Zappenduster

alles-duster

Nein! 2 Autos, da hinten auf der Straße nach Kema, haben noch Licht. Auch die Fischerboote, die sich manchmal zu einem gleißenden Stern vereinen, um sich dann wieder am Horizont entlang aufzureihen.
12Std. kein Strom. Noch nicht einmal Rekord. Am nächsten Tag nochmal 6Std. Stromausfall und am übernächsten wieder. In Tengari, im Gebirge, wo der Strom mit Wasser-Turbinen erzeugt wird, soll ein großer Baum umgefallen sein. Doch auch ohne Baum-Kolosse – so viele gibt‘s davon ja nicht mehr – fehlt es fast täglich an Strom. Weil immer mehr verbraucht, dabei viel illegal abgezapft wird, und weil die Gelder für die nötigen Investitionen im unersättlichen Schlund der Korruption verschwinden. Kein großes Problem für uns – wenn der Wassertank gerade voll ist. Nur für die Pumpe benötigen wir ihn unbedingt. Eigener Solar-Strom wäre ideal, doch unter den hiesigen Bedingungen reine Illusion: kein Material, keine Ersatzteile, keine Fachkräfte, handwerkliche Ausführungen grundsätzlich miserabel.
Für die Behörden ist es allerdings sehr unangenehm. Nicht weil die Computer-Schirme schwarz bleiben – gearbeitet wird auch sonst eher ausnahmsweise – sondern es läuft kein Unterhaltungs-Progamm mehr im TV. Das iss hart. Zwar kann man bei den häufigen Feiern noch singen, aba nich mehr laut! Das iss doppelt hart! Kein Prediger kann mehr seinen Wahn anläßlich der Kettengebete ins Mikrofon brüllen, bei denen alle Religionen das übergroße Wort haben – was bei 5 Priestern etwa 1Std. dauert, bevor man zum eigentlichen Anlaß der Feier kommt. Feiert der indonesische Beamte nicht, so nimmt er wenigstens die Gelegenheit wahr, zu den moslemischen Gebetszeiten in die hauseigene Moschee oder auf’s Klo zu gehen. Darüber hinaus steht sicher irgendwo im Amt 1 Billard- oder Tischtennis-Tisch. Ab und zu sammelt die Polizei Beamte beim Einkaufen während der Arbeitszeit ein.
So eine Zwangspause hat seine guten Seiten. Man liegt im Dunkeln und denkt über sein Leben nach. Was man macht mit der Zeit, die einem noch bleibt. Wenn man keine Gestaltungsmöglichkeiten mehr hat. Wie abhängig man schon vom Computer ist – die Handphone-Kultur bricht in kürzester Zeit zusammen, weil keiner die Dinger wieder aufladen kann. Niemand dringt mehr mit seinem elektrisch pulsierenden Dreck in mein Hirn ein. Nur das Sirren der Zikaden, die Choräle der Frösche, das Glucksen und Quietschen der Sumpfhühner und das Rauschen des Wassers.

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