Gänsehaut und –beine

Eingang-Friedhof

Recht viele Bettler sieht man rumsitzen. Frauen mit Kopftuch wie aus früheren Jahrhunderten, eine wie in die Ecke eines Strebepfeilers des Doms geklemmt. In der Kaufhof-Kosmetik-Abteilung sprüht ein sich unbeobachtet glaubender Neger sein Hemd mit Probierparfüm ein. Überleben in der Metropole. Irgendwie duften.

Irgendwas stimmt nich mit der Queen. 100 geworden? Jeden Tag Überflüssiges im TV. Gibt es wirklich Leute, die sich für den deprimierenden Anachronismus dieser teuren Hofnärrin interessieren? Die SPD fordert gerade einen nationalen Krippen-Gipfel. Wieso? Gips inzwischen so viele Ziegen-Halter in D? Auch hat sich eine neue Geste durchgesetzt: fliegende Gänsebeine. Wer etwas sagt, was er so nicht meint, zeichnet mit je 2 Fingern seiner Hände Striche in die Luft. Das bei den Minahasa weitverbreitete atavistische Zusammenkneifen der Lippen sehe ich bei den Papalagis dagegen nur einmal.

Während der deutsche Bundespräsident – anscheinend hamse nen neuen engagiert – seinen Rundgang in Israel beendet, krich ich wieder ne Gänsehaut. Die 3.. Und dann schreibt er siebeneinhalb Minuten ins Gästebuch. Irgendwer muß das gestoppt haben. Ich mein, das iss doch was. Für den jungen Dan Barker waren seine „goose-pimples“ Beweis für die Einwirkung Gottes. Erst später hat er das als Atavismus begriffen. Meine ersten bekam ich, als ich von Osten kommend unerwartet auf eine Friedhofs-Mauer traf, in die lauter kleine Bronze-Quader mit Namen und Zahlen eingelassen sind. Daten von ermordeten Juden – und die Mauer ist ziemlich lang. Auf manche Namensblöcken sind kleine Steine gelegt.

Friedhofsmodell

In der Nähe des Haupteingangs sind Mauerblöcke der alten Judengasse am Börneplatz zu einem Kubus aufgetürmt, der von 60 regelmäßig im Quadrat gepflanzten und gestutzten Platanen umgeben ist. Der Boden besteht aus wohl bewußt schlecht begehbaren grauen Schottersteinen, die zwar Rumtobende aber nicht scheißende Hunde abhalten. Die Grundriß-Fläche der zerstörten Synagoge ist extra markiert und dunkel geteert. Im Museum Judengasse kann man sich zwischen Fundament-Resten des ehemaligen Ghettos bewegen. Am Eingang muß man sich einem Sicherheits-Check wie am Flughafen aussetzen. Dann sehe ich in der Sonderausstellung „Gegen den Strom“ Porträts von verfolgten Juden und ihren deutschen Helfern. Viele gab es nicht, doch durch die Aufarbeitung erweitert sich die Zahl der Fälle stetig. Jahrzehntelang wurden diese Helfer nicht gewürdigt, denn in der westdeutschen Öffentlichkeit galten sie als „Vaterlandsverräter“ oder „Nestbeschmutzer“. Oskar Schindler lebte bis zu seinem Tode unbeachtet in einer 1-Zimmer-Wohnung im Bahnhofsviertel.
Neu ist mir die Information, daß es auch im deutschen Judentum vielfältige Spaltung in gegensätzliche Gemeinden gab.

Synogogensteine

5 Gedanken zu „Gänsehaut und –beine

  1. jaja, die ham einen neuen engagiert, so einen der mal die Stasi-Akten verwaltet hat, is schon ein bisschen senil meine ich immer, naja, was solls, man sollte den Mist abschaffen und vieles andere mit

  2. Tom, wie machst du das, das du auf beiden seiten hier den gleichen hintergrund hinkriegst.
    ich krieg das nicht hin, bei mir entweder rechts oder links, aber nie auf beiden seiten

  3. Die violette Farbe ist bei Dir auf beiden Seiten. Ansonsten kann man einstellen, ob linksbündig, zentriert usw.. Aber stell mal dieses unangenehme unendliche Skrollen ab! Das nervt.

  4. linksbündig, rechtsbündig, zentriert, ja
    das scrollen nervt. hab ich garnicht gemerkt
    mach ich sofort

  5. Pingback: Weg in die und aus der Idylle | Memoiren eines Waldschrats

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