Rashomon für Anfänger

Taeter&Opfer

„But is there anyone who’s really good? Maybe goodness is just make-believe … Man just wants to forget the bad stuff, and believe in the made-up good stuff. It’s easier that way.”

Rashomon“ (1950), gilt heute noch als eines der wichtigsten Werke der Filmgeschichte – wahrscheinlich, weil es nicht nur von Kurosawa meisterhaft gefilmt ist sondern auch elementar menschliches Leben darstellt. Im Film stellt sich heraus, das bedauernswerte Opfer ist nicht das, als was es zuerst erscheint. Lolita ist nicht nur hübsch sondern vor allem dumm und unreif. Aber wiederum nicht so dumm, daß sie nicht in ihrem hormongesteuerten Interesse mit anderen zu spielen versucht. Bis heute trifft sie sich immer wieder mit ihrem angeblichen Peiniger, studiert sogar an der gleichen Uni. Der ärztliche Befund kam zu dem Ergebnis, daß sie es nach dem ersten Geschlechtsverkehr noch mehrmals betrieben hat. Die Mutter des „Vergewaltigers“ hat sogar Zeugen, wie dafür mehrere Männer in Frage kommen.

Als Reni nach dem Tode ihres Mannes wieder heiratet, ist Lolita der neue Stiefvater nicht recht. Sie wohnt nun bei den Großeltern und schleicht sich nachts aus dem Fenster. Lolita ist so eifersüchtig, daß sie versucht, die neue Ehe ihrer Mutter zu zerstören, indem sie dem Stiefvater erzählt, ihr Onkel treibe es mit Reni. Das gelingt auch fast. Ihre Mutter muß sich den Vorwurf anhören, das ganze Dorf rede schlecht über sie, weil sie ihre Tochter „verkauft“ habe. Dabei ist Reni damit klug dem Rat des untersuchenden Polizei-Beamten gefolgt, und hat ihrer Tochter das Studium finanziert. Denn hätte einer jener korrupten Richter gegen den Sohn der Einfluß-Reichen entschieden, wenn allein bekannt geworden wäre, das angebliche Opfer treffe sich immer noch mit dem „Täter“? Und eventuell sind sogar Drogen mit im miserablen Spiel.

Ich genieße es in der Regel nicht, in Filmen verschiedene Versionen von den gleichen Schauspielern realistisch vorgeführt zu bekommen. Das ist nur ein Spiel mit dem Zuschauer und zerstört die Illusion, wegen der man ja vor dem Geflimmer sitzt. Verschiedene Perspektiven lassen sich auch anders visualisieren. Insofern hat mich „Rashomon“ weniger begeistert als Kurosawas Stech- und Hack-Filme aber auch als „Nachtasyl“.
Morgen dann die 3.Version.

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