Visionen

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Interview Frank Hermann für „Die unendliche Stadt“, Nr. 201104180440059, Stuttgart

DuS: „Wie sieht Ihre Vision von der Welt aus, Herr Dobat? Wie sollte sie sein? Was ist Ihnen da besonders wichtig?“
Tom: „Keiner sollte mehr Rasen mähen. Alles wachsen lassen, bis die ganze Welt wieder Urwald iss. Besonders Fußball- und Golfplätze.“
DuS: „Ist das schon druckreif? Drei Sätze? Oder was frag ich jetzt noch? Vielleicht so: Aha, und warum?“
Tom: „Urwald iss gut!“
DuS: „Ich habe gehört, es sei besser, ‚wofür‘ zu fragen. Das gehe mehr in Richtung Zukunft. Ich frage deshalb noch einmal, Herr Dobat: Aha, und wofür?“
Tom: „Für’n Urwald.“
DuS: „Aha, und wofür wollen Sie die ganze Welt wieder Urwald?“
Tom: „Weil Urwald gut iss, Sie Knalltüte!“
DuS: „Siezen geht für alle, oder? Damit es einheitlich ist. Und jetzt bräuchten wir noch ein Foto von Ihnen. Haben Sie ein Foto von sich?“
Tom: „Hab ich, muß ich aba ersma suchen.“
(einige Zeit später)
DuS: „Haben Sie eins gefunden?“
Tom: „Ja, seh ich aba zu doof aus. Muß ich ersma n neues machen, meine japanische Camera faß ich aba aus Protest nich mehr an.“
DuS: „Die Japaner haben Atomkraftwerke auf erdbebengefährdete Böden gebaut. Was sagen Sie dazu?“
Tom: „Japan sollte man einzäunen und dann nich mehr Rasen mähen.“
DuS: „Herr Dobat, ich habe in anderen Zeitschriften gesehen, daß die Interviewten dort viel länger reden. Die Redakteure anderer Zeitschriften müssen weniger arbeiten als wir hier. Dort bekommen sie nicht so kurze Antworten wie ich von Ihnen! Sie sind alle viel länger als Ihre! Zehn, zwanzig Zeilen manchmal! Am Stück! Ohne daß groß nachgefragt werden muß! Ich dagegen muß andauernd nachfragen! Die bei den anderen Zeitschriften müssen fast überhaupt nicht nachfragen! Oder zumindest nicht so viel wie ich hier! Das ist ungerecht.“
Tom: „Gips noch mehr solch komische Zeitschriften?“
DuS: „Sicher, sicher! Aber sie sind nicht der Rede wert! Bleiben wir bei der unendlichen Stadt! Da weiß man, was man hat! 3 Euro und man ist auf dem NEUESTEN Stand der Dinge! JEDEN Monat! ‚Unendliche Stadt?‘ – ‚Find ich prima!‘ Übrigens, uns kann man auch abonnieren! JETZT zugreifen und sparen!“
Tom: „Das iss ja großartich! Das muß ich gleich meiner Ziege erzählen.“
DuS: „Makaber. Übrigens habe ich gerade Ihre neue Flaschenpost gelesen. Das mit den Blinden und den Schweinen verstehe ich nicht. Aber was die geplanten Atomkraftwerke in Indonesien betrifft, da kann ich Ihnen versichern: Wir alle hier in Deutschland schütteln den Kopf über so viel Dummheit, das können Sie den Indonesiern ruhig sagen, die haben ja wohl einen Schuß weg! Was kann man da tun? Sollen wir einmarschieren?“
Tom: „Na, na, na! Man muß ja nich imma gleich einmarschieren. Es genügt, wenn man sie eine Weile nich mehr grüßt.
Zu Bruegels Zeiten hatte man noch kein TV und Zeitschriften wie „Die unendliche Stadt“. Deshalb mußte man sich schon was einfallen lassen zur Volksbelustigung. Neben Folterungen und Hinrichtungen hat man eben Blinden Knüppel in die Hand gegeben und sie nach einem Schwein schlagen lassen. Kann man sich doch vorstellen, wie lustich das gewesen sein muß, wenn sie sich gegenseitig getroffen haben. Ha, ha, ha! Heutzutage kann man sowas nur noch virtuell machen. Aba das geschieht so intensiv, daß ich mich des Eindrucks nich verwehren kann, daß die Leute sowas richtich gern sehen.“
DuS: „Ja, aber kann man vielleicht wenigstens in Libyen einmarschieren? Nicht, daß es mir nur ums Einmarschieren ginge – vielleicht greift hier sogar ein Vergleich: Gaddafi als das Schwein? Und die Nationen drumherum als die Blinden? Herr Dobat, bekommen Sie in Nord-Sulawesi, Indonesien, überhaupt etwas mit vom Umbruch in der arabischen Welt?“
Tom: „Normalerweise bekomme ich übahaupt nix mit, weil ich kein TV hab, nich Radio höre und Zeitungen kaum lesen kann, weil die in soner abwegigen Sprache geschrieben sind. Martin Amoniak hat das ja in Heft 2010122109133055 auch schon bemängelt. Unglücklicherweise erzählt mir meine Frau, die sich für solche Sachen interessiert, imma das Neuste. Ich kann ihr das nich abgewöhnen. Ja, iss denn was gebrochen in Arabien? Wo iss übahaupt Libyen? Unsere Moslems wolln nix mit Schweinen zu tun ham. Aba daß sie Ziegen fressen, findet meine auch nich in Ordnung. Das kann ich voll nachempfinden. Wenn Sie Ziege wären, würden Sie mir zustimmen, oder? Um die Ziegen zu befreien, würde ich auch einmarschieren.“
