Was tun?

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„Lain ladang lain belalang, lain lubuk lain ikannya.“
Anderes Feld, andere Libelle. Anderer Tümpel, anderer Fisch.

Das wurde in einer Sonderausstellung des Senkenberg Naturkunde-Museums in Frankfurt gefragt. Der eine will seine Arbeit loswerden, der andere ist auf hoffnungsloser Suche danach. „Unter Bedingungen von Globalisierung, Finanzkrise und Klimawandel scheint nichts weniger sicher als die zukünftige Gestalt unserer Arbeitswelt. Die Vorstellung eines einmal erlernten Berufs, der den Platz jedes Einzelnen in der Gesellschaft markiert, das Leben prägt und individuellen Sinn gibt, scheint jedenfalls überholt.“
Dabei war die Auswanderung schon immer eine Möglichkeit – mit der aktuellen Absurdität gegenläufiger Ströme. Die in den Entwicklungsländern weitgehend Chancenlosen verstehen oft nicht die Träume der Zivilisationsmüden. Interessant und faszinierend deshalb die 15 wahren Geschichten von Personen, die ein neues Leben begannen, wie sie in dem Buch „Was nimmt man mit, wenn man nicht wiederkommt?“ von Roberto Di Marco niedergeschrieben sind:

Daß ein Italiener (38) das nichtmuslimische Bali als Fluchtpunkt wählte, ist in jeder Hinsicht verständlich. Dort war er zwar vor den Bombenangriffen der Mafia sicher, aber nicht vor tollwütigen Hunden. Auch gibt es zu viele, die auf dieser engen Insel siedeln wollen. Schließlich verlor er seine Freundin, die er in Malaysia traf, beim Bombenattentat vom 12. Oktober 2002.

Schwerer nachvollziehbar ist die Wahl der Philippinen. Seit Jahrzehnten sind die Nachrichten über dieses Land voller Unerfreulichkeiten: „Wenn sich jemand mit einer Zeitung nähert, hat er wahrscheinlich ein Messer darunter. Mißtraue allen, die sich freundschaftlich zeigen.“ In einem Macho-Land mit den leidenschaftlichsten und aggressivsten Bewohnern ganz Asiens, in dem Waffen wie Brötchen verkauft werden, braucht man sich über die Folgen nicht zu wundern. Schwer bewaffnetes Wachpersonal wird als normal empfunden. Auch ist die Taifun-Lage nicht gerade amüsant. Mindestens einmal im Jahr legen sich die Philippiner in den Flur und „beten, daß ihr Haus nicht wegflöge“. Während der Anarcho-Faktor auf den Philippinen wesentlich höher ist, sind die mentalen Unterschiede zu den Indonesiern gering. Man ist sehr geduldig – bis man ausrastet. Gemeinschaft ist alles. Wer viel Geld hat, zahlt erwartungsgemäß für die ganze Gesellschaft. Kritik wird schnell als Kriegserklärung empfunden.

Ein Römer (42) macht in Kambodscha diese Erfahrung: „Wenn es dir gelingt, nicht den Kopf zu verlieren, gehst du gestärkt daraus hervor.“ Auch spürt er, wie sich auswirkt, wenn man andere Lebewesen zu gut behandelt. Während sich die Enten dabei noch harmlos verhalten, empfindet er den Atem der Familie seiner Freundin wie ein „Rudel hungriger Wölfe“ am Hals. Jenes sieht ihn als eine Art Dagobert Duck und nutzt jede Gelegenheit, ihm Geld abzuluchsen.

Alexandra (31) aus Rumänien fällt auf, daß man sich in den USA schon beim Kampf um den Parkplatz gegenseitig beschießt. Die große Herzlichkeit im Miteinander beruhe auf der Sorge, sich eine Kugel einzufangen. Die Amerikaner seien auf Joggen fixiert und stürben an einem Infarkt. Danach würden sie schön geschminkt.

Den Italienern scheint ihr Land sehr auf den Sack zu gehen: „das Paradies für Amtsmißbrauch, Anmaßung, Betrug und Ungezogenheit“. Wer die Scheibe seines Wagens nicht gewaschen haben will, wird eventuell als Rassist beschimpft. Wieso dann nach Indien, wo ein Leben schon aus religiösen Gründen wenig zählt? „Das Wasser ist so schmutzig, daß man stirbt, wenn man davon trinkt.“ Auch wenn Baumaterial hochwertig ist, schaffen sie es nicht, „irgendetwas mit Sorgfalt und Genauigkeit zu machen“. In Madras gäbe es den größten Markt für menschliche Organe. Doch regt man sich nicht auf. Die Natur ist nun mal ein Schlachthaus.

Wer gern mit Deutschen zusammen ist, wandere nach Thailand aus. Allein in Pattaya gäbe es neben Müll und ohrenbetäubender Musik mehr als 1000 davon. Man könnte dort also ein Oktoberfest veranstalten. Ein Däne (30) hatte den Auftrag, den etwas unklaren Tod eines älteren Freundes im „Elefantenfriedhof“ Pattaya aufzuklären. Vor Ort wird er Nachfolger bei der attraktiven Witwe, die offensichtlich noch eine weitere Beziehung zum Westen unterhält, aus der sie Geld quetscht. Das wahre, große Business dieses Landes sei die „Rettung“ von Prostituierten durch Prinzen aus dem Westen: „Ich kann es nicht erwarten, mich um dich zu kümmern. Wann schickst du mir das übrige Geld?“

Wer dagegen sehen möchte, wie eine überfahrene Kuh auf einem Busdach tranportiert wird, die nach ein paar Kurven regelmäßig runterfällt, der sollte wie ein Mailänder (32) nach Laos auswandern (Schließlich wurde sie drinnen untergebracht.). „Die Thailänder pflanzen und ernten den Reis, die Vietnamesen sehen dem Reis beim Wachsen zu, und die Laoten lauschen seinem Geräusch.“ Und die Indonesier? Die telephonieren mit ihm.

Wer jedoch wie eine Russin (31) immer gleichzeitig 2 Männer liebt und einen Tierarzt für seinen Hund braucht, ist in Wladiwostok am besten aufgehoben.

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