Warum man bessa nich nach Utah fährt

Wein

Einmal sind die Mormonen eventuell noch etwas gereizt, weil sie nich an die Macht gekommen sind, und andererseits läuft man dort Gefahr, einen Brief zu bekommen. Wirkrich! Das hab ich in dem christlichen Propaganda-Film „The Letter Writer“ (2011) gesehn, dessen kritische Bewertung davon abhängt, ob man zum Bleistift ganz unabhängich in Salt Lake City wohnt: „‘The Letter Writer‘ is sweet, enjoyable, but unrealistic.“ Iss man noch unabhängiger und hat eine christliche Online-Church gegründet, die „God’s sustaining power“ predigt, sieht man den Film als gutes Wein-Mittel: „The wonder of The Letter Writer is subtle. It lands upon your heart like a gentle rain. The weird thing about a Christian Vuissa film, and it’s certainly true with The Letter Writer, is that you’re sitting there watching the film thinking to yourself ‘Boy, this is rather fundamental and basic’ then, seemingly out of nowhere, tears are streaming down your face and you’re realizing what a beautiful film has unfolded before your very eyes.” Iss das nich wundaschön!
Die Geschichte geht so: Ein seniler alter Mann, der im Altersheim wohnt, sucht sich irgendwelche Leute aus dem Telefon-Buch und schreibt ihnen, die er nich kennt, anonym im typischen Astrologen-Stil, wie toll sie seien, und daß sie das Leben positiv sehen sollten, weil eine überirdische Macht üba sie wache. Die Empfänger werden dann ganz glücklich durch den Brief, obwohl sie nich wissen, von wem er stammt. So geht es auch dem Teenager Maggy mit den großen Augen, die unta ganz fürchtalichen Schicksals-Schlägen leidet, wie zum Bleistift, daß sie kein Geld für ein Gesangs-Demo hat und es deshalb von ihrer Mutta stehlen muß. Ihre Band löst sich auf und ihr Freund auch, der sie im Auto nur ganz vorsichtich küßt. Anderen Sex gips nich in diesem mormonischen Film, der so steril wirkt wie die Vorgärten. Auch werden gerne Treppenhäuser gefilmt, und das Gespräch vor dem persönlichen Schrank-Fach gehört ja heutzutage ebenso wie das Handphone zu den cinematografischen Höhepunkten. Maggy macht zügig den Brief-Schreiber im Altersheim ausfindich, wo imma gesungen wird und singt da mit. Leida stirbt der Alte, so daß an seinem Grab weitagesungen werden muß. Schließlich sind alle enorm glücklich und fallen sich in die Arme. Es iss zum Heulen. Lieba wär mir ja reiner Wein, denn der alte Knacker lügt nur vordergründich um Harmonie herzustellen. Die Verwirrung, die er anrichtet, wird nich thematisiert. Eigentlich geht es ihm darum, der Monotonie seines Daseins zu entkommen. Deshalb würde ich die Verfilmung des Lebens von Ann Eliza Webb vorziehen, der es gelang, dem Harem des Mormonen-Häuptlings Brigham Young zu entfliehen, und von der man nich mal weiß, wann sie wo gestorben iss.

Comic „Wein“ von Brösel

3 Gedanken zu „Warum man bessa nich nach Utah fährt

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