Uncool Apple

Comedia-Theater-Koeln

Schon im Flughafen Manado treffe ich auf Deutsche. 2 Taucher, die sich u.a. ganz in der Nähe auf der Insel Lembeh aufgehalten haben, die ich von meiner Veranda aus sehen kann. Sie bestätigen das aktuelle Problem der Region: Überall Müll im Wasser. Der ältere der beiden meint sogar, wenn es trübe gewesen, so sei es Gülle aus Manado.

Am Imigrasi-Schalter leichte Verzögerung, denn der Beamte kommt mit meinem Sonderfall nicht klar. Ich habe eine „Re-entry“-Erlaubnis, denn sonst würde mein Status-Prozeß wieder bei 0 anfangen. Erst auf Nachfrage bei einem höheren Rang bekomme ich meine Stempel in den Paß. Auf Unprofessionalität kann man sich in Indonesien verlassen. Es ist immer mehr oder weniger spannend.

Für die 7Std. Wartezeit in Singapore miete ich ein Zimmer im Transit-Hotel. Übermüdet, die Haut zusammengezogen von der ungewohnt trockenen Luft, sehe ich dort so alt aus, wie ich bin. Draußen aufkommender Kaufrausch, hevorgerufen durch ein überwältigendes Waren-Angebot, wie ich es nicht mehr kenne. Nicht nach Fisch und Gülle stinkt es, sondern verführerische Düfte indischer und anderer exotischer Küchen locken mehr zu essen, als mein Magen fassen kann. Ringsum intelligente Ordnung, Sauberkeit und perfektes Design – warm im Gegensatz zum kühl-grau, schlichten Charm der frankfurter Bourgeoisie.

Im Flieger von Singapore nach Frankfurt befindet sich das Klo gleich hinter mir. Türverschluß: „KLONG-TSCHENG-RATSCH!“ Spülung: „WHOUSCH-ZOSCH!“ Gegen Ende des Fluges nur noch ein erschöpftes: „PUFF-SCHHH!“ So bin ich über die aktuellen Füllstände der Passagiere immer gut informiert. Links neben mir ein junger Mann, der nie auf’s Klo muß, sondern so schläfrig ist, daß ich zwischendurch kucke, ob er noch lebt. Rechts neben mir ein amerikanischer Taucher asiatischer Abstammung. Er war auf einem Tauchfahrt-Schiff, das weiter raus- und rumfährt, so daß er zwar das Müllproblem bestätigt, aber die ganze Zeit seine großartigen Unterwasser-Fotos mit Hilfe eines Apple-Laptops bearbeitet. Leider fügt sich zur 13-stündigen Sitzfolter noch sein Knoblauch-Gestank. Zu spät bemerke ich, daß der Netzstecker, den er mit Vorsatzgerät in unsere gemeinsame Armlehne gesteckt hat, mir den Oberschenkel verbrennt. Wegen meiner krummen Wirbelsäule ist die Schmerzempfindung in den Beinen schon wie bei Lepra-Kranken teilweise aufgehoben. Erst im Hotel in Köln finde ich eine cent-große Brandblase, und mein Oberschenkel sieht immer noch aus, als ob jemand seine Zigarette darauf ausgedrückt hat. Eigenartigerweise zeigt die Hose keine Brandspur. Apple is uncool. Das iss mir schon lange klar.

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