Gold & Geld

chinesischer Reichtum

“I know what gold does to men’s souls.” (The Treasure of the Sierra Madre)

Daß Gold den Charakter verdirbt, wies schon Traven überzeugend nach. Ich hatte bisher nur zu Goldzähnen intensivere Beziehung, die in ihrer japanischen Version während des Pazifik-Krieges gern von zangenbewehrten amerikanischen Soldaten gesammelt wurden. Doch in Indonesien ist es immer noch ein bedeutendes Anlage-Instrument, das illusionären Werterhalt bei Inflation bietet und oft zur in jedem Dorf vorhandenen staatlichen Pfandleihe gebracht wird. Besonders für diejenigen wichtig, die nicht mit Banken umgehen können, weil sie weder Schreiben noch Lesen gründlich gelernt haben.
Während man in D Anlegern einzureden versucht, der Kauf von Gold-Fonds-Anteilen sei das gleiche, bietet die Arbeit in Goldminen eine Abkürzung zum Besitz von echtem Gold. So mancher Minahasa arbeitet in West-Papua oder auf Halmahera unter Tage. Natürlich muß er sich einer Leibesvisitation unterziehen, wenn er aus dem Tunnel kommt, weshalb man sinnvollerweise mit dem Kontrolleur zusammenarbeitet. Auf den erhobenen Händen steht deshalb die unterschlagene Menge vermerkt, damit jener über seinen Anteil informiert wird. Und so entstand in meinem Dorf das nicht ganz bescheidene Haus eines Minenarbeiters mit Moped und 2 Wagen. Zwar verdient man gut in den Minen, aber SO viel regulär nicht!
Interessantes bieten in dieser Hinsicht auch Banken. Dort kann man die Alten beim Empfang ihrer Rente beobachten. Da sie ihr Leben lang nichts anderes erfahren haben als tembak (wörtlich = schießen; korrumpieren), um etwas zu erreichen, schieben sie der Kassiererin der staatlichen Bank Rakyat Indonesia das Kleingeld wieder als Trinkgeld zurück. Und die Kassiererin bedankt sich lächeld, obwohl sie für die Rentenauszahlung eigentlich nicht verantwortlich ist. Auch der leitende Bankangestellte mit seinem „Haleluya“-Bildschirm-Schoner rät, daß man statt der vertraglichen 499.000 auch 500.000 zahlen könne. Einfach so.
Wie schön, daß Rentner wenigstens in D auf ordentliche Weise betrogen werden. So schrieb mir die Deutsche Rentenversicherung aus Berlin:

„Sehr geehrter Herr Dobat,
Ihr Antrag auf Altersrente … wird abgelehnt, … Ihr Versicherungskonto enthält … statt der erforderlichen 420 Monate jedoch nur 324 Monate. Das reicht für den Anspruch auf eine Altersrente für langjährig Versicherte nicht aus …
Mit freundlichen Grüßen
Schad“

Ja, wirklich!
Und dieses weiß Mechthild Mühlstein über mich und die 3.Welt zu berichten:

„Sei doch mal ehrlich. Wenn ich Dein blog betrachte, habe ich den eindruck, daß Du ein imperialist im kleinstformat bist. Ich bin kein moralist – ist in ordnung, daß Du Dir nach den gegebenheiten eine niesche suchst, in der Du leben kannst. Jedoch konkurrierst Du in einem drittweltland mit Deinen erstweltmöglichkeiten – da muß man auf die »naturgegebene« übelegenheit des »erstweltmenschen« nicht lange warten.
Selbstverständlich, wenn Du als reisbauer in indonesien einen reibach mit der krise machen kannst, ist das für Dich prima – Du entziehst damit allerdings anderen menschen die lebensgrundlage – und da denke ich zu allererst an die menschen, die sich nicht in europa noch irgendwie ernähren können.”

Da bin ich platt!

W.Busch

3 Gedanken zu „Gold & Geld

  1. An sich hatte ich offline einen kommentar verfaßt, den ich bei modesty posten wollte. Weil es allerdings selten passiert, daß ich in einem artikel erwähnt werde, der von einem feinen frivolen ferkelbild (hast Du das selbst aufgenommen? Falls ja, wo? Wie auch immer, ich hab sehr darüber gelacht.) geziert wird, habe ich fix umdisponiert und schreibe direkt hier.

    Übrigens möchte ich vollständig zitiert werden, bringt doch nichts, mit halben sachen durch die gegend zu laufen.

    Meine ansichten die »dritte welt« betreffend, kannst Du kaum kennen, weil ich mich in meinen texten damit allerhöchstens sehr am rande befasse – wenn Du aus den von mir bei modesty geschriebenen zeilen »klischeehaftes denken« herauslesen kannst, und daß mein »horizont bis zum nächsten medienbericht« reiche, bittesehr. Vermutlich habe ich einfach in den vergangenen zwanzig jahren zu viel DDR-TV geguckt – ich kanns halt nicht lassen.

    So moralisch, wie das der mutmaßliche exRAFmann getan hat, indem er sagte, daß Du auch »gutes bewirken« würdest, habe ich Dich nicht bewertet. So etwas zu behaupten, wäre mir im traum nicht eingefallen – genauso wenig habe ich geschrieben, daß Du schlechtes tun würdest. »Gut« oder »böse« sind schlußendlich ziemlich leere begriffe, die als argumente für oder gegen etwas nicht viel taugen.

    Das mit Deiner altersrente ist bedauerlich. Vielleicht muntert es Dich ein wenig auf, daß die nachfolgenden generationen dergestalte probleme nicht haben werden. Einerseits bekommen die keine stellen, mit denen sie rentenpunkte erwerben könnten. Andererseits werden sie derart verschlissen, daß es unmöglich ist, rentenalter erreichen zu können.

    Du glaubst, wohlstand sei ausgbrochen, weil kinder schnickschak in den händen halten, den Du für »luxus « hältst.

    Ich sehe das anders.
    Ich glaube das NICHT.

  2. Obwohl ich Deinen Kommentar auf der Seite von „Modesty“ als außergewöhnlich beleidigend empfinde, gebe ich Dir hier Raum zur Stellungnahme. Ich werde mich mit Deiner Methode der Weltsicht noch in einem eigenen Post auseinandersetzen, obwohl ich das hier bereits vielfach getan habe. Das könntest Du verstehen, wenn Du liest und nicht nur „betrachtest“.
    Die Schweine stammen von einem Neujahrsumzug in Manado.

  3. Pingback: Gold vor der Nase | Flaschenpost

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