Plattfüßige Ziege im Regen

Ernst-Pingel-Ziege

Als Blogger hat man’s ja nich leicht. Ersma muß man entscheiden, ob man sich im Mittelpunkt des politischen Welt-Geschehens glaubt und jenes eifrig kommentiert, oder ob man sich mit dem elementar Wirklichen beschäftigt, mit dem man täglich zu tun hat. Dazu kommt, daß diese Ziege, die mir von Ina Gade freundlicherweise zugesandt wurde, mich in den Konflikt treibt, wo ich denn nu darüber schreibe. Mit Ernst Pingel, von dem die Federzeichnung stammt, verbindet mich manches, was in der Vergangenheit angesiedelt ist und eigentlich zum „Waldschrat“ gehört. Ziegen besitze ich aber erst, seit ich Insel-Bewohner bin, sie somit per „Flaschenpost“ zu senden ist an die gewissermaßen stark beschränkte Gemeinde der ehemalig verbeamteten, ausgewanderten, akademischen Ziegen-Züchter.
Nur, schreiben muß ich, denn diese Ziege geht mir nah. Nicht nur weil sie so miserabel gezeichnet iss, sondern weil meine schwarze gerade zum ersten Mal gleich 2 Böckchen produzierte und danach sehr plötzlich derartig abmagerte, daß man Sorge haben mußte, ihr die Rückenknochen zu beschädigen, wenn man sie nur streichelte. Keine hat jemals so ein inniges Verhältnis zu mir gehabt, wie jene. Dabei ist sie eine miese Mutter, und ich glaube, daß die Mistviecher nur an zweierlei interessiert sind: Fressen und Ficken. Das sind auch beim Menschen die Hauptmotive, doch läßt das im Alter nach. Das größte Problem im Alter iss das Alter. Jedenfalls wird ihr Anlehnungs-Bedürfnis mit zunehmendem Gewicht ganz schön belastend. Und wennse mit Begeisterung meine Hemdknöpfe und Brusthaare frißt, möchte man ihr eindringlich zurufen; „HÖR JETZ MA AUF!“ Ich gehöre jedenfalls nich zu den Psychopathen, die ihre sozialen Probleme auf Tiere projizieren, sondern ich behandele sie einfach mitfühlend. So quäle ich sie nicht mit Halsbändern oder womöglich noch mit einer daran befestigten Glocke, sondern habe ihnen ein großes Freigehege gebaut, wo ich ihre hinten rausflutschenden Geburten auffange, abtrockne und vor den ungeschickten Tritten der Mutter bewahre. Mit Natur hat das jedoch nix zu tun. Natur bewahrt nich alles auf, sondern iss völlig erbarmungslos.
Ich weiß nich, welches Verhältnis Ernst Pingel zu Tieren hatte. Offensichtlich war er zeitweise stark von asiatischer Reduktion beeinflußt. Und so sprangen die Viecher an den Wänden und auf den Anrichten der guten Stuben herum – meist eher von Ostasiaten als von Natur-Beobachtung inspiriert. Schließlich sogar auf den ersten TV-Geräten, bis sie vom Seepferdchen und den Mainzelmännchen abgelöst wurden.

Sintenis-Reh

Was die u.a.von Renée Sintenis gelieferten Bambi-Verniedlichungen für seelische Verwüstungen angerichtet haben – sogar die Förster sahen sich gezwungen, davor zu warnen – iss ja noch ganich richtich erforscht. Dagegen setzt sich Pingel doch mit dieser ruinierten Ziege positiv ab. Abgesehen von Perspektive-Fehlern in Kopf und Beinen, zeigt er uns, wie es wirklich war. Vermutlich handelt es sich um eine geflüchtete ostpreußische Ziege, die nach multipler Vergewaltigung durch Russen schließlich im Auffanglager in Uelzen gelandet iss. Erstaunlich dabei, wie sie sich nach all den schrecklichen Erfahrungen noch dieses gleichmütige Mädchen-Gesicht bewahrt hat. Daß Pingel sich nich bei der Schwanz-Haltung entscheiden konnte, wollen wir übasehn, denn der wackelt einfach zu oft. Fragwürdig bleiben allerdings die orthopädisch rätselhaften Hufe der Hinterbeine. So sehen höchstens meine Hintafüße aus, nachdem wieda eine Ziege auf meinen Gummistiefeln gestanden hat.

Geburtshelfer

2 Gedanken zu „Plattfüßige Ziege im Regen

  1. man merkt daß Du Deine Ziegen sehr liebst. dürfen sie auch in Deinem Bettchen schlafen ??? An den Geruch müssen sie sich dann eben gewöhnen ………😆

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