Ein ethnischer Chauvinist

lebendes-Uebungsobjekt

Als Brian Daizen Victoria, Professor an der amerikanischen Antioch-Universität, im Jahre 1997 sein Buch „Zen at War“ und 2003 „Zen Warstories“ veröffentlichte, gingen Schockwellen durch buddhistische Kreise in den USA, Europa und Japan. Mehrere Gruppen des Rinzai-Zen entschlossen sich 2003, ihr Bedauern darüber auszudrücken, daß sie in der Vergangenheit keine ihrer Religion entsprechende anti-militaristische Haltung gezeigt hätten. Gleichzeitig erfuhr Victoria heftige Angriffe aus der buddhistischen Szene, die besonders den berühmtesten Säulenheiligen D.T. Suzuki von jeglicher Verwicklung in den japanischen Totalitarismus frei sehen wollte. Dies brachte Victoria dazu, in den letzten Jahren gerade Suzuki stärker unter die Lupe zu nehmen – mit dem Ergebnis, daß jener wider Erwarten nicht nur als Opportunist einzustufen ist. 1912 schrieb dieser große Erleuchtete, 54jährig auf einer Reise durch Korea:
„They [Koreans] don’t know how fortunate they are to have been returned to the hands of the Japanese government. It’s all well and good to talk independence and the like, but it’s useless for them to call for independence when they lack the capability and vitality to stand on their own. Looked at from the point of view of someone like myself who is just passing through, I think Korea ought to count the day that it was annexed to Japan as the day of its revival.”
Das Leben von 47000 im Russisch-Japanischen Krieg gefallener junger Japaner war für ihn „as light as goose feathers“.
1941 verdeutlichte Suzuki in seinem Artikel „Makujiki Kōzen” (Rush Forward Without Hesitation): „For example, the Japanese hold a sword with both hands, not one.” Das heißt, sie verteidigen sich nicht sondern stürmen drauflos – in ihren Untergang, wie wir aktuell wieder feststellen müssen – auf der geistigen Basis des Zen als Kult des Todes.
Und so fragt sich Victoria heute: „In reading these claims one is left to wonder whether it was Zen that shaped the Japanese character or, on the contrary, was it the Japanese character that shaped Zen? Or perhaps there was some mystical karmic connection that led both of them on the same path – a path in which the ‘essence of Zen’ came to mean ‘pour[ing] … body and mind into the attack’?”
Oder liegt das Problem nur darin, daß kein Nicht-Japaner Zen wirklich verstehen kann?
Hisamatsu (Havard, 1958): „So, of the many people (in the West) who have written about Zen there aren’t any who understand it?”
Suzuki: „That’s right.”
Victoria kommt zu dem Schluß: „Suzuki can hardly escape the charge of having been an ethnic chauvinist and, at the same time, a monumental failure as a teacher.”

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