Einmal König sein

Machine Gun Preacher“ ist ein Film, von dem ich nicht weiß, wie ich ihn einschätzen soll. Vom Weihnachtsmann wünsche ich mir jedesmal erfolglos 1 Sniper-Gewehr, mit dem sich zumindest das Problem der Hunde-Rudel lösen ließe. Und zum ersten Mal scheint mir Gerard Butler als Sam Childers (*1962) mehr als nur eine Comic-Figur darzustellen. Doch wenn man ihn mit dem gedrungenen, unspektakulären Childers im Nachspann vergleicht, eine offensichtliche Fehlbesetzung, mit der die Produzenten auf „easy emotional targets“ (William Goss) zielen. “Unfortunately, the suggestion that this changed man hasn’t really changed much – a junkie instead for a different kind of high, as prone to outbursts of now morally questionable violence as he had been before – is what fuels all of Butler’s shoutiest, hammiest moments.” Anscheinend werden die christlichen Erweckungsfilme immer raffinierter, wenngleich Afrika als Spielwiese für gelangweilte, sich als unausgefüllt empfindende Bürger aus den Industrieländern schon länger im Angebot ist. Der letzte westliche Lump kann in Entwicklungs-Ländern durchaus Karriere machen – besonders als Missionar. Und so erscheint dann der aufrechte Weiße als einer, der alles überblickt und in Ordnung bringt – im Falle von Childers mit dem Maschinen-Gewehr. Dagegen hat Melinda Gates inzwischen begriffen, daß Afrika nicht mehr sondern weniger Kinder braucht, und sie setzt sich trotz ihres katholischen Glaubens für revolutionäre Verhütungs-Methoden ein. Voraussichtlich wird sie damit wesentlich Nachhaltigeres erreichen, als jener Macho-Prediger, der pikanterweise den gleichen christlichen Extremismus praktiziert wie sein Widersacher Kony. Auch in Indonesien sind es gerade diese Fanatiker des “White Savior Industrial Complex”, die angetrieben von ihrem Sendungs-Bewußtsein Unruhe und Zersplitterung in die Gesellschaft bringen.

Es wäre leicht, mit meiner nun wohl doch bald eintreffenden Rente hier viel Gutes zu bewirken. Ich könnte z.B. den vor Schmerzen schreienden Meldi, dessen Gehirnblutung nicht operiert sondern täglich zuhause MASSIERT wird, im Krankenhaus operieren lassen. Oder mit Straßen- und Brückenbau die Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze schaffen, wenn – ja, wenn da nicht die conditio humanae wäre, die jegliches Denkmodell konterkariert. Die paar Tage des Straßenkriegs, der noch nicht wirklich zuende ist, haben mir meine Mitmenschen zum x-ten Male in abstoßend primitiv-gieriger Weise vorgeführt: Grenzen verschieben, Wasserläufe verändern, wenn der Nachbar nicht aufpaßt, raffen, was man raffen kann, jeder sich selbst der Nächste. Dabei sind die emsigsten religiösen Selbstdarsteller gleichzeitig die raffiniertesten Wölfe. Für diese Gesellschaft auch nur 1 Finger krumm machen? Du kannst sehen, wie sich ihre Mundwinkel nach unten ziehen, wenn sie dir nicht was abbeißen können. Ich entzöge ihnen durch meine Anwesenheit die Lebensgrundlage? JEDER versucht sie hier JEDEM zu entziehen, und der Skrupelloseste gewinnt – wenn ich ihm nicht zufällig im Wege stehe. A very different kind of high.

2 Gedanken zu „Einmal König sein

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