Minahasa Utar

I-love-Bandung

Kurz vor Sonnenuntergang spuckt der Lokon Gas und Staub spektakulär ins Abendrot. Staus auf den Straßen, weil alle fotographieren wollen. Bestes Foto-Licht. Nur bin ich leider nicht vor Ort. Deshalb am nächsten Tag zum chinesischen Tempel in Kaskasen, von wo man eine gute und weitgehend ungefährdete Sicht auf die Ausbruchstelle hat. Nichts. Dünne, helle Schwaden – mehr ist nicht zu sehen. Dafür wollen sich Jugendliche mit mir Exoten in der grell stechenden Sonne fotographieren lassen. Sie tragen die neuen Einheit-Shirts mit „I love Bandung“, das sich auf Java befindet. Es gibt sie in jeder Stadt-Version. Wer „I love Manado“ trägt, muß schlecht informiert sein. Allein die neue Küsten-Bebauung ist ein großartiger Flop, nicht nur ästhetisch. Nie fertig werdende, monotone Großkästen oder schon wieder verfallende, nie bezogen. Schlingpflanzen winden sich an ungenutzten Baugerüsten hoch, Farbe blättert ab. Manado ruiniert sich selbst. Massive Denkmäler von Korruption, Anlage-Schwindel und Geld-Wäsche.

Das Restaurant „Elisabeth“ in Tomohon, in dem man eventuell ein genießbares Mittag-Essen bekäme, hat geschlossen. Stattdessen empfängt die Kfz-Werkstatt „Erschrecktes Huhn“ den Hungrigen stilgerecht: Der Chrom-Griff an der Glastür hängt in den letzten Zügen. Innen eine Menge uniformierte Schüler der verschiedenen christlichen Schulen, die den besten Ruf haben. Dieser ehemalige Regierungs-Sitz der holländischen Besatzer ist das Rom der Minahasa-Christen. Hier befindet sich auch der Verwaltungs-Palast der Protestanten (GMIM), Zentrum des regional gesteuerten Lärm-Terrors. Man sollte ihn gesehen haben, um zu wissen, wo das Geld ist. Der schalkhafte Bischof saß mal neben mir im Flieger und kam gerade aus Köln. Leider hab ich ihn nicht erkannt. Ich hätte ihm gerne was über seine verdrehte Religion erzählt, die u.a. bestimmt, wann ALLE in Nordsulawesi Lebenden aufzuwachen haben (gegen 4Uhr30 mit Musik und Text). Wer wie ich das Pech hat, sich im Lärm-Bereich dreier GMIM-Kirchen angesiedelt zu haben, bekommt 3 verschiedene, zeitversetzte Versionen gratis und umsonst.

soo-happy

Wenn ich gerade eins meiner Batik-Hemden anhätte, wäre ich der einzige traditionell Gekleidete in diesem Junkfood-Restaurant. Dafür jede Menge heiße Hosen, Jeans und T-shirts. Im TV tanzen indonesische Kinder-Gruppen in amerikanischen Klamotten amerikanisches Fernseh-Balett. Die Plakat-Rahmen an den Wänden sind schief angeordnet. Das wirkt dynamisch. Hochschwangere schieben ihre übervollen Bäuche vorbei. Kinder toben. Der Boden ist mit Reiskörnern übersäht, als ob jemand die Hühner füttern wollte. Reichlich Tische und Hocker sind noch frei, nicht einer, der nicht mit Essens-Resten eingesaut wäre. Colateral damage, wenn man mit den Fingern ißt. Wir müssen zum Abtropfen schräg gestellte Tische und Hocker reaktivieren, um unseren Ekel-Fraß überhaupt in uns reinstopfen zu können.

Auf den Serpentinen aus den Bergen runter zur Küste sehe ich mit Vulkanstaub bepuderte, graue Vegetation und Wellblech-Dächer. In einem Souvenir-Shop möchte ich einen Muschel-Vorhang kaufen, doch leider hängt er unerreichbar an der Decke. Schließlich gelingt es, in dem ich eine lebensgefährliche Bambus-Leiter absichere, und die ängstliche Verkäuferin klettert kichernd hoch.

Der Hollywood-Schriftzug am Hang unseres Haus-Vulkans Klabat oberhalb von Airmadidi hat inzwischen stark gelitten. Das A von UTARA (Nord) ist abhanden gekommen. Man versucht den „christlichen“ Armleuchter als Pilger-Stätte zu vermarkten, aber kaum jemand will diesen Mist. Die Aussicht soll jedoch gut sein.

Minahasa-Utar

5 Gedanken zu „Minahasa Utar

  1. Ich hab mich mal wieder reingeschlichen um zu sehen was der Tom geschrieben hat. Nun sind wieder ein paar Lachfalten mehr im Gesicht, aber die trag ich mit Freude. Die erfrischende und köstliche Art über manche indonesische Unmöglichkeiten muß man einfach miterleben.
    Einen lieben Gruß aus dem herbstlichen Germany von Jenny

  2. Pingback: Weekly Photo Challenge: Happy « UNGEMALTES

  3. Pingback: SA sie oda was? | Flaschenpost

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