Keine Pause

Muenchner-Str

Der Frühaufsteher hat es gut: Pfingsten und noch kaum Andrang auf die Züge nach Frankfurt. Das soll um die Mittagszeit erdrückend werden. Problematisch war das Umsteigen an der Flughafen-Station zum Hbf-Zug. 1 falsche schriftliche, 1 falsche mündliche Auskunft. Dann bin ich gerannt und hab den Anschlußzug trotzdem verpaßt. War aber kein Problem, weil ich schnell einen anderen fand. In Köln mußte ich auf die U-Bahn verzichten. Ich bin in Tokyo und Singapore U-Bahn gefahren, aber das Kölner Verkehrs-System überfordert mich, obwohl ich Kennzeichnungs-Farbe und Nummer der Linie kannte. So kommt man mit Taxifahrern ins Gespräch: Das Hotel „Mercure“ betrüge seine Gäste, indem es Absprachen mit teuren Transporteuren gäbe. Dagegen wirkt der „Münchner Hof“ im Frankfurter Bahnhofsviertel, als ob er als Bordell geplant war. Innen winzig, aber sauber und minimal-geschmackvoller eingerichtet als in Köln (u.a. Chagall-Kopien an den Wänden) – und sehr viel billiger. Die Straßenbahn draußen scheint akustisch direkt durchs Zimmer zu fahren, sind die Fenster geschlossen, hört man überhaupt nix mehr. Store wurden leider eingespart. Die Lage ideal.

Es klopft, und draußen steht eine etwas angegammelte Putze: „Isch komme späta. Gerade hat der-der so eine Punkt bei mir gemacht, aba isch komme späta.”
OK, masch nischt. Der Zimmerdienst im 4-Sterne-Hotel in Köln hat auch nisch auf Anhieb geklappt.

Jeder 3. Frankfurter ist nicht deutscher Herkunft – so wie der da unten, der um 6:30 laut gröhlend durch die Münchner Str. zieht: „Die Liiebe war wunderbar“, singt er. Aber es klingt nicht deutsch. Ein anderer, schmuddelig, nahöstlich wirkender junger Mann schleudert kreuz und quer über die Kreuzung und schreit dabei rhythmisch „UBA-GUDDA“ oder sowas ähnliches. Was iss bloß mit den Frankfurtern los? Auch wenn da son südlicher Manta-Typ im teuren BMW sitzt und seine türkische Musik zum Seitenfenster rausdröhnen läßt – ich mein – das wirkt einfach nich. Auch im Mercedes sehn die imma wie Mafia aus. Im Bahnhofsviertel sowieso.
Schräg gegenüber der Eingang zu einer Hinterhof-Moschee. Und da kommen sie auch schon im weißen Kaftan mit Käppi und Bart. Einem dieser Heiligen begegnen 2 Neger-Jungs mit Fußball. Er bleibt stehen, spricht mit ihnen und tätschelt ihnen den Kopf. Genauso läuft das. Machen die christlichen Popen auch nich anders.
„Hallo, der Herr! Kleine Pause machen?“ fragt mich die zerknitterte Nutte, die im Eingang eines Sexladens steht. Nö, danke. Ich hab gerade son leckeres Zitronen-Eis gelutscht. Das reicht mir ersma. Immerhin scheint sie eine der letzten Einheimischen zu sein. Die schokoladenbraune Nutte, die im nächsten Eingang neben meinem Hotel wartet, sieht wesentlich appetitlicher aus.
Rings um mich eine Welt aus Stein, Metall, Glas und Plastik.

Fahrstuhl

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