Sportschau

Fruehsport

„Wenn Gott gewollt hätte, daß die Menschen joggen, hätte er dafür gesorgt, daß sie in Jogginganzügen ästhetisch aussehen.“ David Safier, „Mieses Karma“

Viele Frankfurter laufen keuchend mit rotem Kopf und ohne Grund. Ich sitze früh morgens am Schaumainkai und schaue. Deshalb heißt der wohl auch so. Zwischen dem Pfingstmüll sitze ich auf einer Bank. Gegenüber die Zahnstocher von Bankfurt. Ein Alter hält mit seinem Fahrrad und kontrolliert die überquellenden Mülleimer nach Brauchbarem. Oft beobachte ich solche Szenen. Tief hinein fassen sie und wühlen im Dreck wie ein Tierarzt im Rind. Die Luft kühl und klar. Das in der Morgensonne flimmernde Mainwasser in Op-Art Laune. 1 Taube wackelt an meinen Füßen vorbei. Läufer mit Knöpfen im Ohr, schleudernde Fettärsche in hautengen Gummihosen. „Scheiße!“ sagt einer, der auf seinem Fahrrad vorbeifährt, mit schwarzen Gummiwülsten auf dem Kopf, schwarzer Sonnenbrille, schwarzen Handschuhen und schwarzer Sportkleidung. „Scheiße! Wie mach isch das denn jetz?“
Woher soll ich das wissen? Die Papalagi reden vor sich hin wie Verrückte. Einen Chinesen höre ich schon von weitem, aber er steht ganz allein unter einem Bogen der „Alten Brücke“.
Für alle Verhaltensweisen besitzen sie passende Ausrüstung. Viele tragen Sportkleidung. Manche bringen gleich Trimmgeräte mit, mit denen sie auf dem Rasen rumhampeln. Die modernen Kinderwagen sehen wie zusammenfaltbare Behindertenhilfen aus. Manchmal sind sie sogar leer. Baby in den Main gefallen? Die Mütter je fetter umso hautengerere, schwarze Gummihosen. Ein Alter holpert hustend vorbei. „Gu-guck-kuu“, sagt der Täuberich und plustert sich auf. „Gu-kurr, gu-kurr.“ Aber sie will nich sondern lieber Müll inspizieren. Eine alte, abgezehrte Läuferin humpelt mit schlackernden Falten in den Oberschenkeln vorbei. Ob hier auch mal einer beim Jogging stirbt?
Nun nähert sich ein langer, weißer Schiffsquader mit Lautsprecheransage. Aber es ist nichts Religiöses wie zu Hause. „River Ambassador“, ein holländisches Hotelschiff aus Arnhem. 1stöckiger, unschöner Kasten. Jetzt passiert der Frachter „Venezia“ gefüllt mit Sand in den offenen Luken. Hinten eine Flagge rot/gelb/schwarz mit Löwem drauf. Endlich mal ein deutscher Lastkahn: „Taube“ aus Würzburg mit geschlossenen Luken. „Hirschhorn“ mainabwärts, „Rhinecontainer“ mit 3 Containern drin. Saurer Geruch von Plastiktüten, Flaschenscherben, aber die Luft iss gut. Und wieder frißt ein Spalt die Hose, hinten wie vorne.
Ich fühle mich, als ob ich gerade vom Mars gekommen bin. So als ob ich das alles zum 1.Mal sehe. Jetzt schreitet auf der völlig ebenen Teerpiste ein altes Ehepaar an mir vorbei – mit je 2 Hightec-Wanderstöcken – als ob sie noch den Himalaya überqueren müssen. Die sehe ich am nächsten Tag auf dem anderen Mainufer wieder. So weit haben sie es immerhin geschafft. Dann wieder einer von rechts zurück, den ich schon von links kommen sah. Der schnauft wie ein Pferd. Die Typen werden immer surrealer. Vielleicht stirbt ja einer in der Nähe, wenn ich nur lang genug warte. Dann könnte ich ihn fotographieren und im „Weekly Photo Challenge“ veröffentlichen.
Möwen gips hier auch. Ich hab noch nie vorher am Main gesessen. Wie mag das früher ausgesehen haben? Vielleicht sind Reiter den Fluß entlanggeritten, und hölzerne Kähne haben angelegt. Gerade kommt so ein langer schmaler Managertyp vorbeigehüpft. Hinten auf seinem blauen T-shirt steht mit weißer Schrift „Union Investment“. Das iss doch der letzte Laden, und die Commerzbank iss auch nur noch als Wolkenkratzer beeindruckend. Die Angestellten alle in dunkelblau oder schwarz – als ob sie in Trauer über die Außenstände in Spanien sind.

Bulle&Baer

9 Gedanken zu „Sportschau

  1. Du warst also daheim ? ich dachte, muss mal gucken was der Tom so tut. hab dich schon lang nicht mehr besucht. viele grüsse
    bist wieder daheim jetzt in Sulawesi
    wo ist es schöner, sicher in deinem Inselparadies ……………………..

  2. „Daheim“ kann ich das nicht mehr nennen, aber es war eine geistige Wohltat. Ein echtes Kontrast-Programm. Doch die Natur ist hier wesentlich schöner.

  3. das glaub ich dir sofort, daß die Natur bei euch schöner ist als hier in Deutschland, ich muß schon sagen, du hattest Mut, diesen Schritt im Jahr 2000 zu tun, auszuwandern. Ich glaube nicht, daß ich den Mut hätte. ich hab schon mal einen Kommentar geschrieben auf Deinem anderen Blog hab ich eben gelesen, wegen dem Waran, nein du bist kein Waran. natürlich nicht.
    ich hab damals vergessen zu antworten, war schon voriges jahr

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