Wolfgang dichtete schon in „West=östlicher Divan“:

So der Westen wie der Osten
Geben Reines dir zu kosten.

Sinnig zwischen beiden Welten
Sich zu wiegen, lass‘ ich gelten;
Also zwischen Ost= und Westen
Sich bewegen, sei’s zum Besten!

5 Gedanken zu „Wischen oder waschen?

  1. Like ^^ Diese eigenartigen Argumentationen bezüglich der Toilettengewohnheiten haben wir wohl alle schon mal live mit angehört. Was aber auch daran liegt, dass man zumindest hierzulande, im Land der Richtigmacher, über das Thema Körperausscheidungen generell gern in Wallung gerät. Vermutlich haben alle bereits in den Windeln einen Schaden genommen und Töpfchen mit Musik im Wohnzimmer schulten das ästhetische Empfinden.

  2. Pingback: Richtich kacken | Flaschenpost

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