Über die Glückseligkeit (IV)

Ziegensegnung

Zurück zum Leiden als die geheime Ursache des Glücks: Wirkliches Glück verschafft mir das ersehnte Objekt nur dann, wenn es mich nach seiner Erreichung nicht enttäuscht. Es handelt sich mithin um einen Erkenntnisvorgang über die Beschaffenheit des Objektes, welches meinen Willen anreizt. In dem ich mich aus Frustration heraus dem nächsten Objekt zuwende, verhalte ich mich wie ein Tier, das ganz in den Objekten aufgeht, die gerade seine Gier anregen. Wahre ich aber Abstand und fliehe den Verkehr mit Menschen, die mich aus mangelnder Erkenntnis zerstören und in die Tiefe reißen wollen, werde ich isoliert. Diese Vereinsamung ist damit geradezu ein Kriterium dafür, daß man auf dem rechten Weg ist. Auch Diogenes in seiner Tonne kannte Unbeliebtheit und Anfeindung. Während uns Enthaltsamkeit in der Nahrung Gesundheit des Lebens sichert, erhält uns Enthaltsamkeit im Umgang mit Menschen Ruhe der Seele. Und Schopenhauer, der kein Blogger war, brachte es damit auf die Spitze, daß man in der Welt nur die Wahl zwischen Einsamkeit und Gemeinheit habe: „Nur in der Einsamkeit kann jeder er selbst sein, in ihr allein ist Freiheit. Einsamkeit ist eine Quelle des Glücks und der Gemütsruhe; sie ertragen zu lernen, sollte ein Hauptstudium sein. Wer zeitig die Einsamkeit lieb gewinnt, hat eine Goldmine erworben.“ Er verliert mehr und mehr das Interesse an weltlichen Dingen, findet aber auch fast niemanden mehr, mit dem er ein ihn interessierendes Gespräch führen kann (!). Der Glückszustand, den er sich dafür eingehandelt hat, gründet sich in der vollendeten, absoluten Einsamkeit. Sie ist also der natürliche Zustand, der allein angemessene, der ihn wieder einsetzt als den ersten Adam in das ursprüngliche, echte Glück. (Ich muß gleich lachen!)
Da diese radikale Lebens-, Verhaltens- und Charakteränderung aus eigener Kraft vollzogen und die Einsamkeit an sich selbst erfahren werden muß, wird man für immer frei mit klarbewußtem Handeln. Man geht auf im Akt, den man gerade vornimmt. Mit der scharfsinnigen Weisheit, die überall den permanenten Prozeß des Entstehens und Vergehens sieht, werden wir gerade, offene Menschen sein mit einem gesunden, kräftigen Körper. (Kicher!)

Die Dummheit Grimms liegt leider darin, daß er ein buddhistisches Panthenon und Dogmen übernimmt, zu denen die Lehre von der Wiedergeburt gehört, nach der man für den aufsteigenden Erkenntnis-Prozeß Existenzen lang Zeit habe. Davon abgesehen sind taiwanesische Mönche, die im Geld baden können und Ziegen segnen, so in Betriebswirtschaft verhaftet, daß nicht nur deren weltliches Treiben alles hier Beschriebene entwertet. Die weiterführende Weisheit besteht in dem Wissen, daß in Wirklichkeit nichts existiert, an dem man sich festhalten könnte.
Plumps!
Hochachtungsvoll
Ihr Beauftragter für geistige Klarheit

false-prostration

Quellen:
Georg Grimm, „Das Glück – die Botschaft des Buddho“, 1979
Georg Grimm, „Die Lehre des Buddho“, 1988
http://www.payer.de/neobuddhismus/neobud0305.htm#6

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