Geduld an der Wasserkante

Mittagessen

Mittagessen an der Wasserkante. Ein großer Chinese, etwa um die 50, begrüßt mich persönlich im Eingang des brandneuen Restaurants direkt an der Mando Bay:
„Wo kommen Sie her?“
„Aus Kauditan.“
„Wo ist DAS denn?“
„In der Nähe von Kema.“
„Ich meine doch“, lacht er, „woher Sie stammen!“
„Aus Deutschland.“
Er bemüht sich sehr um uns, läßt sogar die Musik auf meinen Wunsch hin sofort leiser stellen. Später dreht eine Angestellte sie wieder auf. Na gut, es wird noch gebaut. Die Hammer- und Hobel-Geräusche werden etwas übertönt, und chinesische Pop-Musik ist sowieso erträglicher.
Ich sehe mir die Speisekarte an. Normalerweise hat es keinen Sinn, etwas aus dem reichhaltigen Angebot auszuwählen. Man fragt besser: „Was haben Sie?“
„Wir haben alles! Ich besorge Ihnen ALLES! Der Super-Market da drüben hat alles.“
Ist witzig der Chinese. Ich denke, er macht Spaß. Doch als meine Frau Broccoli bestellt, setzt er sich tatsächlich auf sein Moped und düst zum 100m entfernten „Fresh-Market“. Als er zurück ist, entschuldigt er sich: „Im Fresh-Market gab es keinen Broccoli, aber ich habe hier sehr leckeren pokchai.“
Beim Abschied wollen die Kellnerinnen noch mit mir fotografiert werden, und der Chef winkt. Da fahre ich jetzt regelmäßig hin. Den wackelnden Tisch haben wir mit Styropor-Stücken stabilisiert (Sollte man in indonesischen Restaurants immer dabeihaben!). Essen und Aussicht sind gut, sogar der Kaffee, nur wird es wohl bald wieder geschlossen werden, denn alle Restaurants, die ich mag, gehen ein.
Schräg gegenüber ist ein Mega-Projekt in Angriff genommen worden, das ein Lichtblick in der trostlosen Küsten-Bebauung werden könnte. Zumindest hätte man eine großartige Aussicht über die Bucht, und man sähe rechtzeitig die Tsunami kommen.

Lagoon

Auch das Kachel-Problem findet seine Lösung – auf Dauer. Nur dauert es etwas. Als wir wieder im Laden erscheinen, stellt sich heraus, daß man uns falsch informiert hat: Wir hätten die zerbrochenen Kacheln als Beleg zurück nach Manado transportieren sollen. Am nächsten Morgen packe ich die Bruchstücke von 29 Fußboden-Kacheln wieder in 5 schwere Kartons, die unser Fahrer dann nach Manado transportiert. Dort wartet schon der Ersatz. Bei Überprüfung zeigt sich, daß wieder 3 zerbrochen sind, die wiederum erst von den häßlichen Lagerhallen außerhalb der City rangekarrt werden müssen. Geduld! Und als schließlich alle auf der Baustelle bereitliegen, bemerke ich, daß ich 6 Kartons noch gar nicht geöffnet habe, in denen ich dann weitere 5 zerbrochene Kacheln finde. AARRRGH!

2 Gedanken zu „Geduld an der Wasserkante

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