Mit Hitler im Café

deutscher-Besen

Am deutschen Besen soll die Welt genesen! Wir sind einfach top. Das haben im Rückblick auf den japanischen Terror im 2.Weltkrieg sogar die Chinesen Singapores begriffen: „But in retrospect of course, they were really not as … terrible as the Germans. Because the Germans went about it in a rather systematic fashion. The Japanese did it in a sort of rather haphazard [Zufall] manner.” Eben! Deshalb kleben sie ja auch gerne deutsche Flaggen auf ihre minderwertigen Produkte („Nagata Cleaning; Made in Indonesia“). Man kann in Indonesien durchaus neben artikuliertem Minderwertigkeits-Gefühl übertriebenen Nationalstolz erleben. Der Widerspruch erklärt sich psychologisch: Wer an Defiziten leidet, muß das kompensieren. Und so ist die Bewunderung für alles Deutsche grenzenlos. Deshalb hatte ich mal die Idee, ein Restaurant „Berlin“ zu entwerfen: Die Front bestände aus einer verkleinerten Nachbildung des Brandenburger Tores, innen alles schwarz-rot-gold, die malaiische Bedienung im Dirndl und ich in Lederhose. Angeboten würden deutsche Wurst gegen Eiweißmangel, Sauerkraut gegen Skorbut und Bier gegen Leber. Doch gibt es in Bandung, einer Stadt auf Java mit besonders hohem Intellektuellen-Anteil, seit 2011 eine noch blödere Idee – und es hat niemand gemerkt? Das „Soldatenkaffee“ Henry Mulyanas bietet jedoch nicht nur ein abgedrehtes Ambiente. Im dazu passenden Blog wird auch die Holocaustleugnung ausführlich gefördert. „In fast allen arabischen und islamischen Staaten ist Holocaustleugnung nicht strafbar und häufiger Teil einer antizionistischen Propaganda in den Medien. Die Regierungen dulden oder fördern diese.“ Deshalb hatte ich kürzlich in einer Expat-Community auf die dümmliche Bejubelung Indonesiens u.a. geantwortet: „Indonesier mögen die Deutschen, weil sie Juden vergast haben.“ Das wäre das Verrückteste, was er je gelesen hätte, antwortete ein junger Engländer, dessen soziales Engagement darin besteht, Terror-Sound-Anlagen in Moscheen zu reparieren. Abgesehen von artikulierter Hitler-Bewunderung hatte ich nicht nur in der Mega-Mall Manado vor einem Punk-Versorgungsladen einen Aufsteller mit Nazi-Photos gesehen, sondern auch gerade kürzlich einen Wagen mit aufgesprühter Naziflagge. Das hätte ich wohl mit buddhistischen Swastika-Darstellungen verwechselt, meinte ein pöbelnder Amerikaner (Korruption gäbe es in D auch, sogar die Presse sei korrupt!), und er hätte schon mal die Idee gehabt, ein „Swastika-Café“ in Ubud zu eröffnen. Das fand er lustig. Nachdem die Indonesien-Bewunderer über mich herfielen wie die Wölfe, bin ich raus aus der merkwürdigen Community. Sicher ist derartige historische Verwirrung nur ein minimaler Aspekt der allgemeinen in Indonesien, und es ist für mich ganz und gar nicht befriedigend, im nachhinein recht zu haben. Doch sollte man dieses Phänomen zumindest zur Kenntnis nehmen. Übrigens sind Flaggen hissen, Strammstehen, rumschreiende (und schlagende) Vorgesetzte und Singen patriotischer Lieder ebenso tägliche Praxis im gesamten öffentlichen Dienst wie die Uniformen der Beamten. Sicher war die Fälschung von Opferzahlen der Aufklärung nicht förderlich, doch ist diesen jungen Indonesiern wohl nicht bewußt, welchen Stellenwert die Nazis für die malaiische Rasse vorgesehen hatten.

https://www.youtube.com/watch?v=OEGIYG0ftzs

“Hitler & the Nazis in Pop Culture… Every Day! This WEB is not pro NAZI. It is matter of fact, with the intention of exploring Hitler & the NAZIS as pop culture Kaffee. The authors of the WEB are not NAZIS or neo-NAZIS,We are Indonesian with no political affiliations. The WEB & Kaffee are concept of World War 2 German and Collection.”

Trotzdem ist es nun geschlossen worden.

9 Gedanken zu „Mit Hitler im Café

  1. Was heißt da es berichtet im Westen niemand?
    Sogar die Oberhessische Presse ist selbstgerecht voll davon,
    und natürlich darf auch das beliebte Thailand-Bashing dort nicht fehlen.
    Sogar Korea wurde in den deutschen Presse-Abfall (DPA) gezogen.
    Dabei hat in Thailand niemand am Tag der Machtergreifung Jubelartikel geschrieben!
    DAS ist dann schon in Oberhessen passiert.
    Deshalb müssen die Thailänder aus der Geschichte lernen.
    Natürlich nicht aus der thailändischen Geschichte, das wäre dann ja gegen Franzosen und Briten gerichtet und deshalb nicht hilfreich.

  2. Na ja, die Indonesier die ich so kenne finden sowas mehr als ein bissel retardiert.
    Außerdem ist es doch unasiatisch, die Kollaborateure des ehemaligen Kolonialherrenvolkes nachzuspielen (holländische Waffen-SS). Find ich.

  3. Das sind geschnitzte Tafeln einer hinduistischen Schrein-Wand auf Bali – durch einen Filter gejagt.

  4. Man sollte den Fall nicht quantitativ überbewerten, auch wenn der Laden wieder geöffnet werden soll.
    Sie spielen gerne alles Westliche nach, hier besonders das Christentum, und das ist akustisch SEHR unangenehm.

  5. Das hat aber lang gedauert, bis man es bemerkt hat. Ich hab übrigens den Verdacht, dass westliche Neonazis Länder wie Indonesien mit dem Dreck versorgen. Sie müssen die Dekoration ja irgendwo herbekommen (auch Nazi-Rock). Ist mir schon vor Jahren in Davao aufgefallen.

  6. Pingback: Lost Nazi | UNGEMALTES

  7. Pingback: Idioten-Tag | Flaschenpost

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