Wie ich geräuchert wurde

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Reisebüro-Werbung, Singapore

Die Häuser in Singapore sind so groß, daß man sie nich leicht findet. Und das kam so: – Nein, eigentlich beginnt diese Geschichte mit Holzwürmern. – Das auch nich, denn es iss keine richtige Geschichte mit Anfang und Ende. Wer einen Anfang braucht, den kann ich nur auf meine Nase verweisen, die nich funktioniert. Formal könnt sie auch besser sein, aba vor allem neigt sie dazu, partiell zuzuschwellen, mir nich genuch Luft zu geben und mir das Leben gewaltich zu versauern. Das tut sie, soweit ich mich erinnern kann. Als Kunststudent brauchte ich stündlich 1 Schuß Otriven – bis nix mehr ging, und ich einen Entzug machen mußte. Später ließ ich mir dann in Bremen einen Gang aufschneiden, und mein Leben war wie neu. Die feuchte Luft hier tut mir gut, aber anscheinend hat sich inzwischen der andere Gang verengt, so daß jede Ziegenstaub-Wolke zum Problem wird. Und nun kommt der Holzwurm:
Im Laufe der Zeit versuchen verschiedene Viecher mich und die Balken meines Hauses wechzufuttern. Es gibt hier kein Holzschutzmittel, weil das für die Wilden zu teuer iss. Sie lassen ihre Holzhäuser einfach aufessen und bauen sich dann welche aus Beton im internationalen Ripple-Style. Ich hab Motoröl mit Anti-Holzwurm-Gift gemischt und damit alle Holzflächen gestrichen. Das war 10 Jahre lang ein guter Schutz, mußte aba nun erneuert werden. Nach langer Suche fand ich ein Anti-Termiten-Gift, wo ich mir die Ingredienzen-Liste lieba gar nich erst durchgelesen hab, und mixte das wieda mit Motoröl. Bevor ich es mit einer langen Stange und Rolle, die mich auch mit feinem Nebel versorgte, auf die Balken auftrug, fegte ich ersma den jahrzehntealten Vulkanstaub von den waagrechten Flächen und bekam davon eine so üble allergische Reaktion, daß ich nur mit Paracetamol im Kopf nach Singapore starten konnte, wo gerade rekordmäßig so viel Staub aus Indonesien in der Luft war, daß man bereits das Riesenrad „Singapore Flyer“ an der Marina Bay stillgelegt hatte, weil man es nich mehr finden konnte. Das war gemein, denn Singapore sollte eigentlich eine Erholung sein, weil es normalerweise so still und sauber iss, aba die indonesischen Wilden belästigen ebenso wie die japanischen Zivilisierten nich nur sich selbst sondern auch gleich ihre Nachbarn. D.h., sie wissen ganich, daß sie sich selbst schädigen, weil hier nicht mal akademisch geschulte Lehrer Ahnung davon haben, wo genau die Lunge sitzt, geschweige denn von ihrer Arbeitsweise. Und so empfindet man alle Arten von Luftverschmutzung nich als wirklich unangenehm, sondern beginnt den Tag damit, die Sound-Terror-Anlage losbrüllen zu lassen und das zusammengefegte, feuchte Laub mit Hilfe von Brennspiritus unmittelbar am Haus anzuzünden. Während ich zum Flughafen fuhr, beobachtete ich einen Vater, wie er Colaflaschen mit Benzin füllte. Zwischen sich und den Flaschen sein Kleinkind. Wo iss das Problem? Gewaltige Reisstrohhaufen werden nach der Ernte einfach angezündet und versorgen die Gegend je nach Witterung kilometerweit und tagelang so mit Rauch, daß man in Häusern ohne AC, wie meinem, nich mehr weiß, wo man Sauerstoff herbekommen kann. Schon beim Anflug auf Manado sieht man die Rauchwolken. Wir zwingen daher unsere Pächter, das Reisstroh zu kompostieren. Aber die umliegenden Bauern versorgen uns so oft mit Rauch, wie es Stromausfälle gibt. Also fast täglich. Die gelegentlichen Vulkan-Eruptionen haben außer Staub- auch noch sofort tödliche Gaswolken zu bieten.

Pollutant-Standard-Index

PSI = Pollutant Standard Index (371 am 20.6. in Singapore)

Für Singapore ist die Problemlösung leicht: Als ich 3 Tage kreuz und quer durch Singapore‘s Nebel marschierte, wobei mir die Augen brannten (bösartigen Husten hatte ich schon mitgebracht), war es nur in den zahlreichen Malls der City auszuhalten, deren kalt-trockene AC-Luft jedoch für mich auch unangenehm ist. Verbände man also diese Konsum-Tempel mit geschlossenen Laufgängen, bräuchte man sich gar nicht erst in der unfrischen Luft aufzuhalten und bewegte sich wie in einem Hamsterbau. Die Investitionstions-Möglichkeiten in der Filter- und Tunnelbau-Technik sind jedenfalls gigantisch. Auch sollte man sich rechtzeitich mit Aktien der Maskenhersteller versorgen. Täglich sah man mehr Menschen damit, manche hielten sich nur die Hand vor den Mund. Da ich wegen meiner Mistnase hauptsächlich durch den Mund atmen muß, ziehen sich weiche Masken beim Atmen in denselben. Ich brauch also eine richtige Gasmaske.

Atemschutz

Jedenfalls hat der Designer, der dieses Plakat für die öffentlichen Verkehrsmittel gestaltet hat, sicher nich geahnt, welche unangenehmen Realitätsbezüge es bekommen würde.

not-great

Irgendwie gerecht iss ja, daß Malaysia auch seinen Teil abbekommt, denn viele der Palmöl-Plantagen, die auf Sumatra brennen, gehören malaysischen Firmen. Die Plantagen-Landschaft dort wirkt so öde und dunkel wie deutsche Fichten-KZ‘s. Die Betreiber reden sich damit heraus, daß sie das Bereinigen der Anbauflächen an Kontraktoren und jene es wieder an Sub-Kontraktoren vergeben, die das mit der billigsten Methode durchführen – was täglich überall in Indonesien geschieht.
Daß ich mich zwischen den Wolkenkratzern von Singapore anfangs ein paarmal verirrte, lag aba nich am Rauch sondern daran, daß zwar meine Karte eingenordet war, ich aba nich. Ich hielt sie sozusagen verkehrtrum und ging anfangs nach Westen anstatt nach Osten zum „Singapore Land Tower“ an der Change Alley, in dem sich die Deutsche Botschaft befindet. Seit meinem letzten Aufenthalt dort iss Singapore so vollgeklotzt worden, daß man kaum Überblick findet. Die Change Alley existiert nur noch als Tunnel in einem der Riesenbausteine. Ich brauchte eine halbe Stunde, um fast vor dem Wolkenkratzer zu stehen – und noch eine, um den Eingang zu finden.
Bei der Rückkehr bemerkte meine Frau auf dem Flughafen Manado: „Du riechst nach Rauch!“
Macht doch nix. Bleib ich länger frisch.

Ein Gedanke zu „Wie ich geräuchert wurde

  1. Pingback: Ohne Atemluft | Flaschenpost

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