Feuer frei!

Feuerwache

„Der Papalagi kennt aber das Licht und lebt dennoch in der Dunkelheit und ist schlecht. Das Schlechteste aber ist es, daß er sich Gotteskind und Christ nennt, uns glauben machen will, er sei das Feuer, weil er eine Flamme in Händen trägt.“ Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea

1.Tag der Internationalen atheistischen Tagung in Köln, die in einer zum Theater umgebauten Feuerwache stattfindet: Nach René Hartmann, der auch als Dolmetscher fungiert, begrüßt Tanya Smith, Präsidentin der „Atheist Alliance International“ die ~250 (nicht gerade üppig) Anwesenden: Atheismus sei Synonym für Befreiung, Religion Synonym für Unterdrückung.

Philipp Möller arbeitete mehr als 2 Jahre als Grundschullehrer in den – wie man heute politisch korrekt Primitivität umschreibt – „weitgehend bildungsfernen Milieus“ Berlins. Entsprechend seinen Erfahrungen hat die Bildungs-Katastrophe eine soziale Katastrophe zur Folge. Einer der Gründe sei, daß in Berlin fast jeder Lehrer werden könne. Das scheint ein konstantes Problem zu sein, denn in den 60ern konnte dort auch jeder Polizist werden. Die Art, wie er seine, der deutschen Sprache beschränkt mächtigen Schüler nachahmt („Glaubst du bei Gott?“ „Nein.“ „Isch’asse disch!“) bringt uns Zuhörer nicht nur immer wieder zum Lachen. Eine besorgte junge Sensible warnt auch vor Verächtlichmachung durch sein „Kanak-Sprach“-Glossar. Das ist jedoch nicht Möllers Absicht, dessen im September erscheinendes Buch „Isch geh Schulhof“ mir leider nicht zugänglich sein wird.

Colin Goldner, ein Psychologe, der Opfer von Sekten, Psychokulten und anderen Esoterikern betreut, sieht den tibetischen Buddhismus als einen einzigen Sumpf des sexuellen Mißbrauchs, besonders von Frauen, die als Objekte von Theokraten, jenen mittels körperlicher Unterwerfung zum karmischen Ausstieg zu verhelfen haben. Das ist nicht neu, engagierte Buddhisten wollen es aber genauso wenig wahrhaben wie die Enthüllungen Brian Victorias über den Zen-Buddhismus. Die Beispiele, die Goldner aus dem tantrischen Buddhismus („Phallusgefährt“) liefert, sind derartig absurd und unappetitlich, daß man heutzutage nur noch mit bewußter Verschleierung Gläubige gewinnen kann. So wie Goya seinerzeit in Spanien befinden sich die Tibeter in einem Konflikt, der sich kaum auflösen läßt: Die chinesischen Unterdrücker bringen gleichzeitig Fortschritt. Männer aber, die sich besonders um Sperma-Zurückhalten oder sogar –Zurücksaugen bemühen, werden im tibetischen Buddhismus eine Fülle von Anregungen finden. Letztlich gilt jedoch wie überall: Üben, üben, üben!

Dan Barker, schon als sehr junger Bursche fanatischer Evangelist, hat seine missionarische Tätigkeit aufgegeben, verdient aber – und das findet er selber drollig – noch immer an den Rechten seiner christlichen Kompositionen (Evangelism = salesmanship). Er hat begriffen, daß es um Verkaufen geht, wobei man die Kunden zuerst in Angst versetzen muß, um ihnen dann Erlösung anzubieten: „Don’t sell them the idea of salvation, sell them the idea of hell first!” Die erheiternde Weise seines Vortrags wird durch Songs am Klavier ergänzt:

Beware of dogma, it has a bite.
Beware of dogma, it wants to fight.
Beware of dogma, it will ignite a holy war by itself.
Beware of dogma, it will entrap your mind.
Religious dogma, it will make you blind.
Beware of dogma, it’s not designed to let you think for yourself.
If we let it out in the universe
There will be no doubt, everything is worse.
Beware of dogma, don’t let it loose.
That unchained dogma, it will reproduce.
Tie up your dogma, there is no excuse for ignorance anymore.
Please, clean up after your dogma.”

“Happy as can be
I’m your neighbour atheist.
I have no horn
Don’t worry
I don’t bite
I’m as nice like you.”

Anders als ich, hat er den Kölner Dom-Turm bestiegen. Und? Hat er dort oben Gott gefunden? „Nein, eine Gruppe Chinesen!“

6 Gedanken zu „Feuer frei!

  1. aso. Zufälligerweise hatte ich heut auch grad im Tagblatt gelesen, dass die Freiwillige Feuerwehr in Sonnenberg hier ein beeindruckendes Sonnenwendfeuer veranstaltet hat.

  2. Pingback: Gänsehaut und –beine | Flaschenpost

  3. Pingback: Atheismus | Flaschenpost

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s