Nix zu essen

2Mandiris

“Everything will be all right in the end … if it’s not all right then it’s not the end.”
Marigold Hotel

Neulich hab ich einem geantwortet, der meinte, indonesisches Essen sei Spitze, es wäre das Ungesündeste, was ich kenne. Auweia! Da war was los. Ich mein, die Leute, die sich nur von einem Pub Jakartas und einem gepflegten Schlemmer-Restaurant Balis zum nächsten bewegen, wissen latürnich übahaupt nich, was der gemeine Indonesier täglich für ein Zeuch in sich reinschiebt, und wieviele magenkrank sind. In 13 Jahren hab ich nich begriffen, was die Funktion extremer Chili-Schärfe ist, die am Eingang Atemlähmung und am Ausgang Brennen verursacht, die aba sehr wohl das Loch im Magen der 2.Tochter unseres Hauptpächters erklärt – und das darauf folgende in unserem Portemonnaie. Manche Touristen behaupten sogar, sie mögen scharf. Da kann ich nur lachen – wenn ich nich gerade husten muß.
Ganz oben in der Mega-Mall Manado gips was zu essen. 1-Eimer-Restaurants und ähnlich Typhusierendes. Aber auch eine etwas gepflegtere Stelle, wo ich mit Genuß Siaomay und Batagor esse. Früher hab ich imma gedacht, Siaomay wäre Batagor, es iss aba umgekehrt. Siaomay (Shao-mai) iss sone Teigtasche mit was Halbgarem drin. Besonders unangenehm, wenn der Teig glibberich naß iss. Aba hier schmeckt das. Etwas Kohl, 1 Kartoffel und 1 KZ-Ei sind auch dabei. Das ganze in leckerer Erdnuß-Sauce. Batagor iss sone knusprig gebratene Teigtasche mit irgendwas Fischigem drin. Noch besser als Siaomay. Bestellt man das Gleiche an anderen Stellen, isses zum Wechlaufen. Wegen des Siaomay fragt die Frau an der Kasse, die ich immer erst aus der Küche rauslocken muß, neuerdings:
„Siaomay komplit?“
Ja was? Natürlich! Wenn ich mir hier schon die Jahrmarkt-Lautstärke zumute, dann komplett. Und so gips Siaomay wie immer, nur heißt es jetz „Siaomay komplit“. Also sach ich:
„Satu siaomay dan satu batagor!“
„HAHH??“ fragt die Frau an der Kasse, die anscheinend nich Indonesisch kann, und reißt den Mund auf. Ich wiederhole:
„Satu siaomay dan satu batagor!“
Jetz hat sie‘s verstanden.
„Batagor kosong!“ (batagor leer = alle!). Die Rolltreppen funktionieren auch nur manchmal.
Unten im Foyer feiert man gerade Winta-Schlußverkauf. Der Styropor-Schnee iss wechgeräumt, das gigantisch violette Osterkreuz auch. Es kann nu wieda Weihnachten wern. In der Kofferabteilung gips ogginol Polo-Taschen, obwohl man für Polo gakeine Tasche braucht sondern 1 langen Holzhammer aus der Heimwerker-Abteilung. Ich kucke sie mir an, während ein junger Mann mit Motorrad-Helm in der Hand am Treppen-Geländer lehnt und mich beobachtet. Da er nich uniformiert iss, kann er kein Verkäufer sein. Als ich mich in engeren Kontakt mit einer Tasche einfühle, treten der junge Mann mit Helm von rechts und eine rot-schwarz uniformierte Verkäuferin von links an mich ran. Auf dem Preis-Schild steht eine Zahl. Meine Frau fragt die Verkäuferin, ob das der Preis sei. Nein, das ist die Produkt-Nummer. Der Preis ist um 50% reduziert – und um 20%.
„Also 70%?“ kalkuliert meine Frau.