DuS: „Das sind alles sehr schwierige moralische Fragen!“
Tom: „Eben! Genauso wie die Frage: Soll man 1 Mörder sein Motorrad leihen. Zum Bleistift wurde 1 Nachbar deshalb gerade wieda eingelocht, weil er einem aus dem Gefängnis entlaufenen Mörder Untaschlupf gewährt hat, den er im Knast kennengelernt hat, und der dummerweise auch noch die Tochter eines Polizisten vergewaltigt hat. Allerdings hat er ihm gakeinen Untaschlupf gewährt sondern nur sein Motorrad geliehen. Und der Mörder hat ganich vergewaltigt, weil es eine Prostituierte war. Und würde eine Prostituierte das bei der Polizei anzeigen? Na sehnse! Deshalb iss das auch mit diesem Gaddafi, oda wie der heiß, meist viel komplizierter, als man denkt.
Na ja, auf jeden Fall danke ich Ihnen, Frau Zent, für dieses visionäre Gespräch. Redet ja sonst keina mit mir.
DuS: „Ha! Das wollte ich eigentlich fragen! Warum jener Nachbar ins Gefängnis verbracht wurde – und weil er einem Mörder Unterschlupf gewährt hat! Aber dann war ich mir nicht sicher und habe einfach nur gesagt: Das sind alles sehr schwierige moralische Fragen!“
(kurze Stille)
DuS: „Herr Dobat, könnten wir – die anderen Zeitschriften sind da abgebrühter – ich mache zum ersten Mal Interviews, und es geht mir gerade ums Layout. Hoppla, da sehe ich, daß wir doch über die Seite hinausgerutscht sind – ich habe folgendes Problem: Obwohl – ach, vergessen wir es! Nun wäre es hilfreich, wenn ich ein Foto von Ihnen hätte … Dann könnte ich das größer oder kleiner machen, je nachdem wie viel Platz noch auf der Seite zu füllen ist. Oder wie wichtig ist das? Ohne Foto jedenfalls – jetzt ist es 1/3 – 2/3 Text bräuchten wir dann noch – 2/3 Seiten. Foto wäre besser – wobei – ich weiß jetzt nicht – was war nochmal mit dem Nachbarn? Hast Du eine neue Tastatur?“
> Tom: „Noe – wieso duzen Sie mich denn jetz auf einmal?“
> DuS: „Au verdammt, jetzt ist Vollmond, hätts fast vergessen, ich trödel hier rum! Jetzt aber schnell!“
>Tom: „Was hab ich denn DAMIT zu tun? Das fuehrt ja voellich vom Thema wech. Und diese >Dinger sind auch fehl am Platze. Also mit dem Nachbarn war das so: Er wurde ganich wieda ins Gefaengnis gebracht, weil er die Polizei gestohlen hat, sondern das Motorrad. – Nee – jetz hamse mich voellich ausem Konzert gebracht!“
Frank: „Tom, jetzt muß ich wirklich mal kurz einen Bruch machen (sic!). Das ist alles schon verwirrend genug! Im Folgenden versuche ich, unseren Lesern zu erklären, welche Schwierigkeiten ich hier habe. Ich bin überfordert mit dem Interview, da fehlt mir einfach die Erfahrung. Jetzt – also – So! So, also zunächst einmal spreche ich jetzt als Frank – also als – und nicht mehr als DuS – um weiteren Schaden von der unendlichen Stadt – die nie so einen Mist – wie – ja – nein! Nein, ich habe es nicht – und deshalb – weil – Tom und ich duzen uns und – wegen der älteren Abonnenten jedoch – Siezen – Liebe Leser! – und wir führen das Interview schriftlich, per Email, so. So! Das mit der Tastatur, das ist also so, daß der Tom in Indonesien keine Umlaute – kein ä, kein ö und kein ü – er schreibt ‚Noe‘ statt ‚Nö‘ – ich habe das einmal so stehen lassen, damit der technisch interessierte Leser – worum es sich da im Einzelnen – selbstverständlich korrigiere ich diese Umlaute immer, selbstverständlich, mache also aus ae’s ä’s, aus oe’s ö’s und aus ue’s ü’s – Lesekomfort – damit – höchster Lesekomfort – und ich wollte im Interview nicht ‚Hast Du eine neue Tastatur?‘ fragen, das sollte nicht ins – Tom, Du hast das einfach reingerutscht! Aber ich beschwere mich ja nicht! Ich habe ja auch schon etwas reingerutscht! Nun aber! Nun aber! Nun aber stehe ich vor der großen Aufgabe, die folgenden Interviews, von denen schon 2 fertig sind – so daß man weiß, wieviel Platz – während wir mit dem Emailinterview noch nicht fertig sind – und zwar Interviews, bei denen ich viel gelernt habe aus den hiesigen – und nun schlage ich Dir vor, Tom, wir machen aus diesem hier ein Rahmeninterview – ja, ich habe große Probleme mit dem Layout, weil ich nicht weiß – so daß wir jetzt eine kurze Pause und dann weiter nach dem nun folgenden Interview mit Herrn Tlumac, wäre das ok so? – Herr Dobat? – Hallo?“
Tom: „Ich dachte, ich spreche hier mit Frau Zent? Und was iss’n ‚Emaille-Interview‘??? Hab ich noch nie gehört. ‚Rahmen-Interview‘ auch nich. Das sind so neumodische Umlaute, mit denen ich nix anfangen kann. Iss mir alles nich visionär genuch.“

