Bitte mehr Milde!

mehr-Milde

Die größte Sünde des Menschen ist, sich und andere zu betrügen.“ Leitsatz 6/14 der indonesischen „Vereinigung junger Universal-Buddhisten“

Siti Hartati Murdaya, Unternehmerin und eine der reichsten Frauen Indonesiens, ist von der „Corruption Eradication Commission“ (KPK) der Bestechung angeklagt worden. Sollten sich die Anschuldigungen bestätigen, sie habe 212.000,-USD (Die Zahlen schwanken wie die Nachrichten.) an einen Regierungs-Präsidenten in Zentral-Sulawesi gezahlt, um die Genehmigung für eine Palmöl-Plantage auf umstrittenem Land zu bekommen, droht ihr Verhaftung. Palmöl-Plantagen sind ökologisch etwa so wertvoll wie deutsche Fichten-Schonungen.
Soweit alles ganz normal. In Indonesien wird aufgeräumt. Man fängt oben an, denn die restlichen 240Millionen kann man ja nicht alle einsperren sondern hofft auf den Pingpong-Effekt. In manchen Amtsstuben arbeiten jetzt während der Arbeitszeit zumindest Überwachungs-Kameras, die vor Geldübergaben abschrecken sollen. Von den Polit-Stars meiner Anfangszeit sitzen schon viele ein. Auch eine Parlamentarierin aus dem Nachbardorf, die uns mit ihren wilden Partys bis zum Morgen auf die Nerven ging, wandert nun erstmal für 1 Jahr wegen Korruption in die Büchse. Bin ich schadenfroh? Ja!
Dagegen bestehe für die Partei des Präsidenten, die in den Wahl-Kampagnen von 2004 und 2009 von Frau Hartati wesentlich gesponsert wurde, und die trotz ihrer demonstrativen Anti-Korruptions-Haltung von einem Skandal nach dem anderen gebeutelt wird, eigentlich kein Grund zur Sorge um’s Image: Don’t worry your party image is already bad enough so another bad apple would not surprise people. It only confirms the belief that most people had: Democratic Party are just as corrupted or even worse.” (Melani Leimena). Doch hat jeder indonesische Kriminelle sein „harga diri” (Preis selbst), also seinen Stolz. Obwohl das Gesicht schon längst im Matsch liegt, wird ein Asozialer solange in die Offensive gehen – bis er eben offensichtlich einsitzt. Dabei ist der Verlust des Ansehens bedeutender als die kriminelle Tat, die in Indonesien zum Business gehört. Und so argumentiert die „Indonesian Buddhists Association” (Walubi), deren Vorsitzende Frau Hartati ist, ganz folgerichtig, man sollte sie nicht einsperren, weil dies beschämend für die indonesischen Buddhisten sei, deren Organisation womöglich Schaden nähme. Das ist indonesische Denke. Nicht die Tat sondern die Anklage ist das die Gesellschaft Beschädigende. Der Rat der Walubi-Mönche weist sogar darauf hin, daß Unternehmer oft von der Verwaltung erpreßt werden. Auch dafür kenne ich Beispiele.

Als meine Frau die Wahl-Kampagne des amtierenden Regierungs-Präsidenten mit einem LKW voller Reis unterstützte – weil seine Gegen-Kandidatin so unerträglich unfähig war und glaubte, unser Dorf einfach kaufen zu können – gelangte die Ladung nie an ihr Ziel. Verdächtigt wurde ein verschuldeter Wahlhelfer, der sich bei der Förderung der „Kolintang“-Musik verdient gemacht hat. Aktuell hat er gerade die Xylophone eines Orchesters verkauft, die ihm nicht gehören.
Die Wilden sehen heutzutage sehr zivilisiert aus. Aber wenn du die Möglichkeit hast, wirklich IN dieser Gesellschaft zu leben, bemerkst du sehr ähnliche Verhaltensweisen wie bei Ziegen und Hühnern: Jeder kämpft um seine Position auf Kosten anderer. Alle sozialen Konstruktionen dienen nur dazu, dieses fundamentale Verhalten zu verschleiern.

4 Gedanken zu „Bitte mehr Milde!

  1. @Henning & Vallartina: Ich denke auch, daß das Prinzip nicht originell ist – nur die grobe Form, und daß man hier die korrupte Polizei und Justiz möglichst meidet.

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