Warum funktioniert es nicht?

Nein, ich meine nicht WordPress sondern das Wirtschaften hier in Indonesien. Etliche ausländische Firmen gehen schon wieder nach Hause. Die staatliche Strom-Nicht-Versorgungs-Gesellschaft PLN produziert hauptsächlich Chaos. Kunden beschweren sich massenhaft über fehlerhaft überhöhte Rechnungen. Anscheinend besorgt sich die PLN auf diese Weise billige Kredite und verfeiert sie mit Erfolgs-Festen, trotz der fast täglichen massiven Strom-Ausfälle. Die mafiosen Strukturen innerhalb der Abteilungen habe ich selbst erlebt und aufgedeckt. In einem aktuellen Hearing hat der Energie-Minister Namen von Beamten anderer Institutionen genannt, die von der PLN Gelder erpressen. Kilometerlange Schlangen vor den Tankstellen und leere Tanks verdeutlichen das Versagen der staatlichen Energie-Wirtschaft.
In unserer Reis-Produktion hakelt es ebenfalls. Trotz hoher Arbeitslosigkeit fehlen Landarbeiter, weil beim Arbeiten im Reisfeld das Handphone naß werden kann. Es gelingt auch einfach nicht, ein System zu finden, in dem alle Beteiligten auf ihre Kosten kommen. Bei unseren Arbeitern beobachten wir ein konstantes Schema: Zuerst deutlicher Anstieg der Gewinne, dem ein unproportionierter Anstieg des Lebenstandards folgt, und schließlich sitzen sie in der Schuldenfalle. Keiner von ihnen kann den Bedarf an Produktions-Mitteln für große Flächen finanzieren. Hier müssen wir in Vorleistung mit entsprechendem Risiko gehen. Landesüblich sind private Wucher-Zinsen von 20% pro MONAT. Wir geben das Geld für 5% pro Ernte-Zyklus (~4 Monate). Das dürfen wir aber nicht laut sagen, denn sonst hätten wir auch einen Stau vor dem Tor. Die Banken kennen die Unzuverlässigkeit ihrer Kunden und verlangen in aufwendiger Prozedur Sicherheiten. Da man Banken nicht so leicht betrügen kann wie private Geldverleiher, ziehen die Leute, die ohnehin nicht wirtschaften können, das leicht erhältliche Geld der Wucherer vor. Gewinne werden eher zinslos und diebstahl-gefährdet unterm Kopfkissen aufbewahrt. Unser Gewinn muß mindestens über den Spar-Zinsen von 3,2%p.a. liegen, sonst lohnt sich das ganze Theater der Produktion nicht. Das klappt auch im allgemeinen, nur kommen unsere Arbeiter nicht aus dem Sumpf. Z.B. erwirtschaftet Mad einen Gewinn von 6Mille (~500EUR, mit denen 6 Personen die 4 Monate bis zur nächsten Ernte auskommen müssen), hat jedoch Schulden von 10 (~800EUR), die wir fortschreiben müssen, in der Hoffnung, er könne sie bei der nächsten Ernte abtragen. Daß er auf dem großen Stück Land, das wir ihm überlassen haben, und auf dem er mietfrei wohnt, bisher keinen Ertrag aus Gartenbau hatte, lag daran, daß die Rinder und Ziegen der rücksichtslosen, ebenso armen wie diebischen Nachbarn alles zerstörten. Nun haben wir ihm auch noch einen Zaun finanziert, der seine wirtschaftliche Lage verbessern soll. Machte er Gewinn, kaufte er ein Motorrad auf Raten, obwohl er weder Führerschein besitzt noch fahren kann, oder Ziegen und Rinder, anstatt erstmal seine Schulden zu begleichen. Ein anderer Pächter, dem wir Geld geliehen haben, damit er seinem schwer erkrankten Sohn eine dringend benötigte Operation bezahlen konnte, kaufte „günstig“ ein Grundstück, das dem Verkäufer nicht gehört, anstatt seine Schulden zurückzuzahlen. Der Grundstücks-Kauf ist nicht rechtens, und Mad mußte sein Motorrad wieder mit Verlust verkaufen. Sein Schwiegervater kaufte vom Überschuß einen Motorpflug, anstatt seine Schulden zu begleichen, weshalb der Pflug jetzt uns gehört. Der Maschinen-Fahrer wurde gerade von den Leuten seines früheren Arbeitgebers ohnmächtig geschlagen, weil er nun für uns arbeitet. Wir müssen immer wieder sozial regulierend eingreifen. Z.B. in dem wir drohen, die Unterstützung für die Schulkosten der 4 Mädchen Mads einzustellen, wenn jene ihren Eltern nicht helfen. Die, die wirtschaften können, lassen ihre Kinder-Menge nur bis zum 3.Schuljahr lernen, dann müssen sie arbeiten. DAS funktioniert. Bei Mad und Gustin dagegen fressen die Kinder jeden wirtschaftlichen Erfolg auf. Wie Prinzessinnen können jene auch nicht mehr zu Fuß zur Schule gehen und verbrauchen laufend Geld für ihre überflüssigen Handphones. Mas, der für Mad gearbeitet und bei ihm gewohnt hat, machte anfangs zum ersten Mal deutlichen Gewinn. Er besaß zwar keinen Führerschein, konnte aber sein neu angeschaftes Motorrad wenigstens in der Freizeit als Taxi einsetzen. Dann gewann er EINMAL in der Lotterie. Seitdem spielt er, mußte sein Motorrad verkaufen, kehrte zu seinem früheren Ausbeuter zurück (wo gespielt wird) und lebt wieder wie ein Sklave.
Wenn man nichts gelernt hat, nicht richtig lesen und rechnen kann, falsche Bedürfnisse und falsche Ziele hat, bleibt man arm. Deshalb ist nicht der Kapitalismus sondern die Dummheit das größere Problem.

3 Gedanken zu „Warum funktioniert es nicht?

  1. Die Dummheit der Leute wiederum, ist Voraussetzung für Kapitalismus in dieser Form …
    Sie wird deshalb nicht nur nicht von ihm bekämpft, sondern gar nach Kräften gefördert.
    Man schaue sich dazu nur das Bildungssystem der Bunten Republik Deutschland an …

  2. Dummheit findet in D zumindest auf deutlich höherem Niveau statt als in Indonesien, und als ehemaliger Mitarbeiter im Bildungs-System kann ich nur sagen: Wir taten, was wir konnten (und sie tun es sicher immer noch), aber da gab es politische Vorgaben und auch ein gesamtgesellschaftliches Klima, das – sagen wir mal – nicht günstig für Lern-Disziplin war.
    Und daß der Kapitalismus, der in solch brutaler Form wie hier in D gar nicht existiert, das erfolgreichste Modell ist, liegt sicher daran, daß er das natürliche Markt-Geschehen darstellt. Die negativen Wirtschafts-Phänomene in I stammen alle noch aus der Zeit einer verqueren indonesischen Sozialismus-Imitation. Auf Bildung zu setzen, ist auf jeden Fall ein richtiger Ansatz.

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