Eine angenehme Stadt

Muell-sammeln

Die Verwalter Indonesiens zeichnen sich gern selbst aus für besondere Leistungen – so wie Blogger mit ihren Ketten-Brief-Awards. Wo geworben werden muß, existieren offensichtlich Defizite. In Nordsulawesi sind sie besonders kraß. Das fällt jedem auf, der von außen kommt oder eine Weile im Ausland gelebt hat – wie Vanda Rorimpandey, die kürzlich in der „Manado Post“ vom Leder zog:

„Z.Z. versucht die Stadtverwaltung, Manado in eine angenehme Stadt zu verwandeln. Nur leider wird dieses Streben durch das Benehmen einiger Leute in die gegenteilige Richtung gedreht. Fast jeden Tag sehen wir, wie diese Leute Manado zu einer ‚unangenehmen‘ Stadt werden lassen.
In ihrem Bemühen ist der Verkehrsstau im Moment das Hauptthema der Stadtverwaltung. Aber wie kann die Stadtverwaltung es zulassen, daß Bürger Hauptstraßen für private Aktvitäten wie Feste und Massenveranstaltungen sperren? Durch die Sperrung werden die Straßennutzer gezwungen, ohne irgend ein Hinweisschild in andere schmale Wege oder Gassen auszuweichen, was für Autofahrer sehr unangenehm ist. Dies ist eindeutig eine Beeinträchtigung des Rechts der Öffentlichkeit.
Ein anderer Punkt, über den viele Bürger klagen, ob in der Stadt wohnhaft oder als Besucher/Tourist, ist der Lärm der im Namen der Religion gemacht wird. Das können wir bei den Spendensammlungen auf den Straßen beobachten: zum Spenden wird per Lautsprecher-Geschrei aufgerufen. Schon ab 4Uhr morgens schreien Prediger abwechselnd mit kirchlichem Gesang fast 1Std. lang ohrenbetäubend aus Lautsprechern. Nicht selten, daß der Prediger dabei falsch singt und die Morgenruhe auf diese Weise zusätzlich stört. Gibt es denn keine andere sozial verträgliche Art um zu beten und zu predigen? Haben denn die Religions-Vorsteher ihren gesunden Verstand verloren, die Religions-Dogmen in dieser Weise zu übermitteln? Eine Predigt sollte eigentlich Ruhe und Erfrischung für die Seele bringen und mit Ehrerbietung gegenüber der Gemeinde verkündet werden, aber keinen Lärm produzieren, der zu einer Störungs-Quelle der öffentlichen Ordnung wird. Der schöne Kirchengesang wird zerstört, weil er durch schlechte Lautsprecher-Qualität wiedergegeben wird. Es ist sehr traurig, wenn die Religions-Vorsteher die Rücksichtnahme gegenüber ihrer Umgebung verloren haben. Es ist auch möglich, daß es in der Nachbarschaft Leute gibt, die Ruhe brauchen, weil sie den ganzen Tag hart gearbeitet haben oder vielleicht krank sind.
Doch damit nicht genug: am Nachmittag/Abend werden die Bürger gezwungen, die extrem laute Musik aus den Sound-Systemen der Leute, die Feste bis sehr spät in die Nacht feiern, mit anzuhören. Zahlreiche Untersuchungen haben einen deutlichen Zusammenhang bewiesen zwischen Krankheit und Luftverschmutzung durch Lärm, wie z.B. Streß, Störung des Herzens, Hypertonie, Leistungsabfall, Sprech-, Hör- und Schlafstörung.
Die Stadtregierung hatte mal ein Programm organisiert, mit Hilfe der Verkehrs-Polizei die städtischen Kleinbus-Fahrer zu diziplinieren, die sehr laute Musik, kombiniert mit beschädigten Auspuffen, während der Fahrt hören lassen. Doch wie ist es mit den oben genannten Störungen? Was wird aus der Lebensqualität der Bürger Manados, wenn jeder sich berechtig fühlt zu schreien und seine Musik, unter dem Vorwand des Gottesdienstes per Lautsprecher, so laut es geht aufzudrehen, oder wenn jeder Bürger sich berechtigt fühlt, ein Fest mit sehr lauter Musik bis spät in die Nacht zu veranstalten, die den Brustkorb eng werden läßt, oder eine Hauptstraße für private Angelegenheiten zu sperren?
Wir alle müssen begreifen, daß ein solches Verhalten Gewalt gegenüber unseren Mitbürgern bedeutet. Solches Verhalten ist ein Spiegel der Willkür und unterscheidet sich nicht vom Verhalten eines Kriminellen.
Um Manado zu einer ‚angenehmen‘ Stadt werden zu lassen, muß die Stadtverwaltung all dieses stoppen. Sie muß zuerst in der Lage sein, Ruhe und Sicherheit ihrer Bürger garantieren zu können, bevor sie an die Sicherheit und Ruhe der Touristen denkt, die scheinbar zu einer Hauptaufmerksamkeit geworden sind.“

Vor mehr als 10 Jahren habe ich fast das gleiche – in wesentlich moderaterer Form – am gleichen Platz veröffentlicht. Kurz danach stand der „christliche“ Mob mit Steinen und Knüppeln vor der Tür, und es war nur sehr knapp, daß nicht hinterher einer auf der Straße lag (nicht ich!). Ich hoffe, daß Vanda wenigstens noch bis Dezember überlebt und sich auf freiem Fuß befindet. Denn dann soll hier ganz in der Nähe ein Treffen von Minahasa stattfinden, die im Ausland gelebt haben. Es tut sich was.

Hilfe für Alexander Aan

2 Gedanken zu „Eine angenehme Stadt

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s