Was lesen Mäuse?

Maeuse-lesen

Was Fische lesen, habe ich ja bereits genügend erklärt, doch wie isses mit den Mäusen? Jene haben sich an Andreas Steinhöfels (*1962) „Die Mitte der Welt“ versucht, jedoch nur 1 Ecke geschafft. Ich dagegen kam bis Seite 196, dann gab ich erschöpft auf. Also nich mal bis zur Mitte, obwohl ich ziemlich genau dort angesiedelt bin. Das lag u.a. daran, daß mir nich klar wurde, wo dieser „ungewöhnliche Wurf“ („Die Zeit“) eigentlich hingefallen iss, denn die Zielgruppe schwule Heranwachsende wäre ja wohl etwas dünn. Es waren auch nich meine eigenen Mäuse, sondern Heike Czwalina hat das Buch im „Pulisan Jungle Beach Resort“ gelesen, hier ganz in der Nähe, wo es dann verblieben iss, bis Katrin, die Leiterin, mir netterweise wieder relativ frischen Lesestoff in deutscher Sprache mitbrachte.
Der Roman, der sich ausdrücklich von Arzt-Romanen distanziert, bietet durchaus so manch Nachdenkenswertes: „Die Fähigkeit zur Abstraktion, meine Herrschaften, ist die Grundlage jeglicher Vernunft, folglich der Aufklärung. Ratio, Logik – wer diese Eigenschaft nicht kultiviert, der ist seinen Emotionen so hilflos ausgeliefert wie ein Steinzeitmensch den Naturgewalten. Der wird, tief in seinem Inneren, den Aberglauben nicht ablegen, Blitz und Donner seien ein Zeichen göttlichen Zorns. Der wird sich, meine Damen und Herren, immer nur ducken!“ Erzähl das mal den amerikanischen Buddhisten von „Tricycle“! Die haben nich mal ein passendes Wort für Aufklärung und würden in dir eher die Personifikation des „evil“ sehen.
Ich weiß ja nich, warum Heike das Buch mit ans Ende der Welt genommen hat, aber das gips. So ein Tourist fährt um die halbe Welt, um sich dann irgendwo hinzulegen und einen deutschen Roman zu lesen. Als ob er Angst hat, sich im Rauschen des Meeres oder dem Sirren der Zikaden zu verlieren:
„Du schaffst es nie, Phil.
Doch, du verdammter schwarzer Miesmacher! Eines Tages verschwinde ich von hier.
Das glaube ich erst, wenn ich es sehe.
… Was soll mich daran hindern, von hier zu verschwinden?
Jeder weitere Tag, den du hier verbringst. Du gewöhnst dich an die Welt der Kleinen Leute. Deine Fußstapfen werden tiefer mit jedem Weg, den du hier zurücklegst. Dein Horizont wird kleiner mit jedem Blick aus dem Fenster.“
Ich mein, ich hätte ja weitergelesen, wenn wenigstens die Sex-Szenen besser wären. Stattdessen zitiert der Ich-Erzähler Pascal: „… vermutlich hätte selbst die Jungfrau Maria etwas gegen Anbetung, wenn sie in ihrem Leben nur halb so viele Männer gevögelt hätte wie meine Mutter.“ Halt die übliche Verbal-Erotik, und als dem Roman-Helden endlich von einem griechischen Jungen einer runtergeholt wird (Kannste ma sehn! Diese Griechen! Aba sich üba den Euro beschweren.), da wird es nur mystisch: „Ich löste mich auf, ich wurde zu Feuer und Wasser, Sand, Asche.“ So kann man doch nix lernen, und es gibt auch moderne Herz-Schmerz-Romane, die in ebenso unrealistisch wirkenden, bloß alternativen Kulissen angesiedelt sind wie Arzt-Romane.

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