Baum-Heiligtümer

Baumaltar-Gunung-Kawi

„Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!“  Günter Eich

Die allgemeine Einstellung der Bevölkerung in den Entwicklungsländern ist waldfeindlich. Das stellte Forst-Ingenieur Fritz Loetsch schon 1959 fest. „Kein Ausdruck scheint mir unpassender zu sein als derjenige von der ‚Lebensgemeinschaft‘ des Waldes, den manche Naturphilosophen für das sich ergänzende Zusammen- und auch Nebeneinanderleben vieler Pflanzenarten im Waldgefüge gebrauchen. Das oberste Gesetz, nach dem die Waldpflanzen leben, die biologisch unter den gleichen Standorts- und Klimabedingungen wachsen können, ist der ewige Kampf ums Dasein, der Kampf einer gegen alle und alle gegen einen.
Ist es nicht verständlich, daß die Einsiedler, die täglich die unerbittliche Mühe des Erdrücktwerdens und der in panischem Überfluß stattfindenden Neuzeugung vor Augen hatten, diesen ewigen Zyklus aus dem Pflanzenhaften auch ins Menschliche übertrugen?“

Sich anzusehen, was rücksichtslose Straßenbauer in der Natur angerichtet haben – auf so sinnlose Weise, denn die neue, überbreite Straße ist nach wie vor nur teilweise befahrbar – zeigt die ganze Häßlichkeit moderner Entwicklung, hier wie überall.
Zu glauben, ein Baum beherberge irgendwas Göttliches – wie in Gunung Kawi (Bali) – ist zwar etwas beknackt, hat aber sehr sinnvolle Auswirkungen: Nirgendwo in Nordsulawesi finde ich derartig schöne Baumplastiken. Weder Christentum noch Islam weisen solch eine subtile Beziehung zur Natur auf wie der balinesische Hinduismus. Selbst die Altäre und Schreine, die man in diese Baumriesen setzt, verstärken noch den ästhetischen Genuß – etwas was kein sadistisches Kruzifix leisten kann.

Signalturm-Ubud

Während ich jedes Jahr weiter aufforste, fallen ringsum die Bäume. Dies ist eins meiner Baum-Heiligtümer. Vor einem Jahrzehnt gepflanzt, werden sie mich hoffentlich lange überleben und dabei, im Gegensatz zu mir, immer schöner werden.

Heimbaum

3 Gedanken zu „Baum-Heiligtümer

  1. Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein. Aber noch trauriger ist es, keine zu sein.
    Peter Altenberg, *09-Mar-1859, † 08-Jan-1919 Österreichischer Schriftsteller

  2. Pingback: Kein Leben | Flaschenpost

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