Corruption of Bushido

Hinrichtung-Singapore

Als ich neulich zufällig den extrem blöden Film „G.I. Joe – Retaliation“ sah, der mit Waffen-Fetischismus und Zeitlupen-Aufnahmen von Ninja-Kämpfen zum x-ten Male japanische Kampf-Kunst zelebrierte, schien es mir, als ob diese asiatische Kultur ohne jeglichen historischen Bezug zum Kult mutiert ist. Es scheint vergessen zu sein, welche Folgen Zen-Buddhismus, Samurai-Kult und japanischer Imperialismus in Asien hatten, und es ist überaus fraglich, ob jemals eine moralisch nicht korrumpierte Samurai-Gesellschaft existiert hat. Darüber klärt das Buch von Lee Geok Boi auf: „The Syonan Years – Singapore under Japanese Rule (1942-45)“, 2005. Ich bezweifle, daß es eine im Westen weit verbreitete Zen-Anhängerschaft gegeben hätte, wenn die Fotos nur der berühmtesten japanischen Massaker so bekannt wären, wie die von Auschwitz: Nanking massacre (250 – 300.000), Muar River Massacre, Sook Ching Massacre („You could hear machine-gun sounds going through the night.”), Palawan Island Massacre, Manila Massacre. Auffällig an den abstoßenden Fotos ist – die inzwischen für alle im Internet zugänglich sind – wie sie sadistische Lust dokumentieren. Allein die Art, in der ausweglosen Situation in Manila, Bevölkerung und Gefangene abzuschlachten, rechtfertigte den Einsatz der Atombomben. Tausende dieser Buddhisten, sofern sie nicht zu Asche wurden, kehrten als Mörder, Vergewaltiger und Diebe nach Japan zurück. „I didn’t understand why this Japanese was taking this girl away and then the mother pointed … to the Buddha. He saw the Buddha and released her.” Die Institutionalisierung von Sex-Sklaverei in den besetzten Gebieten war ebenso einmalig wie die equisiten Folter-Methoden der Kempeitai: Kneipsche Kuren, Stopfen mit ungekochtem, aufquellendem Reis, Genitalien braten, Elektro-Behandlung, Gelenke umbauen, Maniküre, Haut abschmirgeln und einfaches Aufhängen. Die Japaner fühlten sich als allen überlegene Rasse mit einer Nihonjinron-Weltanschauung, nach der das Individuum wertlos ist, keine Rechte zu beanspruchen und immer dem Vorgesetzten zu gehorchen habe. Dies sei sogar eine ihnen angeborene geistige Qualität: „As individual friends, they were warm and friendly. But as soldiers receiving orders, their character changed. They were no more human. They became like cold machines who could kill easily with no feelings.” Aufgeben war nicht vorgesehen, der Tod nach buddhistischer Auffassung eine Möglichkeit zur spirituellen Fortentwicklung – eine der typischen Voraussetzungen für lebende Tötungs-Maschinen. Selbst als nichts mehr ging, vermied der Kaiser das Wort Kapitulation: „Our sincere desire to ensure Nippon’s self-preservation and the stabilisation of East Asia, it being far from Our thought either to infringe upon the sovereignity of other nations or to embark upon territorial aggrandisement … Despite the best that has been done by everyone – the galant fighting of military and naval forces, the diligance and assiduty of Our servants of State and the devoted service of Our one hundred million people, the war situation has developed not necessarily to Nippon’s advantage, while the general trends of the world have all turned against her interest.” Hingerichtete japanische Kriegsverbrecher wurden zu „Märtyrern”, ihre Überbleibsel in der nationalen Wallfahrtstätte des Yakuni-Schreins untergebracht. Buddhistische Priester glorifizierten Militarismus und Opfer für’s Vaterland und unterstützten die Remilitarisierung. Ausführlich beschreibt Lee Geok Boi wie gegensätzlich mit der Vergangenheit in Deutschland umgegangen wurde, während in japanischen Geschichts-Büchern immer noch versucht wird, das Land als Opfer darzustellen. Auf einer amerikanischen Veteranen-Website findet man andere Proportionen: „Japan caused the death of about 12 millions civilians, far more than those caused by Germany.” Wenn die propagandistische Fälschung von 6 Millionen ermordeter Juden schon früher auf 4, auf 800.000 oder sogar weniger reduziert worden wäre, hätten wir internationalen Standard erreicht, anstatt zu Comic-Figuren zu werden. Man stelle sich vor, Filme mit korrekt deutsch sprechenden Schauspielern würden deutsche Präzision, deutsche Waffen-Technik, schwarze Uniformen mit glänzenden Stiefeln und Paraden vorführen, begleitet von Albert Speers Licht-Kunst – wie sie Fox verwendet – anstatt japanischen Faschismus zur Religion zu verklären, die für folgende Generationen akzeptabel ist und nachgeahmt wird, weil jene auf unkritische Weise vom Exotismus japanischer Kultur fasziniert sind. „Some have argued that supposed aspects of Japanese culture widely reported in the West take on a life of their own as clichés long after the phenomena in question have disappeared from the socio-cultural landscape.”

http://en.wikipedia.org/wiki/Zen_at_War

Fox-Faschismus

4 Gedanken zu „Corruption of Bushido

  1. Das ist ein ethisches Dilemma, wenn der Gegner keinerlei Skrupel kennt (z.B. die japanische „Unit 731“ bei biologischer Kriegsführung mit Versuchen an Gefangenen). Durch die Atombomben wurden nicht nur weitere Opfer unter den amerikanischen Soldaten vermieden, sondern auch unter der Zivilbevölkerung in den von Japanern besetzten Gebieten. Mit dem Ultimatum vom 26.Juli wurde die Möglichkeit zur rechtzeitigen Kapitulation gegeben.

  2. Pingback: Schöner sterben | Flaschenpost

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