Einfache Fälschungen

Gauguin-Faelschung

Wenn eine Tochter des verstorbenen reichsten Chinesen in unserem Dorf damit droht, Odi einen Felsbrocken vor die Tür schieben zu lassen, so erhebt sich die Frage: Wer hat recht? Die Reichen sind sowieso auf raffinierte Weise böse, das weiß man. Deshalb sind sie ja reich. Und die armen Armen sind gut aba doof. Und so kann Odi nich ruhich schlafen, obwohl man die Drohung mit dem Felsen ganich ernstnehmen sollte. Odi hat jedoch nur 2 Klassen Grundschule geschafft. Dann starb Muna, seine Stiefmutter. Die echte starb, als Odi noch ein Baby war. Als Muna starb, wollte sein Vater Simon, der so dumm wie ein Rind war, Odi nicht mehr zur Schule gehen lassen. Inzwischen hätte sich Odi fast um unser Dorf verdient gemacht, indem er meinen früheren Intim-Feind Teksi niederstach. Leider verfehlte er dessen vom Saufen stark geschrumpfte Leber. Jetzt besucht uns Odi ab und zu ratsuchend – es iss nich so, daß die Wilden imma nur Geld von uns wollen – weil die Chinesen-Tochter ihn aus seinem Vaterhaus werfen will, denn sie plant, auf seinem Grundstück eine Krach-Party-Halle zu errichten. Sie behauptet, sein Vater hätte ihr jenes verkauft. Auch befinden sich die Regale von Simons früherem Laden bereits auf rätselhafte Weise in ihrem Haushalt. Simon war früher Agent für ein unübasichtliches Glücksspiel-System, mit dem sich die Armen auch heutzutage noch begeistert ruinieren – weshalb sie dann alles verkaufen müssen, was sie besitzen. Bei Fundamentierungs-Arbeiten für den Chinesen ist er eines Tages tot umgefallen (So sterbe ich auch ma!). Odi weiß nichts über einen Verkauf des Hauses. Er verlangt zumindest einen Ausgleich, denn er muß mit seiner Familie (1 Kind und 1 gerade in Produktion) irgendwo wohnen. Meine Frau hat ihn darauf hingewiesen, daß solche Verträge der Eltern normalerweise der Zustimmung der Kinder bedürfen, und er solle sich doch mal die Dokumente zeigen lassen. Daraufhin legte die Chinesen-Tochter eine Kopie des Vertrags vor, der von beiden Eltern fein säuberlich – geradezu elegant – unterschrieben ist. Nur konnte Simon ganich schreiben. Seine Glücksspiel-Zettel unterzeichnete er immer nur mit S.W.. Dabei bohrte er den Stift so verkrampft in das Papier, daß die Punkte zu Löchern wurden. Muna konnte zwar ihren vollen Namen schreiben, aber nicht im Jahre 1990, denn da war sie bereits 2 Jahre tot.
Dumm gelaufen. Aba man kann es ja ma versuchen. So fälscht sich der Wilde durch’s Leben – und er wird sogar gefälscht, wie dieses Gemälde zeigt. Jemand hat es 1954 aus Bildelementen verschiedener Arbeiten Paul Gauguins zusammengestellt. Und Gauguin wiederum hat sich seine Südsee aus allerhand Fremdmaterial zusammengebastelt, wobei er sich auch immer wieder selbst zitierte. So kompliziert iss das einfache Fälschen. Auf meinen indonesischen Untahosen steht auch „Pierre Cardin“ drauf, und er iss nich drin.

4 Gedanken zu „Einfache Fälschungen

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