Die Rückkehr des Papalagi

Koeln-Daecher

„Der Papalagi wohnt wie die Seemuschel in einem festen Gehäuse. Er lebt zwischen Steinen, wie der Skolopender zwischen Lavaspalten. Steine sind rings um ihn, neben ihm und über ihm. Seine Hütte gleicht einer aufrechten Truhe aus Stein. Einer Truhe, die viele Fächer hat und durchlöchert ist.“ Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea

Als ich aus dem Hauptbahnhof Köln heraustrete, fällt mir gleich der monströse Dom mit seinen angehängten Baugerüsten auf. Fast bedrohlich beherrscht er einen übergroßen Vorplatz, der seit Jahrhunderten Touristen und verwirrte Pilger aufnimmt. Dann marschiere ich schwitzend mit meinen auf den unebenen historischen Fußwegen rumratternden Koffern den 1km bis zum Hotel. Zufällig befindet es sich ausgerechnet im Vergnügungszentrum Kölns, dem Friesenviertel. Friesisch wird dort jedoch nicht gesprochen, eher russisch. U.a. finde man in den intimen Bars „Menouche“ und „Blauer Engel“, so wird es schlafgestörten Pilgern getippt, „6 bis 10 sehr ansprechende und niveauvolle Damen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren“. Noch besser das „AnandaWave“ in „niveauvollen Altbau-Räumlichkeiten nahe Dom/Zentrum … Liebevoll und mit vielseitigen Berührungs-Qualitäten wird auch der Intimbereich lustvoll in die Massage einbezogen“, die „selbst Totalgestresste die Welt vergessen“ läßt. Beachtlich, wie in dieser Domstadt auch Katholiken die Möglichkeit des Intim-Kontakts mit außereuropäischen Kulturen geboten wird. Wesentlich billiger ist allerdings ein Besuch des Rautenstrauch-Joest-Museums.

Schauspiel-Sex

„Wir werfen einen Blick auf die Straße, in die Nachbarschaft, Zahnarztpraxis, in den Supermarkt, in Büros, Bäckereien und ins Fußballstadion … Was macht man statt Sex?“
Doch in Köln gips noch andere Möglichkeiten:

(Da Frau M. Akhardid der Ansicht ist, daß mein Foto ihres Geschäfts „erdenglanz GESUNDE HAUT & KÖRPERARBEIT“ hier „in einem Zusammenhang veröffentlicht wurde, der nicht [mit] meinem Geschäft zu tun hat“, habe ich es auf ihren Wunsch hin entfernt.)

Ein Gedanke zu „Die Rückkehr des Papalagi

  1. Sehr geehrte Frau Akhardid,
    als öffentlich Werbung Betreibende, können Sie sich weder über öffentliches Interesse beklagen noch über mögliche Fehlinterpretationen, zumal die von Ihnen gewählten Begriffe rätselhaft erscheinen: „erdenglanz“ entstammt den reformistisch-okkulten Ideen des 19.Jahrhunderts, und in welchem Zusammenhang hier „KÖRPERARBEIT“ zu sehen ist, bleibt völlig offen. Geht es im Foucaultschen Sinne um die Auflösung körperlicher Einengung von Bewegungen oder Hautregionen, mithin um einen Arbeitsprozeß, der Schranken aufheben und nach neuen Formbestimmungen suchen soll? Oder geht es im Sinne von Freud und Reich um Arbeitsvermögen mit Lustanhang als einer Politik des Körpers? Oder womöglich im Sinne Hegels um Sittlichkeit (Zuverlässigkeit als tote Arbeit)? Ebenso wie es zwischen Lust- und Realitätsprinzip wegen der Undomestizierbarkeit der Sexualität zu keiner Entscheidung kommt, sondern sich nur der Aufbau des Sexualcharakters oder des gesellschaftlichen Arbeitsvermögens stärker manifestiert, muß der Begriff „KÖRPERARBEIT“ in diesem kölner Zusammenhang als fragwürdig vorgestellt werden können.

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