Stille Wünsche

grosser-Kater

Und was sagt die Gegenseite? Antworten finde ich in der Katholischen Akademie „Rabanus Maurus“ im Haus am Dom, Frankfurt, die sich gerade mit einer Ausstellung von Kunstwerken junger Straftäter schmückt, die ihre vom Jugendgericht auferlegten Sanktionsauflagen in Form von Arbeitsstunden in der Bildhauerwerkstatt „Kunsttäter“ ableisten. Ob das eine zwar nicht neue aber immer noch gute Idee ist, müßte die Statistik klären.

„Was ist eine irdische Zukunft ohne endzeitliche, oder doch transzendente Hoffnung?“ fragt der Direktor Prof. Dr. Joachim Valentin. Eine realistische, würde ich antworten. „Gott hat die Zukunft für den Menschen als etwas bestimmt, was im linearen, zeitlichen Sinn noch aussteht, was auf ihn ‚zukommt‘.“ Was das Lineare betrifft, so ist das ähnlich flachschürfend wie bei Bergmeier. Ohne Prädestination kommt der denkende Katholik anscheinend nicht aus. Dazu ist ihm sogar das fatale Beispiel des „erwählten“ Volks Israel recht, dem dessen erfundener Gott Land zugewiesen habe, das schon von anderen bewohnt war. Dagegen wurde Pierre Teilhard de Chardin für seine Vorstellung von Evolution als gerichteter Zufall mit Lehrverbot belegt, und die Publikation seiner Bücher untersagt. Immerhin hat man begriffen, daß es „absolute Zeit als absolut ruhendes Koordinatensystem“ nicht mehr gibt, und theoretische Aussagen über das Leben nicht abschließend möglich sind, „da sich das Leben nicht verallgemeinern läßt“. Während evolutionäre Humanisten an ihrer Überzeugung festhalten, „daß Homo sapiens sehr wohl das Potential besitzt, ein besonders sanftes, kluges und kreatives Tier zu sein“, ist man auf katholischer Seite der Ansicht, es gäbe zwar Hoffnung auf den besseren Menschen, „aber doch nie ohne Ausschluß des Wissens darum, daß jegliches objektives Denken seine Grenzen hat, wo der Mensch ins Spiel kommt“. Leider, möchte man stöhnen, wenn sich unser Vorarbeiter eine Kuh kauft, ohne Weideland zu besitzen, anstatt zuerst seine Schulden zu begleichen. Dagegen auf die Behauptung, „die christliche Trinitätslehre ist von großer Bedeutung für das Selbstverständnis des Menschen in unserer Zeit“, ein klares: Nö! Dieser Unsinn interessiert kaum noch jemanden. Der angeblich heilige Geist ist nur ein banales Tauben-Logo an der Einfahrt eines katholischen Hospitals in Frankfurt. Und auch der Heiligenschein liegt längst am Boden – wie Dr.Dr. Joachim Kahl (*1941) an einem surrealen Gemälde von Max Ernst auf der Tagung demonstriert hat.

Foto: Jean-Léon Gérôme, „Der hl. Hieronymus“, 1874

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