Probleme beim Sangha-Bau

Und dann dachte ich, die Welt gehe nun wider Erwarten doch unter, denn mein Schirm zeigte mir zwar noch das „Welcome“-Logo, aber sonst nichts mehr. Strom war da, draußen alles normal, also schien das beste und teuerste taiwanesische Mutterbrett, das es hier z.Z. zu kaufen gibt, und das reichlich Ärger macht, erledigt zu sein. Wie beim letzten Mal restaurieren ließ es sich nicht, sondern verlangte das 4 Tage alte Back-up. Damit waren alle Fotos des Sangha-Projekts und etliche Post-Entwürfe für den „Waldschrat“ verloren. Das war hart aber ungerecht. Zum Glück hatte meine Frau ein paar Fotos gemacht, doch kann ich den Entstehungsprozeß der Sangha nur noch schriftlich dokumentieren.

Pak-Surem

Früh am Morgen erschien Meister I Wayan Surem mit 2 weiteren Balinesen, um auf unserem Grundstück 2 Sangha aufzustellen. Die Teile dafür hatte er auf seinem Lastwagen. Der steinerne Unterbau aus Zementguß-Formen wurde an 1 Tag errichtet (innen mit Fluß-Steinen gefüllt). Am 2. Tag setzten wir mit vereinten Kräften den schweren, hölzernen Schrein auf, die rauhen Guß-Oberflächen wurden mit Zement-Schleim geglättet und mit Farbe angestrichen. Am 3. Morgen fuhren sie schon wieder zurück nach Mopugat weit im Westen, wobei sie unterwegs Sand und Kacheln laden wollten – Materialien, die dort in der isolierten Lage, in der diese Auswanderer wohnen, erheblich teurer sind.
So zauberhaft wie sich die Endprodukte in mein Ensemble einfügen, bei genauerer Betrachtung ist der Unterschied zu balinesischer Steinmetz-Arbeit beträchtlich. Die unregelmäßigen Kanten der gegossenen Formen wurden nur grob mit einem Schlachter-Haumesser geschabt, und der Zement-Schleim zeigt so manche Pinsel-Spur. Auf Flächen, die waagrecht sein sollten, bildeten sich Pfützen nach dem ersten Regen. Man müßte diese Dinger bei der ersten Renovation gründlich schleifen. Doch am besten wirken sie im tropischen Environment, und man tritt eher einige Schritte zurück, um sie in ihrer Gesamtheit anzustaunen. Das Alu-Blechdach ist sogar feiner, als es ein Tonziegel-Dach sein kann. Die Kämme wirken gestanzt wie indonesische Schattenspiel-Figuren. Vielleicht sogar mit den gleichen Werkzeugen.
Besonders beeindruckt haben mich 2 Szenen: Als ich am 2. Morgen das Tor für die drei öffnete, marschierte Pak Surem gelassen ein, umweht von balinesischen Gamelan-Klängen, die aus seinem Handphone in der Hose stammten, und die meinem ganzen Anwesen einen Zauber verliehen, wie es keiner dieser Minahasa-Banausen schafft. Balinesen besitzen eine einmalig faszinierende Kultur.
Sein Fahrer teilte mir indes während der Arbeit mit, daß er die Geräusche der Vögel auf meinem Grundstück genieße. Dabei machte er eine unmittelbar einleuchtende Handbewegung vom Ohr zur Stirn.
Zum Schluß stellten wir uns zum Gruppen-Bild auf, denn die Leute wollten einen Beweis, daß sie für einen Deutschen gearbeitet haben. Für Handwerker ist das hier ein Zeichen ihrer Arbeits-Qualität. Als ich das gelungene Foto für die drei ausdrucken wollte, streikte die schwarze Farbe, ich zerknüllte den Ausdruck und warf ihn in den Papierkorb. Da habe ich ihn jetzt notgedrungen wieder rausgeholt, denn das Original befindet sich im digitalen Orkus.

zerknuellt

Würde man solch einen Schrein in D errichten wollen, bekäme man erst gar keine Genehmigung, mit der Begründung, das Ding füge sich nicht in die banale deutsche Architektur ein. Man müßte also mit etwaigen politischen Beziehungen auf das Bauamt einwirken und behaupten, man betreibe eine Zucht freilaufender Wachteln und benötige den Schrein als Ausguck gegen anschleichende Füchse. Dann würde sich ein Statiker kostenpflichtig in balinesische Statik einarbeiten, und man könnte vielleicht mit der Auflage bauen, die Treppe mit einem Handlauf und den Tisch mit einem umlaufenden 90cm-Geländer abzusichern. Personen, die Opfergaben darbrächten, dürften dieses nur mit Helm und Versicherungs-Nachweis tun. Fuck the Bauamt! Hier habe ich alles selbst enworfen und niemanden fragen müssen.

Sangha-2

Auf der Rückenlehne des Göttersitzes für Dewi Sri befindet sich sogar ein kleiner, halbplastischer, mäßig angepinselter (muß ich ändern) Sang Hyang Widi. Somit bin ich jetzt – zusammen mit dem Beton-Buddha im Hinterhof – mit Göttern gut versorgt, und niemand kann behaupten, ich sei etwa irgendwie … habt ihr eigentlich schon an der Umfrage teilgenommen?

4 Gedanken zu „Probleme beim Sangha-Bau

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