Über die Glückseligkeit (II)

My-Position

„Als ich es dachte, klang es noch logisch!“ (Facebook-Gruppe)

Grimm erklärt den buddhistischen Anattā-Gedanken: Attā ist die Paliform des Sanskrit-Wortes atman, das Selbst. Anattā bedeutet „nicht das Selbst“. Es entspricht mir nicht, es ist mir nicht naturgemäß. Verhalten wir uns nicht unserer Natur gemäß, ensteht inwendig Bitterkeit, die nach Meister Eckhardt (1260-1327), dem bedeutendsten deutschen Mystiker, alle Wesen in sich tragen. Auch Laotse wußte, daß man zur Ruhe kommt, wenn man der „ewigen Ordnung“ entspricht. Buddha empfand nach dieser Erkenntnis selbst vor der eigenen Persönlichkeit Ekel und schließlich vor der ganzen Erscheinungswelt, die den „Großen Frieden“ nur störe. So zog er das Kleid seiner Persönlichkeit gänzlich aus, wie der Grönländer, der an den Äquator versetzt, seine dicken Pelze als drückende Last empfindet, „weshalb er sie denn nunmehr mit Wonne wegwirft“. So spürt man jenseits der Sinnenfreuden ein inneres Wohlbefinden. In Erkennung dieses Leides-Zusammenhangs empfindet man Mitleiden mit den noch verstrickten Mitmenschen, was Nietzsche als Schwäche erklärt, hierin von Grimm heftig als egoistisch kritisiert.
Indem das ganze Getriebe um die eigene Persönlichkeit als fremd und nicht als Ich erkannt ist, wird das Leben ein ewiger Festtag. Der Kraftaufwand der Entsagung wird immer schwächer, indem sich Bedürfnis- und Wunschlosigkeit zur Charakter-Eigenschaft verfestigen. Armut wird als der uns in Wahrheit angemessene Zustand erkannt und erfahren. Sie macht sorglos, kummerlos und glückselig (Na hoffentlich!). Wir wenden uns von der Wirklichkeit, in der wir leben ab und hin zu einer zweiten, verborgenen, „das eigentlich Reale“, wie Schopenhauer sie nennt, und wandern als Denker in der Welt, ohne überhaupt irgendwer zu sein, im „friedvollen Zustand, dem beseligenden Aufhören der Hervorbringungen“. Wir geben Benennungen auf, kehren in keine Behausung mehr ein und sind frei vom Durst nach den Sensationen des Körperlichen. Denn – so der Mystiker und Schüler Meister Eckhardts, Heinrich Seuse (1295-1366): „Aller Jammer und alle Plage: das tut allein, daß wir wollen etwas sein.“
Alle Lust will Ewigkeit, wirkliches Glück wäre dauernde Befriedigung des Trieblebens. Wahres Glück ist innerer Friede, nie jedoch die Lust. Wer noch irgendetwas von der Welt will, ist noch nicht glücklich. Die Ethik des Buddhismus ist Eudämonismus, Streben nach Glück als Hauptlebensziel. Kein Hedonismus, der Glückseligkeit in körperlicher oder geistiger Lust findet. Die Mystiker haben diesen Zustand „sancta indifferentia“ genannt: heiliger Gleichmut. Als Bewußtsein bleibt nur noch das Bewußtsein von diesem Wohlbefinden übrig. Seligkeit der Erlösung vom „Nicht-Selbst“. Wie Schopenhauer erkannte, wäre es tautologisch, das einmal Begriffene immer wieder zu reproduzieren. Deshalb ergeben auch wiederholte LSD-Trips letztlich keinen Zugewinn an Erkenntnis.

8 Gedanken zu „Über die Glückseligkeit (II)

  1. Hi – oh😦 Given your cartoon, I’d love to see what you wrote! But I loved your cartoon🙂

    Cheers…

  2. I added the 4th position to a cartoon, I found in a Taiwanese book about the „Buddhist Voyage to Liberation“, because I think, this is no way of liberation.

  3. Wie noch in Teil III und IV ausgeführt werden wird, handelt es sich um eine andere Art von Glücksgefühl ohne die Lust, die endlos wieder entsteht, nie endgültig zu befriedigen ist und deshalb kein dauerhaftes Glück bietet.

  4. Hey Tom. I’m going to have to come back & have another look now, to see what you CREATED from what was. You’ve interested me….

  5. Sorry Tom, but just in afterthought (if you don’t mind, if you’re not too busy) – you’ve probably said it in your post & I only did a year of German in school but never used it ever, but, do you have an idea of what liberation is?

    The cartoon suggests liberation of the mind, then spirit, but your body appears to have got trapped in its pain of physicality. Did you see how overcoming the physicality of your being could bring liberation – or did you see it & say ‚that’s no way of liberation‘? Just curious! You’ve got me going🙂

  6. 1. There’s no physical position which brings you enlightenment (= liberation of mental pain). It could bring you useless physical pain and damage instead (especially if one has spine-problems). One could get enlightenment in ANY relaxed position.
    2. I think it’s more a mental process than funny yoga which is usally part of some weird Buddha-business offers. Changing behaviour and environment is better than sitting on the ass.
    3. All are longing for some kind of working system and those who sell it, like to give us the impression that they have found it already. But no one really needs a Lama, Zen-master or any other corrupt guru. Do you know that several of the most famous Zen-masters are heavily connected to German and Japanese totalitarism?

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