Wie man 1 Orang-Utan fängt

verbrannter-Orang-Utan

Der Präsident und ich waren neulich wieda in Manado. D.h., der Präsident kam später, um Denkmal und Museum für die Mendur-Brüder einzuweihen. Da war ich zum Glück schon wech. Anlaß war der „Hari Pers National“ (Nationaler Tag der Presse), und die reichlich angetretene Polizei gab sich alle Mühe, den Verkehr zum Erliegen zu bringen. So ein Ereignis muß man sich wie ein Schulfest vorstellen: In jedem Klassenraum iss schwer was los, man weiß zwar nich was und weshalb, aba die Ausführenden sind total begeistert. Fast ausschließlich sehr junge Menschen, die Journalisten spielen, dabei enormen Krach produzieren und in wildes Geheul ausbrechen, wenn einer 1 Witz macht. In der Zeitung erfährt man in der Regel meist nicht, was wann wo stattfindet – in D lernt man das schon im Erste-Hilfe-Kurs – dafür werden ganzseitige Grußadressen der Institutionen und Parteien gedruckt, die alle weitgehend identische Aussagen enthalten. Damit ist das vordringliche Ziel des Journalismus erfüllt: Umsatz. Die Anzeigen finanziert der Steuerzahler, Interviews der Interviewte, eine Trennung zwischen Werbung und redaktionellem Teil findet nur vordergründig statt. Um zu erfahren, was der Präsident gesacht hat, muß ich hier meinem Feed zu einer australischen Agentur folgen, die zu einem Artikel in der „Jakarta Post“ verlinkt. Dort lese ich dann von den Mendur-Brüdern, die 1945 das einzige Foto von Sukarno bei der Unabhängigkeits-Erklärung angefertigt haben. In den hiesigen Zeitungen nichts darüber. Für 1 Foto Denkmal und Museum? Das bleibt vorerst ebenso rätselhaft, wie die Berichterstattung als solche. So, wie eine Übaschrift mit einem Orang-Utan, damit sich alle aufregen, und dann sucht man im Text vergeblich nach dem Orang-Utan. Das geht doch nich!
Das für mich bedeutungslose Foto sah ich in einer interessanten Ausstellung in einer Mall, in der auch die Stände der „Hari Pers National“-Teilnehmer aufgebaut waren. Dort fotographierte ich das obige Ausstellungs-Stück, das mich wesentlich stärker beeindruckte.
Unser Präsident – eigentlich isser nich meiner, aba ich weiß ganich, welch deutscher Clown den gerade spielt – also unsa Präsident soll gesacht ham, daß die Presse lieba Positives berichten soll. Das iss zwar etwas peinlich, weil sich seine Familie und Partei gerade im Blick der Korruptions-Fahnder befinden, aba recht hat er. Betrifft ja auch mich. Früher in der Ostzone hat man auch imma darüba berichtet, wie es ständich aufwärts ging, und zum Bleistift das Kombinat „Kollektives Morgenrot“ sein Soll in der Schlips-Produktion weit übatroffen hat, so daß der Empfänger imma gleich merkte, wie es aufwärts ging – bis es dann nich mehr ging. Aba hier geht es, man weiß bloß nich, wohin.
Jedenfalls, wenn die Mendur-Brüder schon für 1 Foto Denkmal und Museum kriegen, dann will ich wenigstens ein Denkmal: So einen mit schwarzen Marmor-Platten versehenen Sockel. Oben drauf die Nachbildung einer Plastik-Tüte gefüllt mit vollgeschissenen Windeln, garniert mit Slip-Einlagen, Spritzen, Wund-Verbänden und Kinderspielzeug. Das ganze schlicht vergoldet. Auf dem Sockel ständen meine Daten und: „Für seinen Einsatz bei der Müll-Beseitigung, bei der er an Typhus starb“. Ich mein, ich wär ja eigentlich schon genuch belohnt durch die vielen gebrauchten Untahosen, die hier angeschwommen kommen, aba die sind imma zu klein für mich.

Jetz hätt ich fast wie son indonesischer Journalist vergessen, darüba zu informieren, wie man 1 Orang-Utan fängt. Jenes iss ganz einfach: Man jagt ihn auf einen einzeln stehenden Baum, welchen man anzündet. Hinterher brauch man den Affen auch nich mehr so lange zu braten. Für ein Bordell isser dann sowieso nich mehr zu gebrauchen.

3 Gedanken zu „Wie man 1 Orang-Utan fängt

  1. ein sehr interessanter Bericht. Gut, daß man am Schluß doch noch erfährt wie man den Orang-Utan fängt. wenn Du den Affen dann brätst, wie lang ist die durchschnittliche Bratzeit und wie würzt zu ihn ? ah so, und wer darf alles mitessen, so ein Affe ist ja ziemlich groß. Tom😆

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