Über die Glückseligkeit (I)

Georg-Grimm

nach Georg Grimm (1867-1945), dem „mildesten“ Richter Bayerns

Für den sich allem gegenüber rein rezeptiv verhaltenden Herdenmenschen geht es darum, wunschlos glücklich zu sein. Der Widerspruch, daß Leiden geheime Ursache des Glücks sein kann, soll später aufgelöst werden. Buddhismus wird dabei als offene, nicht glaubens- und ritusmäßig gebundene Religion verstanden, was einer Überprüfung an der Wirklichkeit institutionalisierter Sekten nicht standhält. Grimm selbst hat die letzten 12 Jahre seines Lebens in ländlicher Stille am Ammersee verbracht, wo sich immer noch eine altbuddhistische Gemeinde befindet.

Grimm sah das Wesen der Materie, als in unaufhörlicher Veränderung vergänglich zu sein. Wer also in dieser Materie das Glück in der Befriedigung seiner Wünsche suche, schlägt den von vornherein falschen Weg ein, denn – wie Kant es schon in seiner „Kritik der Urteilskraft“ formuliert hat – des Menschen Natur ist „nicht von der Art, irgendwo in Besitz und Genuß aufzuhören und befriedigt zu werden“. Und Wilhelm Busch (1832-1908), „ein Seher eigener Art“, stellte fest: „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“ Der 1788 in Danzig geborene Schopenhauer, der schon mit 17, hinsichtlich ihrer profunden Ahnungslosigkeit, eine kritische Einstellung zu Wesen und Verhalten seiner Mutter entwickelte, und der sie mit 26, nach einem endgültigen Zerwürfnis nie wiedersah, der 1860 in Frankfurt starb, nachdem er den Mangel an ruhiger Kontemplation bei Kant beklagt hatte, jener Schopenhauer empfand die Befriedigung des Leidens des Willendranges, dieser sich ewig wiederholenden und immer wieder neu aufbauenden Qual, als Ursache permanenter Ruhestörung. Man erkaufe sich Genüsse sogar durch Schmerzen und entgehe diesen, wenn man Genüsse opfere, „denn alle Genüsse sind chimärisch, und über die Versäumnis derselben zu trauern wäre kleinlich, ja lächerlich“.
Grimm zitiert ferner Sokrates, der gegen Ende des Dialogs mit dem Sophisten Protagoras sich mit der Lust und dem Guten auseinandersetzt. Lust beruhe auf Illusion, auf die Desillusionierung und damit das Leid der Enttäuschung folge, „wie das Rad den Hufen des Zugtiers“. Als warnendes Beispiel führte Schopenhauer den Opiumesser an.
Weitere Kronzeugen sind für Grimm die Kyniker, deren philosophische Schule von Antisthenes gegründet wurde. Die Kyniker waren arm, weil sie keinen Beruf ausübten, was ihnen genauso gleichgültig war wie etwa eine enge Beziehung zum Vaterland. Kunst, Wissenschaft und begriffliche Spekulation wurden verschmäht, und als Weltbürger trug Antisthenes, der Schüler des Sokrates, nur einen schäbigen Mantel, einen Ranzen als Symbol der Besitzlosigkeit und den Stab als Zeichen der Heimatlosigkeit. Sein Lehrer hielt das für Eitelkeit. Antisthenes zufolge sei Bedürfnislosigkeit der sicherste Weg zum Glück. Die so erzeugte Glückseligkeit sei, wenn einmal gefunden, unverlierbar. Diogenes, Schüler des Antisthenes, trieb es auf die Spitze und lebte in einer Tonne, weil die Menschen durch ihr Streben nach Luxus das Leben verkomplizieren. Für seinen Freitod wählte er angeblich eine einfache Methode: das Anhalten des Atems.
Die Quintessenz des Buddhismus wurde auch bei den Stoikern sichtbar. Der Name beruht auf einer Säulenhalle Athens, der Stoa. Für Zenon (zwischen 340 und 260 v.Chr.), der wie andere Stoiker auch freiwillig aus dem Leben schied, ist das Schlüsselwort stoischer Ethik das naturgemäße Leben, diese großstädtische Phantasie. Naturgemäß bedeutet vernunftgemäß, denn Vernunft prägt das Leben der Menschen. Seine Aufgabe besteht im fortwährenden Kampf gegen die Affekte. Werden diese überwunden, ist die Seele frei von Leidenschaften, entsteht Apatheia, ein Zustand von Weisheit und Glückseligkeit. Indem der Mensch das Notwendige eingesehen hat, er es von allem Äußeren unabhängig tut, ist er souverän und frei. Die Mehrzahl seiner Mitmenschen sind Toren. Während die kynische Lehre stark egoistische Züge trägt, wurden für die Stoiker nicht nur die Freundschaft unter Weisen, sondern auch Gerechtigkeit und auf alle Menschen bezogene Liebe bedeutsam. Karneades entwickelte aus dem Begriff der Apatheia, daß die Vorstellung der Existenz von Göttern in sich widersprüchlich sei.

4 Gedanken zu „Über die Glückseligkeit (I)

  1. ja, das stimmt🙂 ich erinnere mich sogar an die philosophen😀 hatte philosophie beim abi😉

  2. Weder in meiner Schul- noch Lehrerzeit gab’s Philopsophie als Schul-Fach. Hätte mich als Schüler auch kaum interessiert.

  3. bei uns gabs auch keine Philosophie, dafür ab und zu mal einen blauen Brief, wenn du weißt was ich meine.

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