„Nein“, sagt die Verkäuferin, „das ergibt einen anderen Preis. Erst minus 50% und dann 20!“ Wir haben später im Auto noch eine Weile nachgerechnet. Es stimmt! Mit Mengenlehre versteht man es leichter. Aber dort vor Ort fühle ich mich umzingelt. Der rätselhafte junge Mann zückt sein Handphone, meine Frau ihr Eifon – und findet keinen %-Touch.
„Was kommt denn nun raus“, fragt die ungeduldige Verkäuferin den jungen Mann, bei dem es sich vielleicht um einen freischaffenden Prozent-Rechner handelt.
„Warte doch mal, ich bin noch nich so weit“, antwortet der. Ich bin aber schon weiter und wech. Von Leuten, die mich umzingeln und den Preis nich wissen, kaufe ich nix, auch wenn die ogginol Polo-Tasche mit falschem Label fast nix kostet.
Dann steige ich die Rolltreppe runter, weil sie gerade nich rollt und treffe unten im Supermarkt-Restaurant auf einen jungen Mann, der mich überschwenglich begrüßt. Ich weiß nich, wer das iss. Mich kennen alle, ich keinen.
Als ich mich im IT-Center gerade mit illegalen Diwidies für 1 Woche eindecke, zeigt mir meine Frau plötzlich auf dem Schirm ihres Eifons, wie ein Bär einem Mann auf einem blattlosen Baum im Irgendwo nachklettert. Ich frage mich, warum sie das tut. Weit und breit gips hier keine Bären. Sowas hat sie vorher noch nie getan. Wenn hier im IT-Center ein Bär auftauchte, würde ich gleich am Messerstand eins dieser ogginol gefälschten Samurai-Schwerter erstehen und damit den Bär zerschnipseln. Stattdessen brauch ich ne Selbsthilfe-Gruppe für Angehörige von Handphone- und Internet-Süchtigen. Sollte ich vielleicht ma bei Dr.Markus anrufen?
„Herr Dokta, meine Frau kuckt Tag und Nacht ihr Eifon an. Ob ich es vielleicht im Teich versenke? Schwimmen die?“
„Tun Sie das nicht, sie will dann bloß ein neues haben!“
Draußen gießt es inzwischen junge Hunde, und der Schirm liegt trocken im Auto. Während ich im Foyer warte, fängt ein uniformierter Sicherheitsmann an, mit seinem elektronischen Tennisschläger vor meinen Füßen rumzuwedeln. Dabei hab ich sichtbar keine Bombe in meinen Sandalen versteckt. Er will, daß ich mich davonhebe, damit ein Kuli die Pfützen wechmoppen kann. A-SO!
Auf der Rückfahrt passieren wir einen verrückten bärtigen Obdachlosen mit uraltem Motorradhelm auf dem Kopf, Umhang aus durchsichtiger Plastikplane über der sehr heißen, zerfetzten Hose und einem Stück Moniereisen als Speer auf der Schulter. In einem Dorf sehe ich einen düsteren Käfig, deutlich kleiner als eine Garage, in dem ein Kasuar in Einzelhaft gehalten wird. Ein Wilder quält den großen Vogel mit einer Holzstange, mit der er zwischen den Gitterstäben rumstochert. In einem anderen Dorf bemerke ich in einem Vorgarten 2 täuschend echt bemalte Beton-Gänse – der Kopf der einen unter einem Bauhelm verschwunden. Woran erinnert mich das bloß?
Das Foto oben hat übrigens unser kleiner, dicker, balinesischer Finanz-Berater gemacht. Er spielt Yamaha, hat meiner Frau ihr Eifon vermittelt, und bei Überschwemmung ist das Erdgeschoß seines Hauses jedes Jahr wieder unter Wasser. Manchmal lädt er uns zur Koch-Demonstration in die Bank. Nur mit der Finanz-Beratung hapert es. Doch stolz demonstriert er mir, wie man auf seinem Samsung „Galaxy II Note“ Kreise kritzelt. Hoffentlich besitzt es ein %-Touch, denn daß Bankangestellte Prozent-Rechnung können, ist nicht selbstverständlich.

Kasuar

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