Kaffeetrinken mit Tom

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Laß uns ma gemeinsam ne Taß Kaff trinken und üba was diskutieren! Zum Bleistift üba Kinder-Erziehung. Aba setz dich nich hin, bevor du die Essensreste vom Sessel gewischt hast! Daß der so wirkt, als ob da schon ein paar Kleinkinder raufgepißt und -gekotzt haben, obwohl die ganze Anlage erst vor 1 Monat eröffnet wurde, liegt u.a. daran, daß die Süßen hier über Tische und Bänke toben. Wenn die dazugehörigen Erwachsenen sie ermahnen, klingt das so, als ob sie ihnen was vorlesen. Wenn man Glück hat, sind die verschiedenen Musikanlagen der Mall-Läden an der Küste Manados gerade nicht so laut, daß der Kaffee vibriert. Bleiben immer noch die niedlichen Kleinen, die mit schrillem Gekreische für Unterhaltung sorgen, falls sie nicht sofort das bekommen, was sie wollen. Daß Kinder ernsthafte Veranstaltungen wie z.B. religiöse Rituale akustisch dominieren, ist nicht ungewöhnlich. Was soll man da tun? Nich ausgehen? Die Kinder irgendwo abgeben? Solange unser Sohn im schwer bezähmbaren Alter war, sind wir nirgendwo hingegangen, wo er andere hätte stören können. Außerdem haben wir es mit Erziehung versucht. Da muß man ein Kind auch schon mal frustrieren, sonst wird man von diesen kleinen Monster gesteuert. In Indonesien wird anfangs kaum erzogen und später sehr rigide. Eins der Probleme liegt im „shifting baseline syndrome“, was bedeutet, die Kids können sich nicht mehr vorstellen, daß es mal einen anderen lebenswerten Zustand gab – deren Eltern auch nicht. Und der Grund-Widerspruch in der Erziehung liegt darin, daß es sich um Dressur handelt, solange keine Einsichts-Fähigkeit vorhanden ist. Dressur funktioniert durch Angst-Erzeugung, Eltern wollen jedoch geliebt werden. Deshalb greift Gott manchmal direkt ein, wenn zum Bleistift die 4jährige 3-Mille-Tochter (Soviel hat die Geburt gekostet – in Rupiah!) das geparkte Motorrad unseres Lieblings-Polizistens besteigt und jenes umfällt.
Da man mit den Fingern ißt, schleudern nicht nur bei Kindern Essensteile unkontrolliert in der Gegend herum, worüber sich jede Ameise im Nahbereich freut. Außerhalb der Malls auch die Hunde. Verläßt eine Großfamilie den Tisch, sieht es hinterher aus wie Sau. Dabei wird bei den Christen möglichst vor dem ersten Bissen gebetet. Oft kann man beobachten, wie das im letzten Moment erinnert, die die Nahrung zum Mund führende Hand plötzlich abgebremst, der Kopf gesenkt und mit den Lippen gemurmelt wird. Kürzlich sah ich im Restaurant eine essende Wilde im intensiven Gespräch mit ihrem Gegenüber. Dabei ruhte ihre rechte Kralle wie eine Baggerschaufel mitten im vollen Teller – bereit zum nächsten Griff. Mit der linken telephonierend und mit der rechten Essen in den Mund schiebend, beobachte ich immer häufiger. So laut zu reden (nicht nur ins Handphone), daß das ganze Café mitdenken kann, ist selbstverständlich bei der Persönlichkeits-Entfaltung der Minahasa. Was kann man von solchen Eltern erwarten?

Im Westen scheint Pädagogik ja auch immer schwieriger zu werden: „A recent study in Britain found that 10- and 11-year-olds were now multiscreening-watching TV and using a laptop or cellphone at the same time.” (“Newsweek” 18.6.2012). Vielleicht iss das ja die Lösung. Auf diese Weise stellt man sie ruhig, wenn man sie schon nicht während der Pubertät einfrieren kann – was mal eine Mutter beim Elternsprechtag vorschlug.

2 Gedanken zu „Kaffeetrinken mit Tom

  1. Pingback: Minahasa Utar | Flaschenpost

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