Go East

Hong-Kong-Fashion

Kommt die neue Mode für junge Christen aus Asien? Sie iss schon längst da. Während die weißen Kreuzritter in Changi mit ihren doofen T-shirts noch so hölzern wirkten wie ihre Ideologie, erreichen uns heftigst irrende Impulse aus Asien. Zwar gibt es nichts mehr zu erfinden sondern nur noch längst Bekanntes eklektisch neu zusammenzustellen, doch frisch und aufregend iss das schon, was da im „orient excess“ heranrauscht. Dabei hat es der junge Chinaman mit seiner „fashion-madness“ nich leicht: Er will sich absetzen vom konfuzianisch Eingepferchten, ist dabei tief in östlicher Tradition verklemmt, will den Westen imitieren und gleichzeitig die Welt retten – wenigstens mit „eco-consciousness“ und der „recycled collection“ von Esprit.

Catalog

Mir dagegen führt der Klima- und Perspektivwechsel den Verfall vor. In der feuchten, tropischen Luft quillt die Haut auf. Nach Stunden in den AC-Konditionen von Flughafen, Flieger und Hotel trocknet und schrumpft sie. Die Armbanduhr schlackert am Handgelenk, faltich hängende Haut auch. Die Brüste folgen der Schwerkraft, Falten weiß betont, weil sie keine Sonne bekommen, zellulitisch strukturiert die Oberflächen von Fett-Ansammlungen. Haare wachsen überall, nur nich da, wo sie sollen. Unappetitlich! Obwohl das Gehirn zwar schnell Überflüssiges löscht, wird vieles intensiver erfahren. Es ist, als ob das Gehirn eher besser arbeitet als früher, während sich der Körper verabschiedet. Ich erinnere mich an meinen Großvater, wie ich ihn einmal nur mit Schlafanzughose sah. Ich mochte ihn sehr, aber nich diesen Anblick. Ekelhaft! Nun bin ich auch an dem Punkt angelangt.

alt-im-Spiegel

Fotos aus „Catalog Magazine, The Definitive Shopper“, Issue 105, Singapore

6 Gedanken zu „Go East

  1. An was gilt es sich denn da zu gewöhnen?
    Ist doch alles total okay.
    Da kenne ich Leute in meinem Alter, die verbrauchter aussehen.
    (Und die sind Mitte zwanzig.)

  2. Langsam in Schwäche und Krankheit zu versinken, ist schon gewöhnungsbedürftig – auch wenn ein chinesischer Taxifahrer in Singapore mal wieder meinte, daß ich viel jünger aussehe. Leider habe ich in seinem „Singlish“ die Zahl nich verstanden. Ich antworte dann meist, daß innen schon alles verrottet wäre. Darüber lachen die Wilden. Wie dem auch sei, Hemingways Lösung iss mehr OK.

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