Demokratie ohne Volk

Hanura

Als die Indonesier 1998 den Suharto-Clan davonjagten, geschah das nicht aus einem Verständnis politischer Philosophie heraus. Solange es aufwärts ging, und der Kreis der Profiteure groß genug war, fand man nicht allzuviel dabei, daß 1 Familie den Staat als Privatbesitz ansah. Doch als die Weltwirtschaft in die Knie ging, beschloß man den Kuchen gerechter zu verteilen. Aktuell versucht die Regierung, die rumtobenden Bürger wieder einzufangen, denn die direkte Demokratie zeigt ihre Schwächen. Einmal sind es gigantische Kosten, wenn jeder staatliche Leiter bis auf die Ebene von Regierungs-Präsidenten vom Volk gewählt werden muß, und das Land befindet sich permanent im Zustand eines nervösen Wahlkrampfs. Indonesien ist nun mal kein kleines, übersichtliches Staatsgebilde, in dem sich im aristotelischen Sinne alle Bürger kennen. Vielmehr sollte sich der Weise, wie Seneca forderte, nicht an indonesischer Politik beteiligen, denn das ist gefährlich und moralisch erniedrigend: Da die Stimmen gekauft werden, handelt es sich um eine demokratisch organisierte Oligarchie. Zwar besitzen die Reichen meist eine bessere Ausbildung, doch schon die 2.Generation kann Bildungs-Fortschritt und Position erwerben. Das Wahl-Ergebnis ist also nur pseudo-demokratisch. Da der Wilde nicht verlieren kann, muß jeder Kandidat bei der Registrierung, bei der auch seine Integrität überprüft wird, eine Erklärung nachsprechen, mit der er sich verpflichtet, eine eventuelle Niederlage zu akzeptieren. Genau das passiert in der Regel nicht, sondern man setzt den Mob in Bewegung, um in den Besitz der Wahlurnen zu kommen, oder wenigstens das Wahlbüro zu zerlegen. Wird das durch Polizei und Stacheldraht vereitelt, geht man mit der Anfechtung der Wahl durch alle Instanzen. Das wäre zu Suhartos Zeiten angemessen gewesen, aber da traute sich keiner. Demokratie ohne Demokraten funktioniert also nicht und schon gar nicht die direkte. Auch die Frauen-Quote hat sich als Flop erwiesen, wegen der notfalls 18jährige als Kandidatinnen die Listen füllen müssen. Vorherrschende politische Motivation der Kandidaten ist ihre Raffgier, weshalb Parteien gewechselt werden wie Autos. Da man viel ausgegeben hat, um gewählt zu werden, muß die neue Position Ersatz schaffen. Die Zeiten, wo märchenhafter Reichtum die Folge war, sind jedoch weitgehend vorbei. Sowas weckt nun berechtigtes Mißtrauen bei der Anti-Korruptions-Behörde, und langsam wandert ein Politiker nach dem anderen ins „Hotel Gratis“. Eingeweihte meinen, die Korruption sei jetzt besonders schlimm, weil man noch raffen will, bevor nix mehr geht.
Sogar christliche Parteien sind entstanden, deren Wahlerfolg sich aber umgekehrt proportional zur totalen optischen und akustischen Präsenz verhält (2Std. montags ab 4:30 und abends nochmal 1 Std.). Der Ex-General Wiranto (Foto links) versucht aktuell, mit dem Slogan „Gewissen des Volkes“ (Hati Nurani Rakyat= HANURA) Präsident zu werden. Nun ja, da muß das Volk wohl noch ein bißchen üben, denn gerade wurde wieder ein verwandter Ex-Schulleiter zu 1 Jahr „Hotel Gratis“ wegen Unterschlagung von Staatsgeldern verurteilt.
Warum jeder Idiot das Wahlrecht besitzen sollte, ist sowieso ein international ungelöstes Problem.

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