Es stinkt

Geist-erfuellt

Im Frankfurter Flughafen-Bahn-Terminal staune ich über das transparente Hallendach. Ich glaube, das alles mit geschärfter Aufmerksamkeit wahrzunehmen, bin tatsächlich aber durch den Flugstreß in einem irgendwie trüben Zwischen-Zustand. So stehe ich schließlich vor meinem ICE nach Köln, sehe auch die richtige Zugnummer, begreife aber nicht – schon weil auf dem Schild „Hamburg“ als Endziel steht, und da will ich ja nich hin. Neugierig schaue ich in die großen Fenster und frage die Zugbegleiterin skeptisch, ob mein großer Koffer eigentlich in die schmal wirkenden Gepäckablagen passen würde. Freundlich – wie einem Idioten – erklärt sie mir, daß die nach hinten tief genug abfielen. Das sind gute Aussichten, aber besser wäre es, wenn ich EINSTIEGE, denn es ist MEIN Zug. Das wird mir in dem Moment schlagartig klar, als sich der ICE langsam von mir entfernt. Pünktlich – aber ich habe jegliches Zeitgefühl verloren und glaubte, mein Zug käme noch.

Daß ich im nachfolgenden IC viel angenehmer nach Köln fahre, merke ich erst auf der Rückfahrt. Der ICE saust mit unangenehmen Geräuschen und Luftdruckveränderungen an allem Schönen vorbei, dagegen sehe ich aus dem IC heraus den Rhein mit seinen Burgen, Weinbergen und Schiffen. Alles sehr ordentlich und hübsch. Die Schrebergarten-Häuschen oft schwarz-rot-gold beflaggt. Dabei sitze ich unbeabsichtigt auf einem reservierten Fensterplatz, was sich herausstellt, als ein leicht empörtes Rentnerpaar eintrifft. Die verschrumpelte, dickliche Dame im Jeans-Kostüm und roter Allergie-Nase beim Betreten des Abteils: „Hier stinkt’s!“ Während meine ersten akustischen Eindrücke in D Fremdsprachen sind, die ich nicht einmal identifizieren kann, sitzt mit mir im Abteil ein junges Paar aus dem Flieger, das perfekt deutsch spricht, aber offensichtlich malaiischer Abstammung ist. Ich möchte der schlecht gelaunten Tante antworten, daß ich schon eine Weile nicht geduscht habe, vielleicht röche ich aber auch noch nach Taucher-Knoblauch, doch bin ich nicht gemeint. Als das „ausländische“ Paar aussteigt, kommentiert die Frau: „Endlich sind die weg!“ Und irgendwas wie „Kebab“ höre ich auch, obwohl es sich eindeutig nicht um Türken handelte. So ist das also mit der Integration in D.

Später verdeutlicht mir der Schaffner freundlich, daß ich mit dem ICE 1Std. früher „nach Hause“ gekommen wäre. Worauf ich ihm antworte: „Ich bin neu hier!“

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