DuS: „Ich möchte wieder als DuS sprechen. Ich habe Fortschritte gemacht. Ich traue mir das zu, Herr Dobat, haben Sie gesehen, wie ich das mit dem Layout hinbekommen habe? Ich glaube, ich habe allen Grund, stolz zu sein! Hat es das jemals gegeben? Das Bild in den Text lappend und – ich halte dieses Layout für visionär. Herr Dobat? Sind Sie noch da? Und haben Sie mitlerweile ein Foto von sich gefunden?“
Tom: „Ja, hab ich. Sieht mir allerdings nich ähnlich.“

Aezige

DuS: „Oh – so sehen Sie also aus? Sie sehen ja aus wie eine Ziege! Ha ha ha!“
Tom: „Von wegen hinkriegen. Da oben hamwa nur Garamond, dann kommt Garamond im Wechsel mit Verdana und dann wieda nur Garamond. So iss das mit Sie: Alles durcheinander. Wer zuletzt lacht … Und wo iss übahaupt der Lappen?“
DuS: „Ich muß Sie kurz unterbrechen, Herr Dobat – wie ein Chirurg mit dem Skalpell schreibe ich auf den Punkt, damit das folgende Interview korrekt ins Heft paßt!“

„Herr Dobat, jetzt haben wir Zeit, den Faden wieder aufzunehmen, falls Sie noch einmal auf den Lappen zu sprechen kommen wollen, etwa eine 3/4 Seite, würde ich schätzen … Ach so, weil Sie Schriftarten ansprachen, Garamond und Verdana … das kann man den Lesern ja kurz erklären. Und zwar müssen Sie wissen, liebe Leser, daß es bei dem Interview mit Herrn Dobat, welches per Email zwischen Indonesien und Stuttgart geführt wird, andauernd zu Schriftart-Verwurschtelung kommt. Keiner will sie haben, dennoch treten sie auf … Denn trotz all dieser Schwierigkeiten – und jetzt kommt das Erdbeben in Japan und die Radioaktivität und der Einmarsch in Libyen dazu – trotz all dieser Schwierigkeiten machen wir weiter und geben es nicht auf, Ihnen wieder und wieder – gut, aber das tut ja nichts zum Thema! Interessiert ja niemanden! Bitteschön! Bitteschön!“
Tom: „US-Bonds hätten mit Beginn der Luftabgriffe auf Libyen kräftige Kursgewinne verbucht, les ich gerade. Sie ham also ausnahmsweise recht mit dem Einmarschieren. Man sollte viel mehr einmarschieren.“
DuS: „Soeben erreicht uns also die Nachricht, daß tatsächlich – nahezu – einmarschiert wird in Libyen. Allerdings ohne deutsche Beteiligung. Müssen wir uns schämen, Herr Dobat? Bitte nur ein kurzes Statement, damit wir auch gleich das Interview mit Frau Laukenmann setzen können.“
Tom: „Sowieso. Wär doch DIE Schau gewesen. ‚Kommando Erwin Rommel‘! Und Manfred war Oberbürgermeister in STUTTGART! Ihr habt aba auch keinen Sinn für Tradition da drüben!“

DuS: „Jetzt sind noch 2½ Seiten frei. Ich warte auf einen Brief von Frau Schunke. Der kommt und kommt nicht. Das wäre dann das letzte Interview – in diesem Heft. Muß ich morgen wohl nochmal zum Briefkasten runter. Herr Dobat, sind Sie noch da? Wollen wir uns schon mal verabschieden?“
Tom: „Nö, nö, SO geht das ja nich mit Frau Laukenmann! Ersma: Wo iss denn nu ihre Web-Adresse? Und das mit dem Cäsar hätte ihr bestimmt NICH gefallen, denn das waren SEHR blutige Live-Gladiatoren-Spiele. Dagegen iss son Bus-Unfall ganix. Wollte ich nur ma jesacht ham. Und wer iss übahaupt Frau Klenk?“
DuS: „Ich weiß es nicht. Tja. Und gerade komme ich vom Briefkasten. Nein, es war nichts drin. Wie immer. Was jetzt? Vielleicht morgen Wer weiß! … “

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