Ziegen

Goat-Man

Die amerikanische Unterhaltungs-Industrie weiß, wie sie ihre Zielgruppen versorgt: Speziell für Teenager existiert ein immenses Angebot an Herz-Schmerz-Produkten. Schul-, Gewichts und Sinn-Probleme – für alles gips begleitendes Material. Rein quantitativ scheint neben der Liebe die Abwesenheit von Elternteilen schwer auf den Teenies zu lasten. Gut aussehend, meist in gehobenem Milieu angesiedelt, quälen sie sich mit viel Action durch eine optisch geglättete Pseudo-Realität, in der letztlich das Happy-End irgendwo auf sie wartet. Dabei erscheinen ihre Probleme – besonders verglichen mit Jugendlichen in unterentwickelten Ländern – als die einer verwöhnten und gelangweilten Generation im uniform überentwickelten Environment ohne wirkliche, nicht vorfabrizierte Herausforderungen.
So auch im Film „Goats“ (2012), in dem die 2 Ziegen-Rollen nur mit weitgehend ausdruckslosen Charakteren besetzt sind, die auch noch als Drogen-Kuriere mißbraucht werden. Ein (unglaubwürdig) 15jähriger sucht mal wieder seinen Vater und findet ihn. Der Film trödelt unentschlossen zwischen Teenie-Gefühlen und Situations-Komik und endet – nachdem viel telephoniert wurde – ziemlich lahm. Schade eigentlich, denn hier werden neue Bereiche zu erschließen versucht, wenn auch die kuriosen New-Age-Anwandlungen der reichen Hippie-Mutter es nicht wirklich sind. Ihre Urschrei-Therapie wäre von Ziegen viel besser dargestellt worden. Deshalb muß ich wohl noch warten, bis Ziegen wirklich tragende, oscar-verdächtige Rollen bekommen. Manche können sogar ohnmächtig werden. Warum nich mal diesen Plot:
Ein reiche Ziege sucht ihren Vater und trifft dabei einen jungen Farbigen (rot-blau quergestreift), der mit seinen armen Eltern im Slum lebt. Sie ziehn zusammen einen durch, gehn in die Disco und erleben so manchen Scherz. Beim Tanzen wird die Ziege ohnmächtig, und zum Schluß ißt die Familie des Farbigen die scheintote Ziege am Unabhängigkeits-Tag versehentlich auf, während im TV gerade „Lincoln“ läuft. Das wär ma echte Tragik.
Anscheinend gips momentan niemanden, der Hippie-Filme drehen kann. Das beweist auch „Peace, Love & Misunderstanding“ (2011; reiche Eltern geschieden, Kinder verwirrt), in dem nich mal Ziegen vorkommen (aba nette Hühner). Eine Aneinanderreihung von Klischees, die wirkt, als ob sie vom Femdenverkehrs-Verein Woodstock produziert worden ist, und den die stark renovierte Jane Fonda nicht davor bewahren kann, in stereotyper Banalität unterzugehen.

http://www.youtube.com/watch?v=ii6qjQx3myI

Ein Gedanke zu „Ziegen

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s