Balibo

Die Frage, ob D unsere guten Panzer an Indonesien verkaufen soll, läßt sich ziemlich eindeutig beantworten: Natürlich! Sollen etwa die Brasilianer oder Amerikaner das Geschäft machen, von denen Indonesien Raketen kaufen möchte?
Schwieriger ist schon die Frage, wo und gegen wen werden die voraussichtlich eingesetzt? Bei der Beantwortung rückt nicht nur West-Papua sondern auch Ost-Timor wieder stärker ins Blickfeld, sofern man von Frau Merkel und Herrn Thierse, also dem christlich-imperialistischen Block, erwarten kann, daß sie informiert sind. Jene versuchen tatsächlich, die Minderheit von 9,8% (2010) indonesischen Christen, die erklärtermaßen zum Kulturkampf gegen die islamische Mehrheit angetreten sind, demonstrativ aufzuwerten. Wenn die Information stimmt, daß Frau Merkel bei ihrem letzten Besuch ZUERST die Kathedrale in Jakarta besuchte („I`m glad to be here for the carols. I am also happy to be able to exchange ideas with some of the church committees here. We also have Christian churches in Germany, thus the similarities.“), so handelt es sich um unsensibles Kasperle-Theater von der Art, wie es auch Herr Thierse hier schon aufgeführt hat.
In Indonesien existierten 250 von Ausländern kontrollierte Nicht-Regierungs-Organisationen, die inzwischen auf 148 reduziert worden sind, weil sie teilweise subversiv arbeiten. Ein für indonesische Verhältnisse gigantischer Geldstrom fließt aus den USA und D in soziale und besonders christliche Gruppen. Leider kenne ich keine genauen Zahlen – auch darüber nicht, was wieder zurückfließt. Die Katholiken in Rom haben da ja ein geniales System: Sie kassieren indonesische Gemeinden ab und schicken dafür Abendmahls-Wein. Man kann sich durchaus fragen, was ohne diese Geldspritzen von der christlichen Bewegung – besonders von ihren pompös-kitschigen Palästen – übrigbliebe.
Mit Recht beobachtet der indonesische Geheimdienst BIN diese von Ausländern gesteuerten Gruppen und versucht, deren Einfluß zu reduzieren. Und Indonesien hatte gute Gründe, die mögliche Entstehung eines 2. Kuba auf Ost-Timor mit allen Mitteln zu verhindern. Woher seinerzeit der Wind wehte, erkennt man schon an den NVA-Helmen im Film „Balibo“ (2009). Diese australische Produktion wurde unmittelbar nach Veröffentlichung in Indonesien verboten, doch hat die Unordnung im Land auch ihre positiven Seiten, denn durch das illegale Angebot kommt man an unverstümmeltes Material: „although balibo is banned in indonesia, thanks to the indonesian police who ‘support‘ the dvd piracy in indonesia, indonesian people can still watch this movie from the piracy version of the dvd. btw i’m indonesian LOL. shame on my country.”
Wenn die Rahmenhandlung des Films historisch erheblich unkorrekt zu sein scheint, die fundamentalen Fakten über die „Balibo Five“ sind es nicht: Als Auftakt der Invasion der von Portugal völlig vernachlässigten Kolonie Portugiesisch-Timor, bei der auch einer meiner Verwandten beteiligt war, der diese Aktion als „Befreiung“ beurteilt, wurden im Oktober 1975 fünf TV-Journalisten, die den Einmarsch filmten, von indonesischen Soldaten in der Stadt Balibo ermordet. Die genauen Umstände sind bisher weder geklärt, noch sind Indonesier deswegen zur Rechenschaft gezogen worden.

Ein Gedanke zu „Balibo

  1. In der Stadt liegt eine 400 Jahre alte, beachtliche Festung, die zum Schauplatz mehrerer Gefechte während der indonesischen Invasion 1975 wurde. Während der INTERFET -Mission (International Force for East Timor) wurde die Festung nach dem indonesischen Abzug 1999 von 1.000 Mann der UN-Truppen als Stützpunkt benutzt. Im selben Jahr gab Kylie Minogue im Rahmen ihrer Tour of Duty series of concerts hier ein Konzert für die UN-Truppen. Human Rights Watch schätzt, dass während der Unruhen im Umfeld des Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999 etwa 70 % der Stadt durch Milizen zerstört wurden. Internationale Hilfsorganisationen haben beim Wiederaufbau Hilfe geleistet, so beim Schulwohnheim für Schüler aus abgelegenen Ortschaften, das vollkommen zerstört war. Auf dem Hauptplatz befindet sich immer noch das indonesische „Integrationsdenkmal“ (Integrasi monument). Es stellt einen timoresischen Bauern dar, der die Fesseln der portugiesischen Kolonialherrschaft zerreißt und eine Flagge hält.

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